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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
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Band I.

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Band I.

I. Abschnitt: Sanitätsdienst etc. auf dem Marsche und im Quartier. Kautonnements.

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Weise wurde eine allniälige Trennung der mit einfachenErkrankungen Behafteten von den an epidemischen FormenLeidenden durchgeführt. Jede neue Erkrankung an Durch-fall lnusste sofort zur Kemitniss des Arztes gebracht werden.

Die Klagen über schlechtes Trinkwasser auf demHochplateau des linken Mosel-Ufers konnten durch dieUeberweisung abessynischer Brunnen nicht Abhilfe finden,da letztere sich bei dem felsigen Untergrund als unbrauch-bar erwiesen. Es wurde deshalb das Kochen des Wassersvor dem Genuss angeordnet und der Zusatz von Spirituosenangerathen.')

Der bedenklicher werdende Gesundheitszustand derTruppen rief besondere Maassnahmen bezüglich der Be-kleidung und Verpflegung hervor, welche bei den betreffendenAbschnitten Erwähnung finden.

Durch die Uebergabe von Metz erwuchsen neue Ge-fahren für die Deutschen Truppen. Bei der eingeschlossenenFranzösischen Armee hatten sich ebenfalls Typhus und Ruhrentwickelt, daneben Pocken. Es stand zu erwarten, dassdie Deutsche Besatzung der eroberten Festung den äusserstungünstigen sanitären Verhältnissen daselbst ihre Opferwerde bringen müssen. Um dieser Kalamität vorzubeugen,zugleich auch um das Loos der sehr zahlreichen, a ) in derStadt verbliebenen Kranken zu verbessern, wurde soforteine kommissarische Untersuchung der sämmtliehen Laza-rethe in Metz sowie eine Desinfektion der Wohnungen be-schlossen und ausgeführt. Ebenso ward der ganze Sanitäts-dienst unter die einheitliche Leitung eines DeutschenGaruisonarztes gestellt. Auf solche Weise gelang es, dieDeutschen Truppen vor neuen Epidemien zu bewahren.

2. Vor Strassburg. 3 )

Einer günstigeren Lage als die grosse Armee vorMetz hatte sich das Belagerungskorps vor Strassburg zuerfreuen. Nachdem die aus der Badischen Feld-Divisionund der 1. Reserve - Division nebst den zugetheiltenArtillerie- und Pionier-Abtheilungen bestehenden Truppendie Einschliessuug vollendet, wurde ihre Unterkunft so ge-regelt, dass nur die zu den Belagerungsarbeiten koinman-dirten Abtheilungen für die Zeit des Kommandos im Biwakbezw. vorbereiteten Lagerorten verblieben, während dieeigentliche Belagerungs-Armee sich in festen Kantonnementsunter Dach und Fach in den Dörfern einrichtete. Die demnniern Kreise des Cernirmigsringes zunächst gelegenenOrte waren natürlich am stärksten belegt und theilweiseüberfüllt. Im Allgemeinen waren die Unterkunftsräumesehr gut.

J ) Vergl. Seite 75.

2 ) 20 000 Kranke oder in der Genesung Begriffene. (Generalstabs-werk II, Seite 304.)

3 ) Betreffs der Einscliliessung und Belagerung von Strassburgsiehe Generalstabswerk I, Seite 1321 u. ff. und II, Seite 95 u. ff., des-gleichen den 2. Band dieses Berichtes.

Von Seiten des Oberkommandos wurde sorgfältigeBekleidung und Beköstigung ausdrücklich angeordnet, Zu-schuss an Kaffee und Branntwein gewährt, der Genuss vonObst verboten, die Desinfektion der Latrinen und Scklacht-plätze eingeleitet.

Das Belagerungskorps erfreute sich eines guten Ge-sundheitszustandes: Typhus und Ruhr waren verhältniss-niässig selten; die von den Bewohnern in einigen Fällenauf die Armee übertragenen Pocken machten Revaccinationennöthig, welche die weitere Verbreitung abschnitten.')

3. Vor Paris.

Nachdem die Einschliessuug von Paris am 19. Sep-tember durch die III. und die Maas-Armee vollzogen war,erhielten die grösseren Truppenverbände (Armeekorps,Divisionen) die von ihnen erkämpften oder besetztenTerrainabschnitte zur Aufstellung, Bewachung und Ver-teidigung angewiesen und blieben daselbst mit einzelnenAusnahmen bis zum Eintritt des Präliminarfriedens.

Unterkunft fanden die Truppen in den meist grossenreichen Dörfern und Villen der Umgegend von Paris.Manche dieser Ortschaften konnten jedoch wegen des feind-lichen Feuers und der vorgefundenen Zerstörungen an denHäusern nicht gleichmässig belegt werden. Viele der vonden Einwohnern verlassenen Häuser waren überdies schonvor Ankunft der Truppen von feindlicher Seite in einenhohen Grad der Verwüstung und Unsauberkeit versetztworden.

Bei der Beschaffenheit der Cernirungslinie in derersten Zeit war ein sehr anstrengender Vorpostendienstnöthig. Ein grosser Theil der Bereitschaftstruppeninusste biwakiren; später kamen in den Biwaks Französi-sche Zelte zur Verwendung; auch wurden für diese Truppen-theile im Oktober Holzbaracken und im Winter Erdhüttenerrichtet, so z. B. zu Pont Iblon, Gonesse, bei CMtillonund an anderen Orten.

Da an einzelnen Punkten eine stärkere Konzentrationder Truppen geboten war, mussten die Mannschaften mit-unter eng, in mangelhaft ventilirten Räumen, untergebrachtwerden.

Der Vorpostendienst wechselte in bestimmtem Turnusbei den Truppenverbänden (Brigaden etc.); eine Anzahlvon Truppentheilen, namentlich der Infanterie, war inFolge dessen beständig auf Wechselquartiere angewiesenund demgemäss besonders in einzelnen ohnehin engbelegten Dörfern um Vieles schlimmer daran, als jene,welche im Besitz ständigerer Quartiere blieben. Warenletztere auch noch so mangelhaft und beschränkt, so Hessensich doch Reinlichkeit und Ordnung darin leichter erhaltenund überwachen.

!) Näheres darüber im 6. Bande (KapitelPocken").

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