Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
74
Einzelbild herunterladen
 

H

74

II. Kapitel: Sanitätsdienst etc. bei den Truppen.

Band ]

Band I.

durch umgewickelte Bänder zu befestigen, was Störungender Blutzirkulation zur unvermeidlichen Folge hatte.')

Von den Ausrüstungsgegenständen hat sich der kleinereTornister ohne Holzgestell, mit welchem ein grosser Theilder Norddeutschen Truppen in das Feld gerückt war, beiden ungünstigen Witterungsverhältnissen nicht gut bewährt.Derselbe schrumpfte, da kein Holzrahmen ihn stützte, durchdie Nässe zusammen und nahm eine unregelmässig ver-schobene Form an. Das Hauptgewicht kam dadurch aufdas Kreuz zu liegen; der Tornisterzog", behinderte dieAthmung und ermüdete schnell den Träger. 2 )

Der Brotbeutel, meist durch eine dreitägige Mund-

*) Gegenwärtig bestellt die zweckmässige Anordnung, dass dieTuchhosen der Infanterie-Mannschaften mit einer Knöpfvorrichtung zuversehen sind.

2 ) Die inzwischen erfolgte Rückkehr zu dem älteren, grösserenModell mit einem Holzgestell und einer dem anatomischen Bau desRückens entsprechenden Form kann daher trotz des etwas grösserenGewichts dieses Modells nur als vortheilhaft angesehen werden.

portion beschwert, drückte in Folge seiner Trageweise ein-seitig auf die linke Schulter und beeinträchtigte ebenfalj.das freie Athemholen. Um diese Nachtheile wenigstenzeitweise zu beseitigen, wurde mehrfach sehr zweckmäsäeine Verschnürung des Brotbeutels mit dem Säbelkoppelangeordnet und dadurch das Gewicht des ersteren auf dieHüfte verlegt. Als weiterer Uebelstand machte sich geltenddass der Brotbeutel nicht aus wasserdichtem Stoff In».gestellt war und im Innern keine Scheidewand besass. InFolge dessen wurde der im Brotbeutel verwahrte Provialdurchnässt, nicht selten verdorben, insbesondere das Brot erweicht, auch durch andere Gegenstände (Tabak, Pfeife a.s.w.beschmutzt und im Geschmack beeinträchtigt. 1 )

J ) Inzwischen sind seitens des Preussischen Kriegsministeriinn.grössere Versuche mit wasserdichten Brotbeuteln angeordnet wordenwelche letzteren im Innern eine Scheidewand (kleine Tasche) besitzeund mit einer Vorrichtung versehen sind, welche das Tragen derselb«am Leibriemen ermöglicht.

II. Ernährung

A. Art der Verpflegung in verschiedenenPerioden des Krieges.

Der Ernährung der Truppen, diesem hochwichtigenFaktor für Erhaltung der Gesundheit und Leistungsfähigkeit,wurde sowohl seitens der obersten Heeresleitung und derdazu berufenen Verwaltungsbehörden als auch seitens dereinzelnen Truppenkommandos und der speziell hierfür be-stellten Organe jede denkbare Fürsorge zugewendet. Beiden mannigfaltigen Hilfsquellen in Frankreich, dem Reich-thume seiner Bodenprodukte und der unausgesetzten Vor-sorge für Nachschub aus der Heimath konnte ein eigent-licher Mangel auf längere Zeit nicht eintreten.

Vorübergehende Störungen in der Zufuhr nöthigten insolchen einzelnen Fällen zu zeitweiliger Herabminderungder Portionssätze. Auch machte sich zeitweise, besondersbei den an der Einschliessung und Belagerung von Festungenbetheiligten Truppen, die Einförmigkeit der Nahrung fühl-bar, wenn sich zu dem erwünschten Wechsel keine Gelegen-heit bot.

Eine solche Abwechselung brachten hier und da dieSendungen von Liebesgaben, die jedoch zu unregelmässigund in einer dem thatsächlichen Bedarfe gegenüber immerhin

der Trappen.*)

zu geringen Menge eintrafen, um von wirklichem Einflnsaauf die Verpflegung im Ganzen werden zu können.

Auf Märschen war im Allgemeinen die Verpflegn^ abgesehen von kurz dauernden Perioden vor und naclgrösseren Schlachten eine ausreichende, zeitweise selbeleine sehr gute. Es fehlte fast niemals an Fleisch uniiKaffee, selten nur an Wein, öfter dagegen an Brot undbesonders an Wasser.

Gleich die ersten Marschtage nach dem Einrücken iidas feindliche Gebiet brachten den vorrückenden Arme«.erhebliche Entbehrungen hinsichtlich des Wassers, das aufden Biwakplätzen öfter fast gänzlich mangelte und answeiter Ferne herbeigeholt werden musste; die Brunnsnaher Ortschaften waren meist sehr bald völlig erschöpft

Die mit dem Transport des Brotes auf weitere Emfernungen unvermeidlich verknüpften Uebelstände oder Manderweitigen Gründen sich ergebende Schwierigkeiten ider Sicherstellung des Brotbedarfs mussten neben äelLeistungen der Feldbäckereien durch angestrengten Badbetrieb bei den Truppen selbst in den Marschquartieren eaüberwunden werden. Bei forcirten Märschen oder plötzlicljeintretenden Aenderungen der Marschrichtung, in welcheFällen die Verpflegungskolonnen den Truppen nicht hnntfsogleich zu folgen vermochten, bewährte sich die Sei' 1 ' 1

*) Vergl. hierzu die Anmerkungen am Schluss des 3. Abschnittes.

erbackung des Broteswerthvolles AuskünfteBehufs Ernährungführten zunächst dieRequisitionen aus; spämit regelmässig organgelichtet.

Eine gute Verpfl«dieser Armee, insbesoidieser Periode ausgebiund FleischkonservenBüchsenfleisch) geboteiGrosse Schwierig]auf dem Plateau deskorps mit Trinkwasser.so wenig Wasser, dass diStrecken zum Tränkenments zu regelmässigmussten. Zur Vermeicwaren genaue feldpolDas meist trübe unddazu geeignete AppaiKohlenfilter gereinigt.'Die vor Metz einklingen an Durchfälleimeine Bestimmungen bezwar besondere für KeKaffee wurde in dhohter Gabe, Wein nacgewonnenen Vorraths giWurst und Kaffee zusanLiebesgaben verabfolgtordinäre Ausgabe vonStellung einer warmenDas Trinkwasser musstiSpirituosen Zusätzen veiüberhaupt und insbesoi«gänzlich untersagt, derjlas Aeusserste beschriempfohlen und eine geilieber Lebensmittel durDie Beifort belagder Sorge für ihren Ui"in die Festung von (stark ausgebeutet war iEntfernungen erfolglosnächst durch die ErbeutiNeu-Breisach, sodann diuund Schlächtereien beischaffen. Gleichwohl bförmigkeit; zumeist besPie Mannschaften fühlt

') Betreffs der Abessyj