Druckschrift 
2 (1906)
Entstehung
Seite
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f) Probe römischer Capital-Cursive, entnommen der photolitho-graphischen Nachbildung der im Museum von Pest aufbewahrtensiebenbürgischen Wachstafel vom 6. Mai 159, in Corpus Inscr. Lat.III,946 Nr. VIII. Es ist hier die linke Columne der ersten Seite desäusseren Exemplars wiedergegeben worden. Die Schrift zeigt vielweniger Ligaturen als die in Heft I, Taf. 1, Nr. a reproducirtesicbenbürgische Wachstafel, auch finden sich hier weit mehr reineMajuskelbuchstaben als dort. Von Cursivverbindungen sind dievon di und ti (vereinigt in Z. 3) zu beachten. In Z. 10 ist dasZeichen ^ denariis aufzulösen.

Andueia Batonis etnit mancipioque accepit domus partem dimidiam interantibusparte dextra que est Albur5 110 maiori vico Pirustaruminter adfincs Piatorem Acceptianum et Ingenutn Callisti filium et si qui all adfines sunt et viam publicam10 * treccntis de VeturioValente

Eam domum q(ua) d(e) a(gitur) cum suissacpibus saepimcntis finibus aditibus claustris

Tafel 32. Römische Capital-Cursive. Papyrus des British MuseumNr. CCXXIX vom Jahre 166. Unsere Tafel ist, etwa um ein Drittelverkleinert, dem Lichtdruck der Paleographical Society II. 190 ent-nommen. Jetzt auch ein Facsimile bei Wessely, Schrifttafeln zurälteren lateinischen Palaeographie, Taf. IV. Ueber die Entwicklungdieser Schriftart, die wir bisher fast nur aus Wachs- und Bronzetafelnkannten, und ihre allmähliche Ausbildung aus der Capitale habenerst die Papyruspublicationen der letzten Jahre volleres Licht ver-breitet. (Vgl. insbesondere den von Mommsen in der Ephemerisepigraphica 7, 456 ff. publicirten, um 10 Jahre älteren, aber mindergut erhaltenen Papyrus v. J. 156; Lichtdruck ebenda und Paleo-graphical Society II. 165.) Unsere Schrift ist noch keine reineCursive, aber die Umformung der Buchstaben und ihre wenigstenstheilweise Verwendung zu Cursivverbindungen hat bereits begonnen.Diese Weiterbildung aber knüpft noch durchaus an die Grund-formen der Capitale, nicht der jüngeren Unciale an. Der ältestePapyrus der Sammlung Erzherzog Rainer (Wessely, Taf. I) hält inbeider Hinsicht etwa die Mitte zwischen der noch reinen Capitaleder Herculanensischen Papyri und unserer Schriftprobe. Den Misch-formen des Contextes steht die reine Capitale der ersten Unterschriftund die entwickelte Cursive der folgenden gegenüber. Von einzelnenBuchstaben beachte man besonders die b, die offenen p, die oftschwer von einander zu scheidenden a und r, die s, die eigentüm-liche Form des m in Z. 4 und am Schluss von Z. 8. Von Cursiv-verbindungen hebe ich hervor: ba Z. 3, ti Z. 5, 9, ei Z. 6, 8, 15,eu Z. 8, eri Z. 8, fa und bu Z. 9, und die bereits mehrfachen Ver-bindungen in Z. 1 1 auctoritate. Von Kürzungen finden sich ausserden Siglen für die Eigennamen III für friere Z. I und ff. (s. centuriotriere Z. 24), Z. 18 cla. pr. für classis praetoriae, ebenda Kai. fürKalendas, Z. 19, co. für consulibus, endlich wiederholt (Z. 13, 16,22, 27) ss für suprascriptus, die ständige Sigle der späteren ita-lischen Urkunde des Mittelalters. Vom Standpunkt des Urkunden-wesens ist auf die 7 kleinen Siegel am oberen, umgebogenen Papyrus-rand aufmerksam zu machen.

C(aius) fabullius macer optio classis praetor(iae) misenatiumIII \ tigride emit puerum natione transfluminianum J nomineabban quem eutychen siue quo alio nomine \ uocatur anno-rinn circiter septem pretio denariorum \ ducentorum et5 capitulario portitorio de q(uinto) iulio || prisco milite classiseiusdcm et triere eadem cum pue \ [ru]m sanum esse exedi[cto] et si quis eum puerum \ partemuc quam eins cuicerit

simplam pccuniam \ sine denuntiatione rede dare stipulatusest fabul \ lius macer spopondit q(uintus) iulius priscus id

