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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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II. Kapitel: Sanitätsdienst etc. bei den Truppen.

Band

Die in der Nähe der Festung befindlichen Dörfer warensäinintlich durch die Schlachten hart mitgenommen undgrossentheils von den Einwohnern verlassen. In den nochbrauchbaren Gebäuden hatten sich die zahlreichen Lazaretheeingerichtet, welche die Schwerverwundeten aus den dreigrossen Schlachten verpflegten. Auch durch Vertheilungder Truppen auf einen grösseren Rayon konnte daher nurein sehr kleiner Theil derselben unter Dach gebracht werden;von dem Gros nahm ein Theil die Yorpostenstellungen hartam Feinde ein, während dem Rest die Aufgabe zufiel,Tlüttenlager zu bauen und täglich zu verbessern.

Von den dazu erforderlichen Materialien waren nurLaub und Aeste überall zu haben. Die ohnehin knappenStrohvorräthe dagegen konnten nicht für diesen ZweckVerwendung finden. In beträchtlicher Zahl erbeuteteFranzösische Zelte gewährten hier und da erwünschte Aus-hilfe. Gegen Ende August forderte das Oberkommandozur Requisition von Leinwand behufs Bedachung der Laub-hütten auf und ordnete den Bau fester Baracken durchPioniere an. Die Truppen sollten ausserdem, soweit diesmöglich, alle drei Tage (später alle zwei Tage) zwischenBiwak und Kantonnement wechseln. Mit Beginn des Sep-tember stellte sich heftiges, Wochen hindurch anhaltendesRegenwetter ein, gegen welches die bisher erbauten Laub-hütten, obwohl die Truppen allmälig eine grosse Uebungin dem vortheilhaftesten Gebrauch der Aeste bekommenhatten, nirgends genügenden Schutz gewährten. Zudemwurden die Wege innerhalb der Lager durch den tiefenKoth so schwierig, dass eine stete Verlegung derselbenerforderlich ward. Inzwischen drängte das Oberkommandoimmer von Neuem auf die Beschleunigung des Baracken-baues. Die Requisition von Brettern zu diesem Behufward gestattet; Moselkies diente zur Befestigung der Lager-gassen und Verbindungswege. Das Oberkommando selbstHess ausserdem in ganz Lothringen für die Armee Bretterrequiriren und stellte bald eine Anzahl derselben denTruppentheilen zur Verfügung. Indessen erreichte dieseRequisition wegen Mangels an Brettervorräthen bei weitemnicht die Höhe des Bedarfs, so dass die Unterkunft derTruppen dauernd eine missliche blieb. Die Baracken wurdentheilweise mit Dachpappe gedeckt und mit eisernen Oefenversehen.

Mit diesen Anordnungen ging Hand in Hand die sani-täre Ueberwachung der Dörfer. Die hygienischen Verhält-nisse; in denselben und in Ihrer Umgebung bedurftendringend einer Verbesserung. Neben den überfüllten Quar-tieren befanden sich die mit Verwundeten und Krankenbelegten Häuser. Strassen, Gärten, Wiesen und Weinbergewaren mit menschlichen Exkrementen verunreinigt, was inAnbetracht der Zahl der im weiten und nächsten Umkreiseder Stadt (abgesehen von der Bevölkerung selbst) in beidenLagern untergebrachten Menschen (an 350 OCX) Köpfe, d. i.pro Tag mindestens 900 Centner Exkremente) nicht ver-wunden! kann. Hierzu kamen noch die Exhalationen der

Gräber, der freiliegenden Thierkadaver und der Abfälle dertäglich zur Ernährung zweier grosser Armeen geschlacli.teten Rinder, Hammel und Pferde, also auf Verhältnis»massig kleinem Räume, und zwar vorzugsweise in nächsterNähe der Biwaks und Ortschaften, schwer zu bewältigend!Massen verwesender animalischer Stoffe.

Eine Aenderung dieser Verhältnisse zu schaffen, war«zunächst die einzelnen Truppentheile selbst berufen. Alleinbei dem häufigen Wechsel der Kantonnements und Lage:konnten Desinfektionen und Reinigungen der Quartiere nurunzureichend und vereinzelt durchgeführt werden. Da indessen das Umsichgreifen der Darmerkrankungen mit epi-demischem Charakter zu umfassenderen Maassnahmen hit-drängte, ordnete das Oberkommando zunächst eine gründ-liche Abräumung der Schlachtfelder mit Verbrennung alle*nicht anderweitig zu beseitigenden Unraths an. Die Leichen-hügel, soweit der Regen sie zerstört hatte, mussten vonden in der Nähe derselben lagernden Truppen erhölitwerden, wofür bestimmte Anweisungen ergingen. Zur Y«meidung einer Ueberfüllung der Kantonnements in denDörfern wurde jedes Haus in Bezug auf seine Belegbarkeit abgeschätzt und die ermittelte Zahl deutlich am Hauvermerkt.

Um Feuersgefahr zu vermeiden, sollten die Truppenim Freien abkochen. Zur Desinfektion der Häuser wurdengrosse Vorräthe von Desinfektionsmitteln durch die Etappenzu Remilly und Pont ä Mousson überwiesen. Die D«infektion hatte nach der bereits im Juli den Truppen zu-gegangenen Anleitung 1 ) zu erfolgen. Die Umgebung derHäuser, die Gärten, die Weinberge wurden durch mitGrabscheiten versehene Patrouillen abgesucht, welche alleExkremente und Abfälle vergraben und überdecken mussten.Die Latrinen standen unter ärztlicher Kontrole; vielfachwurden in bestimmter Entfernung von den Häusern Erdklow*mit täglicher Bedeckung der Exkremente eingerichtet.

Gegen Ende September fand auf Anordnung des Oberkommandos eine erneute gründliche Reinigung aller Quar-tiere statt; die Truppen hatten dieselben zu diesem Zweckfür einen Tag gänzlich zu verlassen. Anfang Oktoherwurde die Sorge für Reinhaltung der Quartiere dem jede*maligen Kommando - Aeltesten als verantwortliche Ffliclitübertragen. Bei einigen Regimentern ward zur Durchführung hygienischer Maassregeln eine Sanitäts-Kommissiongebildet, welcher die Kontrole der Quartiere oblag. D»selbe hatte insbesondere eine zu dichte Belegung zu ver-hüten, die Entfernung der Auswurfstoffe und die Reinigungder Häuser zu überwachen. Weder in den Quartieren nochin den Kranken-Depots durften Ansammlungen von Ruhr-oder Typhus-Kranken geduldet werden, letztere waiv:vielmehr sofort den Lazarethen zu übergeben. Auf diese

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sehr gut.

J ) Siehe Beilage 44. Die Anleitung ist gleichlautend mit daldurch die Sanitäts-Instruktion für die Feldlazarethe gegebenen, ver|mehrt durch einen Zusatz über die Süvern'sche Desinfektionsmasse.