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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Anhang: Desinfektion der Schlachtfelder.

Bund I.

Anregung zu weiteren Maassnahmen.

Nachdem indessen die Anlinerksamkeit der Behördenden Zuständen auf den Schlachtfeldern zugewandt war,landen während der Winter die von letzteren drohendenGefahren einstweilen in den Hintergrund drängte ein-gehende Recherchen und nach Konstatirung des Sachver-halts Vorbereitungen für planmässige, von Sachverständigeneinheitlich zu leitende Maassregeln statt.

Ende Dezember wurden die Polizeikommissare der imBereich der Schlachtfelder um Metz gelegenen Kantonsseitens der Präfektur aufgefordert, sorgfältige Erhebungenanzustellen, sowohl über die Art der Leichenbestattungwie hinsichtlich der Maassnahmen, welche auf den Gebietender Schlachtfelder zur Beseitigung des durch die Rinderpestgefallenen Viehes und der Schlächtereiabfälle getroffenwaren.

Ueber das Resultat der Ermittelungen erstattete diePräfektur Meldung an das Civilkommissariat zu Strassburg.Auf Antrag des letzteren beauftragte das Preussische Kriegs-miuisterium durch Verfügung der Militär-Medizinalabtheilungvom 16. Februar 1871 zwei Militärärzte, den OberstabsarztDr. dArrest und Stabsarzt Di'. Bode, mit der Leitung dererforderlichen Maassnahmen.

Die Schlachtfelder bei Spicheren und Weissenburggaben zu hygienischen Bedenken keinen Anlass. Auf demGebiet des Schlachtfeldes bei Wörth waren in Folge einerVerfügung des Kreisdirektion vom 1U. Februar 1871 erneutegründliche Desinfektionsarbeiten unter Leitung des Polizei-kommissars Döllinger und Kantonalarztes Dr. Sadoul involler Ausführung.

Behufs Assanirung aller Schlachtfelder und grösserenBeerdigungsstätten in den von Deutschen Truppen besetztenGebieten erging unter dem 17. März 1871 seitens derPreussischen Militär - Medizinalabtheiluug an sämmtlicheFeldkorps- und Etappen-Generalärzte die Aufforderung,den aus mangelhaften Inhumirungen hervorgegangenenhygienischen Uebelständen kräftig zu begegnen. DieGräber sollten, event. unter vorheriger Anwendung vonDesinfektionsmitteln, genügend mit Erde zugedeckt, wonötliig, auch Exhumirungen vorgenommen werden.

ln Belgien war die öffentliche Meinung wegen desbenachbarten Schlachtfeldes bei Sedan sehr beunruhigt,ln Folge dessen setzte sich Ende Februar 1871 die BelgischeRegierung mit den Deutschen und Französischen Behördenin Verbindung und unternahm ihrerseits die Assanirungdes bezeichneten Schlachtfeldes. Mit der Ausführung be-traute sie Dr. Laute, den Chemiker Creteur und IngenieurMichel. Die Thätigkeit der Regierung wurde durch einin Belgien unter Vorsitz des Fürsten Orloff gebildetesComitc pour lassainissement des eliamps de batailleunterstützt, in dessen Aufträge sich Dr. Trouet an den.Maassnahmen bei Sedan betheiligte.

Auch die Französischen Behörden blieben nicht unthätig.Der Minister für Landwirthscliaft und Handel forderte in i|einem Schreiben vom 2. März 1871) das Coinite coiisul.iltativ dliygiene publique zu einem Bericht auf und über-sandte, nachdem das Comitö in einer Sitzung vom 20. ManBeschluss gefasst hatte, die vereinbarten Direktiven zursofortigen Ausführung an die Gesundheitsräthe der Depar-tements und Arrondissements.

So entwickelte sich im Beginn des Frühjahrs 1871eine lebhafte Thätigkeit auf sämmtlichen SchlachtfeldernFrankreichs; überall wurden die.gesundheitlichen Uebelstäudevon Sachverständigen festgestellt, die erforderlichen Arbeitenvon ihnen geleitet und überwacht.

Zustand der Schlachtfelder im Frühjahr 1871.

Am schwierigsten und komplizirtesten lagen die A r er-liältnisse bei Metz. Hier hatten in der Zeit von MitteAugust bis Ende Oktober neben der ansässigen Bevölkerungzwei grosse Armeen in einer Stärke von nahezu 500 000 Manntheils in der Stadt und den Dörfern einquartiert, theils inLagern gelebt. Die blutigsten Schlachten des Feldzugeswaren vor den Thoren der Festung geschlagen, zahlreicheLazarethe auf Deutscher und Französischer Seite errichtetworden. Hierdurch hatte sich in der Stadt selbst undderen nächster Umgebung eine Menge fäulnissfähigen Ma-terials aufgehäuft, dessen Beseitigung und Desinfizirungtrotz der durch zahlreiche Armeebefehle dokumentirtenAufmerksamkeit, welche das Oberkommando der Cernirungs-Armee dieser Angelegenheit unausgesetzt widmete, wederzur Zeit der Einschliessung, noch wie oben erwähntnach der Kapitulation der Festung vor Eintritt des Frosteshatte erreicht werden können.

Es zeigte sich bald, dass die Art, wie die Leichenund Kadaver beerdigt waren, nur einen Theil der abhilfe-bedürftigen sanitätspolizeilichen Uebelstäude abgab, dassvielmehr zur Erreichung einer gründlichen Assanirung auchdie ausgedehnten Lagerplätze derBazaineschen und DeutschenArmee, endlich alle diejenigen Ortschaften in Betrachtkamen, in denen oder in deren Nähe Truppen gelegenhatten, da auch nach Beendigung der Cernirung seitensder Dorfbewohner nichts zur Beseitigung des faulendenMaterials geschehen war, das durch die Anwesenheit sovieler Truppen und das Leben der Ortsbewohner selbst sichangehäuft hatte.

Die grossen Truppeulager, welche überdies in ihre 1 'Mehrzahl von bewohnten Häusern weit entfernt lagen,gaben allerdings nur zu verhältnissmässig geringen sanitäts-polizeilichen Ausstellungen Anlass; in den Dörfern hingegenboten sich die bedenklichsten hygienischen Zustände dar.Die Strassen wurden bedeckt gefunden mit Düngerhaufenund Jaucheherden, mit Resten faulender Uniformtrümmer

0 Annales dbygiene publique 1871. T. 35, p. 420 u. ff-