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II. Kapitel: Sanitätsdienst etc. bei den Truppen.
Band I
In den Kantonnirungsorten erhielten die Truppen-theile (Bataillone, Kompagnien etc.) möglichst zusammen-hängende und geschlossene Häuserkomplexe oder Strassenzugewiesen.
Handwerkskundige Mannschaften, als Glaser, Kainin-kehrer, Maurer, Töpfer etc. wurden zur Ausbesserung undInstandhaltung der Häuser verwendet.
Zur Lagerung leistete den Truppen der Ueberflussan Möbeln und Matratzen, der sich in den meisten Ortenin der Nähe von Paris vorfand, vortreffliche Dienste.
Als der Winter begann, konnten viele Unterkuufts-räume, welche der Heizvorrichtungen entbehrten, mittelstder in grossen Magazinen aufgefundenen Porzellan- undEisenblechöfen heizbar gemacht werden. Selbst in dengedeckten Unterkunftsräumen der Vorposten versuchte mankleine eiserne Oefen anzubringen, welche jedoch nichtselten rauchten.
Eigene Küchenanlagen mit grösseren Kochherdenzur Bereitung gemeinsamer Menagen errichteten nur wenigeTruppentheile mit ständigen Quartieren in den mehr rück-wärts gelegenen Orten. In der Regel fand das Kochenentweder an den Kaminen der Quartiere unter vielfacherBenutzung der vorgefundenen Küchengeschirre und Kessel 1 )statt, oder auch sehr häufig im Freien an den einfachenPeldkochherden bezw. Kochlöchern.
Die Schlachtstätten der Peldmetzgereien wurden ge-wöhnlich in abgeschlossenen Gehöften an den Ausgängen derKantonnirungsorte oder in abseits gelegenen Meierhöfenstationirt. Die Beseitigung der Schlachtabfälle etc. hattedurch Vergraben etc. auf entlegenen Feldern zu geschehen.
In den einzelnen Kantonnirungsorten lag die An-ordnung und Ueberwachung der nöthigen Ordnung undReinlichkeit in den Strassen und auf Plätzen, sowie dieBeaufsichtigung der Brunnen den Platzkommandos ob.
Hinsichtlich der Erhaltung dieser Quartiere und derHerstellung der Reinlichkeit in denselben waren bereitsam 22. September 1870 strenge Weisungen ergangen,welche im Verlaufe der Einschliessung wiederholt in Er-innerung gebracht und ergänzt wurden.
Beim Einrücken in die Kantonnemeuts hatte zunächstdie nöthige Instandsetzung der zu belegenden Räume durchReinigung, Beseitigung der unzulänglichen Aborte, sowieallenfalls vorhandenen Unrathes, nebst Errichtung vonLatrinen und Anlegung der nöthigen Abfallgruben zu er-folgen.
Die Erhaltung aller gemeinnützigen Gegenstände, ins-besondere die Schonung von Wasserleitungen und Brunnenwurde eindringlich empfohlen; letztere selbst waren beimEintritt der kalten Jahreszeit einzuwintern und deren Um-gebung, ebenso wie Strassenrinnen, eisfrei zu erhalten.
') Durch Befehl des Oberkommandos der Maas -Armee vom30. Dezember 1870 durften für Feldwachen grosse blecherne Koch-kessel angeschafft werden.
Die Wechselquartiere erfuhren vor dem Verlassen stet-|gründliche Säuberung, welche sich nicht nur aufInnere der Häuser, sondern auch auf Hofräume und "WejJerstreckte.
Um die Wohnlichkeit dieser AVechselquartiere zu er-halten, machten Aufschriften an den Häusern die Offizier-quartiere als solche, desgleichen die Belegungsfähigkeit dpMannschaftsräume ersichtlich.
Im Laufe des Winters traten bei einzelnen Platz-kommandos gemischte Kommissionen (aus OffizierenAerzten bestehend) ins Leben, welche in kurzer Zeit Viel«für Hof- und Strassenreinigung, sowie vorzugsweiseBewohnbarniachung leerstehender Räume leisteten.
Von Zeit zu Zeit, später allwöchentlich, fanden ßVisionen der Wohnräume und ihrer Umgebung statt, beim'.Kontrole der Reinigung, Lüftung, Erneuerung des Istrohes, Zustand der Aborte etc.; häufige Anordnungenergingen betreffs Neuaulage von Latrinen, Beseitigung derüberfüllten durch Zuschütten nach vorheriger Desinfektioiund dergleichen mehr.
Verdächtige Quartiere, in welchen Ruhr- und Typhi»!herde sich bildeten, wurden vorerst gänzlich geräumt untje nach dem Resultat der Untersuchung von weiterer Bilegung ausgeschlossen oder nach vorgenommener Lülhin:und Desinfektion wieder belegt. Zu letzterem Zwecke mim Dezember eine grössere Menge von Desinfektionsmittelan die Truppen übergeben worden.
In gleicher Weise ergingen Verbote hinsichtlich diBenutzung verdächtiger Brunnen; event. wurden letztenauch nach vorhergegangener Untersuchung geschlossen oderanderweitig unzugänglich gemacht.
Eine nothwendige, aber sehr schwierige Aufgabe bildetebei der länger andauernden Ueberfüllung der Quartier«desgleichen bei Besetzung der Forts die Beseitigung dain den Wohnungen, in Latrinen und Abfallgrubensammelten Unrathes durch eine geregelte Abfuhr, welcsich mitunter erst nach zwei- bis dreiwöchentlicher grossAnstrengung vollständig durchführen Hess.
Hierbei waren brennbare Materialien, als Uebeneslvon Kleidungsstücken und von Hausrath, als Lagerstrolund ähnliches an sicheren Orten zu verbrennen, der lnh;der Latrinen, Abfallgruben und Düngerhaufen alier vor derRäumung zu desinfiziren, auf entlegene Felder zu führeund dort zu vergraben.
Ganz besonders achteten Offiziere und Aerzte auf Erhaltung der körperlichen Reinlichkeit der Mannschaften.
Wo nur immer möglich, richtete mau Badeanstalt«sowohl für Offiziere als Soldaten ein, wozu sich glücklicher-weise an vielen Orten die Einrichtungen vorfanden; miEintritt der wärmeren Jahreszeit wurde die Gelegenheiizu Flussbädern im Freien au gesicherten Stellen fleibenutzt.
Durch Belehrungen, sowie durch streng e Aufsicil|und häufige Gesundheitsbesichtigungen ward für Körpei