Band I.
des Missbrauches geistiger Getränke, des Trinkens zu kaltenoder verunreinigten Wassers, der Lagerung auf feuchtem,kühlem Boden bei erhitztem Körper und dergleichen mehr.
Immer wurde darauf gehalten, dass die Mannschaftenvor dem Ausmarsche ihr Frühstück zu sich nahmen undihre Feldflaschen füllten mit Wasser allein oder ■—- anwarmen Tagen — vermischt mit Essig oder schwarzemKaffee.
Besondere Ueberwachung forderte der Wassergenuss.Eigenmächtiges Austreten zum Trinken war strengstensverboten; ebenso musste verhindert werden, dass die .Mann-schaften beim Rasten auf jede mit trübem Inhalt gefüllteLache losstürzten. Um dies zu vermeiden, galt es anderer-seits auf rechtzeitige Befriedigung des Durstes Bedacht zunehmen. Man schickte daher, wie durch die; AllerhöchsteKabinetsordre vom 17. Juni 1870 (Verordnungen über dieAusbildung der Truppen im Felddienst) vorgeschrieben war.kleine Kommandos unter einem Offizier nach den zu passi-renden Ortschaften voraus, welche vorhandene Eimer odersonstige Gefässe mit Wasser füllten und an beiden Seitender Strasse aufstellten. Die Flügelleute schöpften im Mar-schiren mit dem Kochkessel-Einsatz und reichten denselbenden inneren (Miedern hin. Bei einigen Truppentheilen warübrigens während der ersten Wochen des Feldzuges eineNeigung zu ängstlichem Fernhalten vom Trinken auf demMaische bemerkbar, was ausser anderen schädlichen Wir-kungen auch den Uebelstand im Gefolge hatte, dass als-dann ein übermässiger Wassergenuss sogleich nach demEinrücken in das Quartier am so schwerer verhindertwerden konnte.
Der Mangel an gutem Trinkwasser machte sieb übri-gens bald nach dem Eindringen in Frankreich und späteroftmals in empfindlichster Weise (insbesondere auch beiHilfeleistungen) geltem 1.
Der Abgang an Kombattanten durch Fussübel drohtenamentlich während der ersten Wochen des Krieges, alshohe Marschleistungen von den zum Theil eben erst ein-berufenen, des Marschirens mit gepacktem Tornister nichtmehr oder noch nicht gewöhnten Mannschaften gefordertwerden mussten, bedenkliche Dimensionen anzunehmen.Eine Hauptsorge lichtete sich daher auf die Fusspflege beiden Truppen. Neben sorgfältiger Kontrole der Fussbeklei-dung und regelmässigen Fussvisitationen wurde darauf ge-halten, dass täglich 1—2 Stunden nach dem Einrückenin das Biwak oder Kantonnement Fusswaschungen statt-fanden. In den Quartieren legte man die Fusskrankenzusammen, um die Ueberwachung derselben und die Be-sorgung der ärztlichen Anordnungen durch die Lazareth-gehilfen zu sichern.
Bei wunden Füssen wurden vorwiegend Waschungenmit Spirituosen oder Tannin-Lösungen vorgenommen; alsVerbandmittel kamen am häufigsten Blei-, Zink- und Tannin-Salben zur Anwendung. Oedematöse Anschwellungen derFüsse und unteren Extremitäten (anfangs nach grösseren
Märschen sehr häufig, nicht selten auch mit SugillatioModer eiysipelasähnlicher Röthung der Hautdecke verbünd.schwanden in der Regel rasch bei horizontaler Lagerun«!Pussbädern, Bleiwasser-L T mschlägen und methodischen Eii]Wickelungen. Als prophylaktische Mittel gegen Wmlaufen und Wundreiten wurden — ausser Sorgfalt inBekleidung — vorwiegend empfohlen: häufige kaltjWaschungen der betreffenden Körpertheile und Ein»bungen mit Spirituosen Flüssigkeiten oder mit IVnamentlich frischem Talg vom Rind oder Hammel, a\ imeist leicht zu haben war und nach Aeusserung verschiJdener Berichterstatter die Haut besser konservirte als dijerweichenden Salben, Oele oder Schweinefett.
Abgesehen von der numerischen Schwächung, \.die Truppentheile durch die zahlreichen Erkrankungen dclerwähnten Art erfuhren, erwuchs eine beträchtliche V»legenheit aus der Nothwendigkeit, diese Kranken in solche jWeise unterzubringen, dass einerseits ihrem Zustande Rednung getragen, andererseits ihre schleunige Herstellungund Rückkehr zur Truppe verbürgt war. § 5 der 1Sanitätsinstruktion schrieb vor, dass auf Märschen Leicht!kranke, welche voraussichtlich in etlichen Tagen wiedalmarsch- und kampffähig sein würden, nöthigen Fallstels Vorspanns mitgeführt werden sollten; die übrigennoch transportablen Kranken waren im lnlande den Garnison-Lazarethen, auf Märschen im Ausland den EtappeLazarethen zuzuweisen; nicht transportable Kranke sollten]unter Benachrichtigung der nächsten Etappen-Kommaidantur den Ortsbehörden zur Pflege übergeben werde«!Die Ausführung dieses Paragraphen stiess jedochSchwierigkeiten, einerseits weil es gerade in der ersZeit i\i^ Krieges, also in derjenigen Periode, welche dielmeisten Marschkranken aufzuweisen hatte, weder eine auf!reichende Menge von Fuhrwerken noch eine entsprechend!Anzahl von Etappen-Lazarethen gab, andererseits Teilmanche Truppenführer den Befehl ertheilten, auch Leichtkranke nicht mitzuführen, sondern sogleich den Lazazu überweisen. Diesen Befehlen lag die Notlrwendigkzu Grunde, die Truppentheile so leicht beweglich wie m<lieh zu erhalten; die Zahl der Lazarethkranken aber, welckin solchen Fällen überwiegend aus Leichtkranken bestand!stieg dadurch bei einzelnen Infanterie-Regimentern auf ein!beträchtliche Höhe. Da die Etappen- und Feld-Lazareth!häufig nicht über eine genügende Anzahl von Lagerstellei!verfügten, um solche Transporte aufnehmen zu können, so|wurden letztere von Etappe zu Etappe rückwärts gesiund blieben auf diese Weise zuweilen unverhältnissinäsa!lange von ihrem Truppentheil entfernt. Um diesen Miss!ständen abzuhelfen, brachte man später die MarodeFusskranken nach bestimmten Sammel-Stationen, unterlwarf sie dort ärztlicher Behandlung und schickte siedrei Tagen entweder zu weiterer Pflege in ein Lazarett!oder auf requirirtem Fuhrwerk geheilt zu ihrem Truppe"!theil.