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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
63
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Band

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Band I.

I. Abschnitt: Sanitätsdienst etc. auf dem Marsche und im Quartier. Kantonnements.

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Aus diesen Mannschaften entstanden die sogenanntenMaroden-Kompagnien". Die erste derartige Formationin Starke von 700 Köpfen wurde von dem Garde-Korps inHomburg zusammengezogen; eine zweite von ungefährgleicher Stärke bildete sich in Dieulouard an der Mosel.Im weiteren Verlaufe fanden diese improvisirten Truppen-körper, ebenso wie die ihnen ähnlichenRekonva-leszenten-Kompagnien", Verwendung im Etappendienstoder bei den Fuhrparks der Korps, wo sie die sonst zurBedeckung der Wagen erforderlichen Mannschaften dispo-nibel machten. In Amiens bildete im Dezember, währendder Expedition gegen St. Quentin, ein aus den Fusskrankenkg VIII. Armee-Korps zusammengestelltes Bataillon die

Besatzung der Stadt. Bei dem I. Bayerischen Armee-Korpsdiente eine Abtheilung Fusskranker zur Bewachung derBahnstationen bei Orleans. Bei der Süd-Armee wurden imJanuar 1871 durch Korps-Befehl sämmtliche nicht marsch-fähigen Elemente in Prouthoy gesammelt und nach Chä-tillon zur Verstärkung der schwachen Etappenbesatzungbefördert. Als die 11. Armee den Vormarsch von Metzgegen die Loire antrat, wurden die Leichtkranken aufVorspann- oder Bagage-Wagen mitgeführt, bis sich auchhier die Bildung von grösseren Sammelstellen und Rekon-valeszenten-Kompagnien (in Chartres) als nothwendig her-ausstellte.

II. Kantoiiiienieiits.

A. Regelung des Sanitätsdienstes.

Bei Kantonnirungen, namentlich bei solchen von längereraner, gestaltete sich der Sanitätsdienst in ähnlicher Weiseie in der Garnison.

Täglich zu einer bestimmten Stunde wurden die Krankenfem Arzte vorgeführt und untersucht. Leichtkranke bliebenum Theil in ihren Quartieren, zum Theil in besondersingerichteten Kranken-Depots oder in Kantonnements-azarethen, welche zur Aufnahme sämmtlicher Krankener in dem Orte und dessen Umgebung stationirten Truppen-heile dienten, in Behandlung der Truppenärzte; Schwer-ranke oder mit chronischen Leiden Behaftete sowie Syphi-itische wurden den Feld- oder Etappen-Lazarethen über-eben.

Beim Verlassen der Kantonnirungsorte brachte man11c Kranken, welche ihren Abtheilungen nicht folgenonnteii. in die nächstgelegenen Feld-, Kriegs- oder Etappen-azarethe, übergab einzelne Nichttransportable auch denWsbehörden unter Anzeige an das nächste Etappen-Kom-mando.

Kranken-Depots.

Die Errichtung von Kranken-Depots für Leicht-tranke war im § 4 der Feld-Sanitätsinstruktion ausdrück-itdi vorgesehen. Dem eigentlichen Sinne der InstruktionMaroden w gemäss sollte ein derartiges Kranken-Depot nur eine Revier-

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! ) In der Kriegs-Sanitätsordnung von 1878 ist der Ausdruckpanken-Depots" aufgegeben: dieselbe spricht nur vonKrnnken-tnlifii der Truppentheile'.

bedeutenden Umfang an und zeichneten sich durch so reich-liche und zweckmässige Ausrüstung mit Material aus, dasssie eine über den BegriffRevier-Krankenstube" hinaus-gehende Bedeutung erlangten. Sie waren in solchenFällen nicht dem Namen, aber dem Wesen nachwirkliche Kantonnements-Lazarethe. Von denjenigen An-stalten, welche instruktionsgemäss diesen Namen führten(siehe unten), unterschieden sie sich lediglich dadurch, dasssie nur mit Hilfe des Sanitätspersonals und -Materials derTruppen ohne Konkurrenz anderer Formationen eingerichtetwaren.

Den wohlthätigen Einfluss dieser Einrichtung erkenntman am besten aus der Verbreitung derselben über dieganze Armee während der letzten Periode des Feldzugs.Selbst in den Marschquartieren suchte man ephemere Ein-richtungen ähnlicher Art zu improvisiren. Wie sehr die-selben die Lazarethe zu entlasten geeignet waren, zeigtesich z. B. bei dem Belagerungs-Artillerie-Regiment vorParis, dessen Zahl an Lazarethkranken in der dritten De-kade Oktober (vor Bestehen eines Kranken-Depots) 2.3 pCt.der Kopfstärke betrug, in den nächstfolgenden Dekadenaber (nachdem inzwischen Kranken-Depots eingerichtetwaren) auf Li und 0.8 pCt. herabsank. Je nach derStärke der Truppen und nach Maassgabe der vorhandenenRäume wurden diese Depots für Regimenter, Batailloneoder noch kleinere Verbände bemessen. Jm Bereich desGarde-Korps vor Paris gab man zuletzt der Einrichtungvon Krankenstuben für die einzelnen Kompagnien auslokalen Gründen den Vorzug.

Die Beschaffung der nöthigen Requisiten für ein solchesLazareth im Kleinen machte natürlich oft erhebliche Schwie-rigkeiten. Eine derartig ausgedehnte Revierbehandlunghat, um erfolgreich zu bleiben, das Vorhandensein von