Band« Band I.
III. Abschnitt: Allgemeine hygienische Maassnuhmen. Ernährung.
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erbackung des Brotes seitens der Truppen als besondersjrerthvolles Auskunftsmittel.
Behufs Ernährung der Einschliessungs-Armee vor Metz
führten zunächst die Kavallerie-Divisionen umfangreicheRequisitionen aus; später wurden stabile Etappenmagazinemit regelmässig organisirter Zufuhr zu den Truppen ein-gerichtet.
Eine gute Verpflegungs-Aushilfe wurde den Truppendieser Armee, insbesondere mit Rücksicht auf die währenddieser Periode ausgebrochene Binderpest, in den Gemüse-und Fleischkonserven (Erbswurst, Dauerfleisch etc. undßüchsenfleisch) gel toten.
Grosse Schwierigkeit verursachte die Versorgung derauf dem Plateau des linken Moselufers gelegenen Armee-korps mir Trinkwasser. Die natürlichen Wasserläufe führtenso wenig Wasser, dass die Kavallerie sich genöthigt sah, grosseStrecken zum Tränken zurückzulegen und eigene Detache-ments zu regelmässigem Wasserholen organisirt werdenmussten. Zur Vermeidung von Kollisionen und Störungenwaren genaue feldpolizeiliche Anordnungen erforderlich.Das meist trübe und lehmige Trinkwasser wurde, soweitdazu geeignete Apparate sich beschaffen Hessen, durchKohlenfilter gereinigt.')
Die vor Metz eingetretenen sehr zahlreichen Erkran-kungen an Durchfällen, Ruhr und Typhus machten allge-meine Bestimmungen betreffs der Ernährung nothwendig, undzwar besondere für Kantonnement, Biwak und Vorposten.
Kaffee wurde in doppelter Portion, Branntwein in er-höhter Gabe. Wein nach Maassgabe des durch Requisitionengewonnenen Vorraths geliefert, der eiserne Bestand aus Erbs-wurst und Kaffee zusammengesetzt, Extraportionen Brot ausLiebesgaben verabfolgt, von einzelnen Korps die extra-prdinäre Ausgabe von 2 ! /a Loth Mehl pro Mann zur Her-stellung einer warmen Mehlsuppe am Abend angeordnet.Das Trinkwasser musste vor dem Genuss gekocht oder mitSpirituosen Zusätzen• versehen werden; der Genuss von ObstOberhaupt und insbesondere von unreifen Weintrauben wurdegänzlich untersagt, derjenige von wässerigen Kartoffeln aufs Aeusserste beschränkt, dagegen Reis allgemein an-\ empfohlen und eine genaue sanitäre Ueberwachung sämmt-[ lieber Lebensmittel durchgeführt.
Die Beifort belagernden Truppen waren fortdauerndder Sorge für ihren Unterhalt ausgesetzt, da das Terrainum die Festung von der Französischen Besatzung schonstark ausgebeutet war und auch Requisitionen auf weitereEntfernungen erfolglos blieben. Erleichterung wurde zu-nächst durch die Erbeutung von grossen Proviantmengen inNeu-Breisach, sodann durch die Errichtung eigener Bäckereienund Schlächtereien bei den einzelnen Truppentheilen ge-schaffen. Gleichwohl behielt die Kost eine grosse Gleich-förmigkeit; zumeist bestand sie aus Rindfleisch mit Reis.Die Mannschaften fühlten bald Widerwillen gegen diese
Betrefl's der Abessynischen Brunnen siehe Seite 67.
Zusammenstellung und litten viel an Verdauungsstörungen.Mit grosser Freude wurden deshalb die Konserven, besondersdie Erbswurst, begrüsst, welche gerade in dieser Episodeder Entbehrungen während der Kämpfe um Beifort einebeliebte und gesuchte Speise abgab. Die Tage der Schlachtan der Lisaine (15. bis 17. Januar) stellten durch empfind-lichen Mangel an Brot und völlige Stockung der Zufuhrdie Entsagungsfähigkeit der Truppen auf eine besondersharte Probe. Die Errichtung eines grossen Magazins inDole aus dort gefundenem Französischen Proviante, sowiedie befohlene Verpflegung des Armeekorps durch dieIL Armee für zehn Tage auf der Linie Blesme—Joignyverbesserten die Verpflegungsverhältnisse wohl im Ganzen,doch konnte eine durchgreifende Aenderung erst mit Er-öffnung der Bahn Blesme—Dijon eintreten.
Die dichte Belegung der Kantonnements vor Paris,der dadurch bedingte Wegfall ausreichender Requisitionenund die Nothwendigkeit der Zufuhr durch Proviantkolonnenauf weitere Entfernungen machte hier zeitweise Beschrän-kungen der Tagesportion, insbesondere hinsichtlich desFleisches, nothwendig, wogegen es nicht an Kaffee, Weinund trockenen Gemüsen mangelte und auch Feldfrüchte,wie Kartoffeln, deren systematische Gewinnung im Befehls-wege geregelt wurde, erwünschte Aushilfe boten.
Das Erbacken des Brotes geschah auch hier vielfachdurch die Truppen selbst.
Die Verabreichung von Branntwein bezw. Wein erfolgtevor Paris speziell für die auf Vorposten und in Biwaksbefindlichen Truppen, sowie für diejenigen der Belagerungs-artillerie.
Die Beschaffenheit des Trinkwassers erforderte auchdort besondere Vorkehrungen. Schon beim Einrücken indie Kantonnements waren seitens der Preussischen Militär-Medizinal-Abtheilung unter Hinweis auf die Wirkung desvorherrschend gypshaltigen Wassers besondere Verhaltungs-maassregeln anempfohlen worden. In einzelnen dichtbelegtenOrten fehlte es an Brunnen, auch hatte das Wasser einenschlechten Geschmack. Man war genöthigt, stagnirendesCisternenwasser zu gebrauchen, welches bald einen fauligenGeruch nach Schwefelwasserstoff annahm. Zur Verhütungsanitärer Nachtheile sahen sich auch dort einige Truppen-theile genöthigt, einen Wasserbeschaffungs-Dienst zu organi-siren, um das Wasser oft aus weiter Entfernung heran-zufahren. Die Reinhaltung der Dächer zur Vermeidung vonVerunreinigung des Cisternenwassers war gleichfalls Gegen-stand wiederholter Befehle.
Als der Gesundheitszustand der Armee sich ver-schlechterte und namentlich Erkrankungen an Darmkatarrh,Typhus und Ruhr sich häuften, ergingen an die Mann-schaften Belehrungen und genaue Verhaltungsbefehle be-züglich der Lebensweise; die tägliche Beköstigung in denMenagen wurde durch besondere diätetische Vorschriftengeregelt, ausserdem Morgens die Verabfolgung eines BechersRothwein oder schwarzen Kaffees mit Kognak angeordnet.
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