10 fide sua ' et auctoritate esse iussit c(aius) iulius antiochusinani | pularius III tdrtute \ Eosque denarios ducentos quis(upra)s(cripti) sunt probos rede \ numeratos accepisse ethabere dixit q(uintus) iulius priscus \ uenditor a c(aio)fabullio macro emptore et tradedisse ei || mancipium s(upra)-

15 s(criptitm) eutychen bonis condicionibus \ Actum seleuciaepieriae in castris in hibernis uexilla \ tionis clas(sis) pr(ae-toriaej misenatium Villi. Kal(endas) iunias q(uinto) serui-lio pudentc et afulo) fußdio pollione co(nsulibus). \ Q(uintus)

20 iulius priscus mil(es) III. tigride vendedi c(aio) fabulliomacro optioni j III eadem puerum meum abbam quemet eutychen et re \ cepi pretium denarios ducentos ita 11ts(upra)s(criptum) est

C(aius) iulifujs ..... nfujs [die Lesung titianus der

Pal. Soc. ist nach den vorhandenen Schriftresten wahrschein-lich , aber nicht völlig gesichert.] suboptio III. libero patreet ipse rogat(u)s pro gafijo iulio antihoco manipulario III.uirtute qui negauit fsej literas | scire eum spondere etßdesuam et auctoritate esse abban cuen ed eutycen [puerumnachgetragen_/ ed pretium eins denarios ducentos \ ita ut

25 s(uspra) s(criptum) scritum est

C(aius) arruntius zialens suboptio III salute signaui \G(aius) iulius isidorus (centurio) III prouidentia signaui

G(aius) iulius demetrius bucinator pricipalis III. [ziijrtute[signaui] \

Ezovg 6o~s a[oTe/bua]iov dx dofienos yegjuavo[s /Li]to$mr>isxvtvia[vo]s jUEloyvaTcov ex[ .... ]xa , t?/ 7iga[aei tov 7iatd}etovaßßa tov y.ai evtv/ov

Tafel 32 A. Römische Uncial-Cursive des vierten Jahrhunderts.Papyrus der Strassburger Bibliothek (Pap. lat. Argent. 1). Dieserwundervolle Papyrus, den vor kurzem H. Bresslau unter Beigabeeines Lichtdruckfacsimiles herausgab und erläuterte (Ein lateinischerEmpfehlungsbrief. Archiv für Papyrusforschung, herausgegeben vonUlrich Wilcken, III. Bd., 2. Heft, 1904*), fesselt unser Interesse durchden Inhalt des Schreibens, durch den unvergleichlich guten Er-haltungszustand, vor allem aber als Bindeglied zwischen älterer undjüngerer Cursive. Zwischen den Proben ältester Capital-Cursivedes ersten und zweiten Jahrhunderts (vgl. Taf. 31, 32) und denender entwickelten römischen Cursive des sechsten Jahrhunderts (vgl.Taf. 1 c, 2) bildet er genau das Mittelglied und lässt den Fortgangder Schriftentwicklung Schritt für Schritt erkennen. Gegenüberden Anfängen der Cursive, wie sie im Papyrus vom Jahre 166(Taf. 32) vorliegen (Umformung und Vereinfachung der Buchstaben,Beginn einzelner Buchstabenverbindungen) tritt uns hier eine bereitsentwickelte Cursive mit reichlichen Verbindungen entgegen. Vor-bild für die einzelnen Buchstabenformen ist jetzt nicht mehr dieCapitale, sondern die jüngeren Unciale. Der Unterschied tritt gegen-über den älteren Papyri am schärfsten bei m, r, besonders aberbeim a hervor; dieses lässt den Uebergang vom a der Unciale(vgl Taf. 4) zum offenen, u-ähnlichen a der späteren Cursive deut-lichst erkennen (vgl. das a in Z. 2: Vitalis und fort, Zeile für Zeile).Nur für das n ist, übrigens in vollem Einklang mit Unciale undHalbunciale, die alte Form der Capitale festgehalten, und das uhält ziemlich genau die Mitte zwischen der älteren spitzen und derjüngeren runden Form. Die Einreihung um die Mitte des viertenJahrhunderts, die Bresslau aus sachlichen Gründen vornahm, lässtsich daher auch vom Standpunkt der Palaeographie aufs beste stützenund rechtfertigen. Eigenhändig vom Aussteller des Schreibens,Vitalis, ist nur der Schlusswunsch beigefügt, der sich auch durchdie Schrägcursive von der Steilschrift des Contextes abhebt.

*) Dem liebenswürdigen Entgegenkommen des Bearbeiters, Herausgebersund Verlegers (H. Bresslau, U. Wilcken, B. G. Teubner) verdanke ich dieErlaubniss, den Papyrus in diese Sammlung aufnehmen zu dürfen.