Druckschrift 
Der Sanitätsdienst bei den deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71
Entstehung
Seite
31
Einzelbild herunterladen
 

Band I.

III. Abschnitt: Mobile Sanitätsformationen.

31

Ergebnis*.Aus dem Vorstehenden ist ersichtlich, dass ebensowie die Zutheilung von Sanitätspersonal die Ausrüstungder Truppen mit Material zur Krankenpflege bei den ver-schiedenen Deutschen Kontingenten im Wesentlichen nachden gleichen Grundsätzen und in annähernd gleichemMaassstabe erfolgte. Der einzige grössere, einigeraaassenprinzipielle Unterschied liegt in der Verschiedenheit der

den Truppen beigegebenen Kranken-Trausportmittel. Alssolche waren bei den Preussischen, Bayerischen und Württem-bergischen Truppen lediglich Krankentragen in den Etatder Feldausrüstung aufgenommen; die Sächsischen Truppen-Medizin- und die Badischen Verbandarznei-Wagen hingegengewährten die Möglichkeit, einzelne Verwundete oder Krankeauf diesen Fahrzeugen in das nächste Kantonnement oderLazareth zu befördern.

Dritter Abschnitt.Mobile Sanitätsformationen.

Vorbemerkung.

Der Schwerpunkt der Feld-Sanitätsorganisation lag beiallen Deutschen Heeren nicht in der Ausstattung der Truppenselbst mit Hilfspersonal und Material, sondern in den diekämpfenden Armeen begleitenden oder denselben auf dem Fussefolgenden mobilen Sanitätsformationen. Auch diese warenihrem Sinn und ihrer Bedeutung nach bei allen Kontingentenin der Hauptsache einander entsprechend, aus prinzipiell gleichenAnschauungen über das zu einer wirksamen Hilfe Erforderlichehervorgegangen und annähernd auf dasselbe Maass von Hilfe-bedarf berechnet. Im Uebrigen lassen diese Formationen deut-[lich die abweichende historische Entwickelung erkennen, welchedas Militär-Sanitätswesen überhaupt in den einzelnen DeutschenStaaten erfahren hat. *)

Die Gestaltung der Sanitätsformationen bei der Preussi-schen Armee im Kriege 1870/71 stellt eine Stufe in einerlangjährigen Entwickelung dar, welche nach der Mobilmachungdes Jahres 1859 begann und in der Kriegs-Sanitätsordnungvon 1878 zunächst ihren Abschluss gefunden hat. Durch die[auf einen langen Frieden folgende Mobilmachung von .1859wurde eine nachhaltige Bewegung hervorgerufen, welche zu-i nächst (im Winter 1860/61) zur Zusammenberufung einer Kom-imission, in weiterer Folge zu demReglement über den Dienstder Krankenpflege im Felde" vom Jahre 1863 führte. DasWesentlichste dieses Reglements lag in der Theilung des frü-heren, auf andere Verhältnisse berechnetenHauptlazareths"und in der Einführung des Prinzips einer einheitlichen Be-fehligung der Feldlazarethe durch Chefärzte. Der Dänische, Feldzug von 1864, obwohl der eigentliche Charakter modernerLriege grosse Heeresmassen, rasche Bewegungen, plötzlicher gewaltiger Hilfebedarf im Verlaufe desselben nur wenigI hervortrat, reifte die Erkenntniss, dass die Reform von 1863i nicht ausreiche, um die Hilfebereitschaft bei einer kriegerischen

') Vergl. die Anmerkungen zum ersten Abschnitt.

Aktion in grösserem Stile dem Bedarfe anzupassen. Mitten indie dadurch hervorgerufenen Pläne und Entwürfe fielen diekriegerischen Ereignisse von 1866, bevor es möglich gewesenwar, die auf dem kleineren Kriegstheater gewonnenen Er-fahrungen völlig reifen zu lassen und die durch dieselben er-weckten Ideen in durchgebildete Schöpfungen umzusetzen.Wichtige Formationen wie die damaligen stehenden Kriegs-lazarethe und die Depots mussten gebildet und verwendetwerden, ohne dass das nothwendige Einleben in die solchenFormationen zu Grunde liegenden Gedanken während einerlängeren Friedensperiode hatte erfolgen können. Mit vermehrterStärke machte sich unmittelbar nach dem Friedensschlüsse derDrang nach weiterer Reform geltend. Neben der durch dieKriegsereiguisse befestigten Ueberzeugung, dass die gesammtedamalige Dienststellung des Sanitätspersonals dasselbe derMöglichkeit beraube, seine ganze Kraft rechtzeitig für dasWohl der Kriegsopfer einsetzen zu können, beherrschte alleBetheiligten vorzugsweise der seit dem Italienischen Feldzugevon 1859 in weite Kreise gedrungene, durch die mit einer bisdahin unbekannten Schnelligkeit geführten Schläge des Kriegesvon 1866 von Neuem belebte Gedanke, dass eine rasche ersteHilfe die eigentlich charakteristische Aufgabe des Kriegs-Sanitätswesens sei. Daneben galt es, die durch die modernenTransportmittel gebotene Möglichkeit, Kranke und Verwundeteüber weite Strecken zu zerstreuen, organisatorisch vorzubereitenund zu einem Prinzipe der Kriegsbeilkunde zu erheben. Nacheingehenden Berathungen auf der im Jahre 1867 nach Berlinzusammenberufenen Militär - Sanitätskonferenz geschah durchdie AllerhöchsteVerordnung über die Organisation des Sanitäts-korps" vom Jahre 1868 der erste grosse Schritt, dem Sanitäts-personal die zu erfolgreichem Wirken im Kriege nothwendigeAutorität und Möglichkeit der Initiative zu sichern. Auf den-selben Berathungen fusste dieInstruktion über das Sanitäts-wesen der Armee im Felde" vom Jahre 1869, welche die