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Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
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T. Kapitel: Sanitätspersonal und Sanitätsausrüstnng.

Band I.

Grundlage für den Sanitätsdienst bei der Norddeutschen Armeewährend des Deutsch-Französischen Krieges zu bilden berufenwar. In derselben erschien das Sanitätsdetachement als einein der Hauptsache neue Formation, das Feldlazareth in wesent-lich veränderter Gestalt; das Lazareth-Reservepersonal und dasLazareth-Reservedepot obwohl im Kriege von 1866 bereitsthatsächlich verwendet erfuhren daselbst erst ihre instruktions-mässige Einfügung in den Mechanismus der Feld-Sanitäts-organisation; Vorschriften über die Beförderung von Krankenund Verwundeten auf Eisenbahnen, vorsorgliche Maassnahmenbetreffs einer prinzipiellen umfangreichen Lazarethpflege in weitvom Kriegsschauplatze entfernten Gebieten, Bestimmungen überdas Verhältniss der freiwilligen Krankenpflege zu dem amtlichenSanitätsdienst bildeten die bis dahin in einer Feld-Sanitäts-instruktion unbekannten Kapitel. Die Kriegs-Sanitätsordnungvon 1878, welche das Sanitätsdetachement und das Feldlazarethder Instruktion von 1869 so gut wie gänzlich unverändert lässt,das Lazareth-Reservepersonal und das Lazareth-Reservedepotin fortentwickelter Form beibehält und den bei Ausbruch desDeutsch-Französischen Krieges aufgestellten SanitätsformationendieKrankentransport-Kommissionen", dieLazareth-züge" und die (immobilen) Güterdepots " als neueSchöpfungen hinzufügt, zieht damit deutlich redend das Facitder im Kriege 1870/71 hinsichtlich der Gestaltung der Sanitäts-formationen gemachten Erfahrungen.

Alle den Deutschen Heeren beigegebenen mobilenSanitätsformationen gliederten sich ihrer Bestimmung nach

1) in solche, welchen im Verein mit den Truppen-ärzten, jedoch mit weit reicheren Hilfsmitteln, alsletzteren zur Verfügung gestellt werden kann die IAufgabe zufiel, den Verwundeten die erste Hilfe aufdem Schlachtfelde angedeihen zu lassen und ihren |Transport in die Heilanstalten zu bewirken (Nord-deutsche und Badische Sanitätsdetachements; Bayerische |Sanitäts-Kompagnien; Württembergische Sanitätszüge):.

2) in die zur eigentlichen Behandlung und Pflege der |Verwundeten und Kranken bestimmten Formationen,welche entweder die kämpfende Armee begleiteten I(Norddeutsche und Badische Feldlazarethe; BayerischeAufnahms-Feldspitäler; Württembergische Feldspitäler),oder im Rücken derselben im Bereiche der General-Etappeninspektionen ihre Thätigkeit entfalteten (Laza-reth-Reservepersonal; Bayerische Haupt-Feldspitäler);.

3) in solche, welche den sub 1 und 2 genannten dieMöglichkeit gewährten, das Sanitätsmaterial im Standezu erhalten und für das Verbrauchte schleunigen Im-satz zu beschaffen (Depots und Magazine).

I. Formationen zur ersten Hilfe.

A. Sanitätsdetachements.

1. Preussen.

Die Notwendigkeit, zum Zwecke der ersten Hilfe aufdem Schlachtfelde besondere Sanitätsformationen zu schaffen,anstatt die Erfüllung dieser Aufgabe deren Lösung vonjeher als der schwierigste Theil des gesammten Kriegs-Sanitäts-wesens gegolten hat durch Vermehrung des Sanitätspersonalsund der Sanitätsausrüstung der Truppen anzustreben, ergiebtsich vorwiegend aus zwei Erwägungen: 1) Die Ausstattung derTruppen selbst mit Sanitätsmaterial und Sanitätsunterpersonalin so reichem Maasse, wie dies zu einer durchgreifenden erstenHilfe erforderlich wäre, müsste den Train der Truppentheilemehr vergrössern, als die einfachsten militärischen Rücksichtengestatten; 2) nur durch selbstständige, geschlossene Formationenkann eine zu weit gehende Zersplitterung der ärztlichen undsonstigen Hilfskräfte vermieden und einer bloss scheinbaren Hilfevorgebeugt werden.

Als unerlässlichstes Erforderniss muss für eine solche For-mation die rasche Operationsfähigkeit gelten, welche einemLazareth in dem durch die moderne Kriegführung bedingtenGrade kaum jemals wird verliehen werden können. Die denLazarethen zufallende Aufgabe, die länger dauernde ärztlicheBehandlung und Verpflegung zahlreicher Schwerkranker unge-

säumt und erfolgreich auch da übernehmen zu können, wo nichtetwa zufällig die nothwendigen Requisiten an Ort und Stellesich darbieten, verlangt eine so umfangreiche Ausstattung mitMaterial, dass dadurch ihre Beweglichkeit eine erhebliche Ein-busse erleiden muss. Wie vollkommen die Trausportmittel aucl Ihergestellt werden mögen, der Abbruch eines einmaletablirten Lazareths bedingt einen Zeitverlust, welcher wenndie erste Hilfe den Lazarethen überlassen bleibt für die IOpfer der Gefechte mindestens jedes Mal dann verhängnissvoll Iwerden wird, so oft nicht eine grössere Zahl unetablirter Lasserethe zur Hand ist. Aber auch bei den besten Transportmitteln Imuss die reiche Materialausrüstung, welche eine zur Kranken-behandlung ausersehene Formation allein befähigt, ihrerAufgabe zu genügen, einer zur raschen erstenHilfe designirtenKörperschaft im günstigsten Falle ein Ballast, meist aber einHemmschuh sein. Ebenso haben die Erfahrungen des Jahres 1866gezeigt, dass bei einer Verbindung beider Formationen zu einemgemeinsamen Ganzen, wie der fahrenden und der Depotabtheilungdes früheren Preussischen leichten Feldlazareths wenigstens Ibei raschem Vorwärtseilen der Armeen entweder der zurersten Hilfe bestimmte Theil durch den andern, schwerfälligerenim Augenblick des Bedarfs festgelegt oder der für die Kranken-behandlung berechnete stabilere Faktor durch den beweglicheren Imit hinweggerissen wird, bevor ersterer an dem Orte seiner je-weiligen Thätigkeit in Wahrheit entbehrlich geworden ist [Diese Erwägungen im Verein mit der Ueberzeugung, dass das

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