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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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Band« Band I.

III. Abschnitt: Allgemeine hygienische Massnahmen. Ernährung.

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Als die Anfang September auftretende Rinderpestgrössere Störungen im Bezüge des bei den Mannschaftenvorzugsweise beliebten frischen Rindfleisches verursachte, ge-langten andere Fleischsorten (nebst Konserven) zur Abgabe.

Zunächst kam in ausgiebigster Weise das Hammel-fleisch zur Verwendung. Dasselbe bildete in der erstenZeit (Mitte September) noch eine willkommene Abwechslungin der bisher ausschliesslichen Rindfleisch-Nahrung; baldjedoch stellten sich bei dem in Folge unvermeidlicherVerhältnisse oft wochenlang andauernden Genüsse diesesFleisches (von fetten oder sehr abgetriebenen Thieren)nicht selten unüberwindlicher Widerwille und gastrischeStörungen ein.

Geräuchertes Fleisch (Rauchfleisch) wurde eben-falls verabreicht, indessen verbot der immerhin geringeVorrath desselben im Handel eine Verwendung in grösseremMaassstabe. Wenngleich es an Nährkraft ein wenig demfrischen Fleische nachsteht, so gewährte es doch eineAbwechslung, welche auf Appetit und Verdauung gleich-niässig anregend wirkte.

Salz- oder Pökelfleisch in grösseren Quantitätenvorhanden kam längere Zeit zur Verwendung, jedochverursaclite dieses durch Auslaugen eines Theils seinerNährstoffe beraubte und hierdurch minderwerthige Fleischbei mehrtägig wiederholtem Genüsse zahlreiche Verdauungs-störungen.

Der Speck als Ersatz für das Fleisch und Bestand-teil der eisernen Portion füllte trotz seines geringenEiweissgehaltes und leichten Verderbens in warmer Zeitals werthvolle Bereicherung des Fleischspeisezettels einewesentliche Lücke unter den Nahrungsmitteln aus. Wurdeer aber längere Zeit hindurch genossen, so trat Widerwilleein, bei Salzspeck machten sich ausserdem oft Verdauungs-störungen bemerklich. Namentlich war sein Genuas denSüddeutschen, nicht daran gewöhnten Soldaten wenig zu-träglich. Am meisten behagte der Speck den Truppen,wenn er in kleiner Quantität als Zugabe zu einer ander-weitigen Fleischportion geliefert wurde.

Konserven.

Die vielfachen Hemmnisse, welche sich bald nach Beginndes Feldzuges uutl im weiteren Verlaufe desselben öfters inunüberwindlicher Weise einer regelmässigen Verpflegungdes Heeres mit frischen Lebensmitteln entgegenstellten,erweckten früh das Bedürfniss nach einem Ersatz, der nicht

nur den augenblicklichen Hunger befriedigen könnte, sondernauch im Stande wäre, eine wirkliche Rekonstruktion derdurch die Anstrengungen verbrauchten Kräfte zu ermöglichenund damit die Leistungsfähigkeit des Körpers auf demNiveau zu erhalten.

Zunächst war das Bestreben dahin gerichtet, das frischeFleisch mit thunl ichster Erhaltung seiner Vorzüge für einenlängeren Transport fällig zu machen.

Dies führte zu dem sogenannten Dauerfleisch, welchessich vor Metz bei den Truppen') im Allgemeinen bewährte,und von den auf Deutschem Gebiete ausserhalb der Seuchen-herde gelegenen Magazinen geliefert wurde. Die Herstellungdesselben, welche sich auf kurz vor Ausbruch des Kriegesangestellte Versuche gründete, geschah in der Weise, dassman frisches Fleisch zuerst bis zur Koagulirung der ober-flächlichen Schicht dämpfte, dann trocknete, schliesslich mitSalz und Pfeffer einrieb.

Einzelne Truppentheile bedienten sich selbst des gleichenVerfahrens, um das frisch gelieferte Fleisch wenigstens fürzwei bis drei Tage zu konserviren. Auch suchte man ganzallgemein in einfacherer Weise das Fleisch durch kräftigesEinreiben mit Salz und durch Einwickeln in Gras, frischeBlätter oder nasse Tücher vor dem Verderben zu schützen.

Naturgemäss konnten diese Methoden dem hoch ge-spannten Bedürfniss nicht genügen. Die Armee-Intendanturder 11. Armee hatte deshalb gleich nach der Mobilmachungin Berlin eine Konservenfabrik eingerichtet, welche zunächstnur für die Herstellung einer einzigen Konserve,derErbswurst", bestimmt war, später aber auch reine Fleisch-konserven lieferte. Bei Beginn des Krieges war die Technikder Darstellung von guten Fleischkonserven 2 ) im Allgemeinennoch nicht über die ersten Anfänge hinaus entwickelt.Auch die Privatindustrie vermochte nur wenige als Feld-Nahrungsmittel geeignete Präparate zu bieten. Es warendies vornehmlich: das Fleisch-Extrakt, das Büchsen-fleisch und der Ungarische Gulasch.

Dem Amerikanischen Fleisch-Extrakt blieb in Noth-fällen eine beschränkte Verwendung gesichert, so bei Metz,wo es auf Vorposten und in Biwaks, in seltenen Fällensogar als einziger Ersatz für das fehlende Fleisch nebendem Gemüse zur Vertheilung kam. Die hier und da gehegteErwartung, dasselbe würde als Zusatz zu vegetabilischenNahrungsmitteln diesen einen erhöhten Nährwerth gebenund so den Genuss des Fleisches ersetzen, konnte nurbedingt und auf indirektem Wege insofern erfüllt werden,als das Fleisch-Extrakt eine schmackhafte Zubereitung derPflaiizennährstofle, sowie des Brotes in den Suppen ermög-lichte und dadurch einer Verschleuderung dieser Stoffe durchWegwerfen entgegenarbeitete.

') Vergl. im Uebrigen Seite 44.2 ) Dieses Ziel darf jetzt naeh den Ergebnissen der bisherigenpraktischen Versuche in der Mainzer Konservenfabrik als erreichtbetrachtet werden.