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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
76
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Aus dein gleichen Anlass fanden vor Paris alkoholischeGetränke mit Zusatz von Tinctura corticum aurantioriunoder radicis calami Verwendung.

Gegen das in Folge einförmiger Nahrungsweise unddes Mangels an frischen Vegetabilien (wohl auch in Folgedes fortgesetzten Genusses von gypshaltigem Wasser) beiden Bayerischen Truppen häutiger beobachtete Erkrankenan Gelbsucht erwies sich neben möglichster Abwechselungin der Verpflegung als bestes Schutzmittel der regelmässigeGenuss eines Salates aus Bitterkräutern (Leontodon taraxacuni,Rumexarten, Brunnenkresse etc.). Diese Pflanzen konntenbereits Anfang Februar im Freien gesammelt werden.

Nach Eintritt des Präliminarfriedens waren zu FolgeAllerhöchster Bestimmung Requisitionen irgend welcher Artnicht mehr zulässig; von diesem Zeitpunkt ab fand daherausschliesslich Magazin-Verpflegung statt. Vom 21. März 1871all wurde eine Verpflegungs-Zulage bewilligt und zwar denUnteroffizieren doppelte Löhnung, den Mannschaften einetägliche Zulage von 25 Pfennigen; dagegen hörte seitensder Verwaltung die Beschaffung von Tabak, Cigarren undWein von diesem Zeitpunkte ab auf.')

B. Die hauptsächlichsten Nahrungs- undGenussmittel.

Von den zur Feldverpflegung gehörigen Nahrungs- undGenussmitteln lieferten die Proviautkolonneti und Magazinehauptsächlich: Brot, Zwieback, Mehl, frisches Rindfleisch,1 [ammeifleisch, Rauch- und Pökelfleisch, Speck, Erbswurst,Büchsenfleisch, Fleischkonserven, Reis, Graupen, Hülsen-früchte, Kaffee, Zucker, Rothwein, Branntwein, Cigarrenund Tabak.

Brot und Zwieback.

Das wichtigste und unentbehrlichste Nahrungsmitteldas Brot wurde während des Feldzuges theils durchRequisition der im Operations-Gebiete vorgefundenen Vor-räthe, theils durch Herstellung seitens der Feldbäckereien,theils durch Selbsterbackung bei den Truppen, endlich durchNachschub aus der Heimath beschafft.

Das requirirte Französische Weissbrot war- wegen seinerleichten Verdaulichkeit im Allgemeinen sehr beliebt: einigeRegimenter hatten sich so sehr daran gewöhnt, dass, alsdas Commissbrot aus Roggenmehl mit starkem Kleie-Gehalt während des Waffenstillstandes wieder zur Aus-gabe kam, Verdauungsstörungen sich bemerklich machtenund erst durch Mischbrote aus Roggen und Weizen einUebergang hergestellt werden musste. Anderwärts wurdeim Gegentheil das bei den Truppen selbsterbackene Brotvielfach dem Französischen Weissbrote vorgezogen.

Zwieback kam zur Ausgabe, sobald die Umstand?die Brotverpflegung unmöglich machten. Der DeutscheZwieback bestand aus einem Gemisch von RoggenmehlWeizenmehl und war ßestandtheil der eisernen Portion,Seinem Nährstoffgehalt nach ein guter und kräftiger Ersdes Brotes, erwies er sich doch als zu zäh und klebrjjbeim Kauen.

Besser mundete den Truppen der lediglich aus gutenWeizenmehl hergestellte Zwieback, 1 ) wie derselbe bei Sedaaus Französischen Vorräthen zur Vertheilung gelangte. V(Paris wurden daher die vorgefundenen Weizen-Vonallnvielfach zu Zwieback verwendet, welcher namentlich eineschmackhafte Suppe lieferte.

Fleisch und Speck.

Das hauptsächlichste Nahrungsmittel neben dem Brotibildete in der Feldverpflegung das Fleisch zunäcÜdas Rindfleisch, welches ebenfalls theils durch Requisitiavon Rindern im Operationsbereich, theils durch Nachschub vileitendem Vieh aus den etablirten Viehdepots beschafft wank

Die Nachführung des Fleisches der durch die bei-gegebenen Schlächter-Kolonnen geschlachteten Rinder vamochte nicht den Bedarf zu decken, auch war das Flekt,bei diesen Transporten häutig dem Verderben ausgeset;daher in der Regel die Truppen selbst die lebendgeführten Häupter bei Ankunft im Biwak oder Quartier durelihre eigenen Mannschaften schlachten Hessen. Den Uebel-stand, dass auf solche Weise frisches, nicht ausgekühltFleisch zur Vertheilung kommen musste,' suchte mau durdbesondere Instruktionen zu beseitigen, nach denen nFleisch zum Zwecke der Auskühlung stets eine Nacht auf-bewahrt und am folgenden Morgen gekocht entweder sofort!genossen oder im Kochgeschirr des Mannes bis zum gelegen!-liehen Gebrauch transportirt werden sollte.

Von entschiedenem, hygienischem Werthe war die fijhöhung der Fleischportion auf ein Pfund, ebenso die spät«bei besonders angestrengtem Dienste (vor Metz und Parisjgewährten Extra-Zulagen an Fleisch. Diesen Anordnung!lag nicht allein ein gesteigertes NahrungsbedürfnissMannes, sondern auch die Erwägung zu Grunde, dass 'den unberechenbaren Zuständen des Krieges, bei derliegenden Gefahr des Verderbens der Nahrungsmittel in Folge!der Witterung oder der schlechten Transportverliältui--'bei der Ungeübtheit der Soldaten in der ZubereitungSpeisen, besonders des Fleisches, unvermeidliche Verladzu entstehen pflegen, welche durch diese Portionssätze naeMöglichkeit ausgeglichen werden sollten.

Wesentlichen Einfluss auf den Nährwerth des Fleischt-hatte die Art der Beschaffung und die Zubereitung,von den Treibern und Pflegern von weit her überGrenze gebrachte, ohne gute Pflege und genügende Uni

J ) Siehe im Uebrigeii hinsichtlich der Verpflegung der Truppenßeneralfttabswerk II. 8. 14801498.

*) Der jetzige Preussische Zwieback wird gleichfalls aus rea\V eizenmehle erbacken.

kunftsräume zusammei

lang hinter den Heerdiesen Umständen tielehrungen oder Seuczum Opfer; im besteerheblich an QuantitäBoden während deshei getriebenem ViehKnochen wie 41: 59

Als die Anfanggrössere Störungen iivorzugsweise beliebtenlangten andere Fleisch

Zunächst kam infleisch zur VerwendZeit (.Mitte September]in der bisher ausschjedoch stellten sichVerhältnisse oft woclFleisches (von fettetnicht selten unüberwStörungen ein.

Geräuchertesfalls verabreicht, indVorrath desselben imMaassstabe. Wennglfrischen Fleische nacAbwechslung, welchemassig anregend wirk

Salz- oder Pökvorhanden kamverursachte dieses dvNährstoffe beraubte ubei mehrtägig wiederhStörungen.

Der Speck atheil der eisernen PoEiweissgehaltes undab werthvolle Bereicwesentliche Lücke uuler aber längere Zeit 1ein, bei Salzspeck macStörungen bemerklich.Süddeutschen, nicht d;fraglich. Am meistenwenn er in kleinerweitigen Fleischportio

Die vielfachen Hetdes Feldzuges und imunüberwindlicher Weides Heeres mit friscerweckten früh das Be

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