Band I.
III. Abschnitt: Allgemeine hygienische Maassnahmen. Ernährung.
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Gemüse.
Die in die Feldverpflegung aufgenommenen trockenenBemüse: Reis, Graupe oder Grütze, HülsenfrüchteErbsen, Bohnen, Linsen), Mehl bildeten den Haupt bestand■er Magazine und mussten in der Regel durch Nachschubaus der Beimath ergänzt werden. Auch sie erlitten auf denlangen Transporten, bei Anhäufungen und bei ungenügendemBenutz gegen Witterungseinflüsse oft Schaden. Der Reisfinir allmälig an in den Säcken aufzuquellen, sich zusammen-zuballen und in den äusseren Schichten zu verschimmeln;ähnlich verhielt es sich mit Bohnen und anderen Hülsen-früchten.
Diese trockenen Gemüse mangelten übrigens zu keinerZeit. Auf dem Marsche machte sich bei ihrer Benutzungmeist der Uebelstand geltend, dass die Zeit nicht ausreichte,Eeselben weich zu kochen, weshalb die Mannschaften lieberauf diese Nahrungsmittel verzichteten; bei dem Genüsseselbst entstanden leicht Verdauungsstörungen. Häufig warauch die Abneigung gegen diese Nahrungsmittel in derMangelhaften Kochfertigkeit der Mannschaften, bezw. in derUnkenntniss einer entsprechenden Zubereitung begründet.
Von frischen Gemüsen, welche im Herbste noch reich-lich auf den Feldern standen, waren namentlich Kartoffelnfast überall vorhanden, viel gesucht und für die Menagenbegehrt; vom November ab waren sie dagegen fast überalllor grossen Seltenheit geworden.
Sonstiges Gemüse und Obst kam nur in Lazaretbenzur Verwendung.
Genussmittel.
Von Genussmitteln war der schwarze Kaffee demSoldaten das Unentbehrlichste geworden, welches zu keinerZeit fehlte und über momentane Nothlagen am bestenhinweghalf.
Während des ganzen Feldzugs hielten alle Truppen-fuhrer darauf, dass den Mannschaften bei jeder Gelegenheitdas Kaffeekochen gestattet werde. Die Bereitung war mittelsder in ausreichender Zahl mitgeführten kompendiösen Kaffee-mühlen sehr rasch ermöglicht. Als bei der Armee vor MelzDiarrhöen sich massenhaft einstellten, befahl das Ober-kommando eine Erhöhung der Kaffeeportion auf das Doppelte.Um den Truppen dieses Genussmittel völlig zu sichern,machte man auch Versuche mit Kaffeekonserven oder so-genanntem Prosskaffee. Da die (Privat-) Fabrik, welche diesenArtikel lieferte, verhältnissmässig geringwerthigen Kaffeedazu verwendete und ihn mit Traubenzucker zusammenpresste,so ging man bald von diesem Aushilfsmittel wieder ab.
Von hohem Werth für die Erhaltung der Kräfte undGesundheit der Mannschaften war der allgemein verbreiteteRothwein, welcher in grossen Vorräthen in den okkupirtonBezirken aufgefunden wurde und das fast ausschliesslicheGetränk bildete.
Hier und da mussten sich die Mannschaften mit Ciderbehelfen, dessen Genuss häufig nicht ohne unangenehmeWirkungen blieb.
Anstatt des Weines kam zeitweilig Branntwein,Kognak etc., namentlich in den Wintermonaten, zur Ver-keilung.
Auch die reglementsmässigen Getränke-Portionssätzewurden zuweilen überschritten, so besonders vor Metz, wodie Ungunst der Witterung und der anstrengende Vorposten-dienst eine Erhöhung geboten.
Eines der anregendsten und für viele Soldaten fastunentbehrliches Genussmittel, der Tabak, ward in derersten Zeit des Feldzuges sehr schwer vermisst, zumal erselbst für theures Geld nicht leicht beschafft werden konnte.Ein vom 31. August 1870 datirter Allerhöchster Brlassgewährte den Mannschaften täglich drei Loth Tabak oderan dessen Stelle Oigarren.
III. Direkt gegen die Verbreitung von Krankheiten gerichtete Maassnahmen.
Waren in der vorstehend geschilderten Weise diewetteifernden Bemühungen der Truppen-Kommandos, derVei'waltungs- Behörden und der Sanitäts-Organe daraufgerichtet, durch zweckmässige Unterbringung der Mann-schaften in Biwaks und Kantonnements, durch Erhaltungfcrösstmöglicher Sauberkeit daselbst die Entstehung vonKrankheitskeimen thunlichst zu verhüten, sowie den Ein-zelnen durch angemessene Kleidung und Ernährung wider-standsfähig gegen die Einflüsse der Witterung und unsicht-barer Krankheitekeime zu erhalten, so blieb nunmehr noch
die Aufgabe übrig, nachweislich vorhandene oder mitWahrscheinlichkeit zu vermuthende Ansteckungsstoffe soweitunschädlich zu machen, als sich dies unter den jeweiligobwaltenden Verhältnissen erreichen Hess.
Diesem Zwecke sollten vor Allem die ausgedehntenDesinfizirungen dienen, auf deren umfassende Vornahmeund sorgfältige Ueberwachung durch die Sanitätsorganenamentlich das Preussische Kriegsministerium unablässighindrängte. Bereits unter dem 30. Juli 1870 wurden seitensder Preussischen Militär-Medizinal-Abtheilung zahlreiche