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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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686 Die mittelniederdeutsche Literatur des 14./15. Jahrhunderts

ling, Jungfrau, Kind; auf jede Strophe des Todes antwortet der Angeredeteebenfalls in einer achtzeiligen Strophe.

2. LEHRHAFTE LITERATUR 1Hennann Bote

In den Werken des Hermann Bote 2 tritt uns die Eigenart einer nieder-sächsischen Persönlichkeit so ausgeprägt entgegen wie wohl sonst nie. Dashängt damit zusammen, daß der Dichter uns einen so genauen Einblick insein Leben, die ihn umgebenden Verhältnisse, seine Handlungen und Kämpfegewährt wie kein anderer niederdeutscher Schriftsteller. Hervorgegangen ausdem Bürgertum als Sohn eines Schmiedemeisters in Braunschweig wurde erZollschreiber und schrieb (1502) ein Zollbuch seiner Vaterstadt. In diesemAmte zog er sich die Feindschaft der Zünfte zu, die ihn für längere Zeit umseine Stellung brachten. Er starb 1520. Seine Weltchronik, die von der Er-schaffung der Welt bis ins 15. Jahrhundert (1438) reicht, verfaßte er vor 1493.In der gereimten Allegorie Boek van veleme rade 3 schildert er unter dem Bildeverschiedener Räder die Stände und ihre Aufgaben, vom Papst angefangenbis zu den Bauern (um 1490). Das Schichtbok, 4 1510-13, Prosa, ist derZeitgeschichte und seinen eigenen Erlebnissen entnommen, mit Rückblickenauf die Vergangenheit seiner Vaterstadt; er gibt dann eine Darstellung derAufstände, die ihn seine Stelle kosteten; das Ganze soll zugleich eine Lehrefür die Regierenden und für die Masse sein. Als Sammlung von lose anein-ander gereihten Sprichwörtern, Redensarten, geflügelten Worten lehrt derKoker 5 (Köcher mit Pfeilen) Lebensweisheit, die zum Kampfe ums Daseinstählen soll; 2290 V.

Ein Vetter des Hermann Bote, Konrad Bote in Braunschweig, schriebetwa 1489-91 eineSassenchronik". 6

Morallehren und Reisebücher

Meister Stephans Schachbuchs.oben.Nd.Freidank(Österley S.48);Nd. Cato vom Meister Stephan (Stammler, Nd. LG. S. 47); Nd. Facetus inzwei verschiedenen Fassungen (ist das Supplementum Catonis). 7 Der hinderehovescheit (Tischzucht,s.oben), Sievers,ZfdA.21,60-65.K.Koppmann, Das

1 Goedeke, Grundr. I 2 , 478-80; Jelling- Kbl. 6, 1881, 67-70; Ders., Nd. Jb. 16, 1890,haus 3 S. 24-32. 107 ff.; Ders., ebda 19,1893, 79; W. Seel-

2 Stammler, Gesch. d. nd. Lit. S. 61-64; mann, ebda 18, 1892, 152 ff.; O. Schütte, ZurDers., Von der Mystik zum BarockS. 191.484; Erklärung u. Kritik desKokers", Nd. Jb.Ludw. Wolff, Stammlers Verfasserlex. 1, 43, 1917, 120 ff.; Agathe Lasch, Zum Koker,260-68. Nd. Kbl. 39, 1924, 53; Stammler, Nd. Leseb.

3 Ausg.: Herm. Brandes, Nd. Jb. 16, 1890, Nr. 55 S. 85 f. u. Anm. S. 141 f. (Lit.); Ed.11-41. Damköhler, Entstehung desKokers", Nd.

4 Ausg.: L. Hänselmann, Deutsche Städte- Jb. 54, 1928, 24-35; Ders., Kbl. 43, 1930, 13 f.Chroniken 16, 1880, 269^93; in Bd. III T. 1, Stellen: Nd. Kbl. 22, 77-80. 90-95. 23,59-1928, ist das Schichtspiel u. die Stadtfehde 63; Nd. Jb. 43, 120-22.44, 101-03; Beitr.1492/93 abgedruckt. Stammler, Mnd. 129 f.Weitere Lit. s. bei Stammler, Leseb.Leseb. Nr 18 S. 33-35 u. Anm. S. 136 (Lit.). 6 Stammler, Nd. LG. S. 26; Jos. Deutsch,

6 Ausg.: C. Borchling u. W. Seelmann, Nd. Stammlers Verfasserlex. 1, 268-70 (mit Lit.).Jb. 42, 1916, 71-125. Chr. Walther, Nd. ' Österley S. 55 f.