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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Das geistliche Schauspiel 685

Außerdem sind Bruchstücke eines Osnabrücker (Ende 14. Jh.) undeines Wolfenbütteler Osterspiels (15. Jh.) vorhanden; 1 auch Fragmentezweier Dramen mit alttestamentlichen Stoffen.

Dramatisch zusammengesetzt und zur Aufführung am Karfreitag in derKirche bestimmt sind auch die Marienklagen am Kreuze Christi. In derWolfenbütteler Marienklage 2 (464 V.) treten Maria, Johannes, Petrus, Josephund die drei Marien auf.

Die Bordesholmer Marienklage 3 ist mehr lyrisch als dramatisch ge-halten, doch sind szenische Anweisungen beigegeben (lat., darin: planctusiste non est ludus nee ludibrium, sed est planctus et fletus et pia compassioMariae virginis gloriosae). Es sprechen bzw. singen Maria, Johannes, dieMutter des Johannes und Maria Magdalena, auch Jesus spricht vom Kreuzeherab.

Bruchstücke eines mnd. Spieles vom Leben Jesu aus Kloster Himmel-garten bei Nordhausen (Mitte des 13. Jahrhunderts). 4 Zu einem mnd.Prophetenspiel gehört vielleicht auch das neunzehnzeilige Bruchstück vonEsau und Jakob in der Universität Göttingen, 14./15. Jahrhundert, getreu demBibeltext folgend. 5 Ein Spiel aus dem Alten Testament; Hänselmann,Fragment eines Dramas von Simson, Nd. Jb. 6, 137-44.

Auch die Totentänze sind in der mnd. Literatur heimisch geworden.Am wichtigsten ist hier der Lübecker Totentanz von 1463 (398 V.); einigeJahre später entstand ebenda das Gedicht desDodes danz, 1489(1684 V.). 6 DerText des älteren Gedichtes stand ursprünglich unter den Figuren in derLübecker Marienkirche. Der Tod spricht in jeweils achtzeiligen Strophen,zuerst an alle, dann zu je einem Vertreter eines bestimmten Standes und Be-rufes in absteigender Reihenfolge: Papst, Kaiser, Kaiserin, Kardinal, Königusw.,bis zum Bauern; schließlich wendet er sich an die Lebensalter, an Jüng-

1 Das Osnabrücker Osterps. hgb. Konr. 6 Ausg.: Herm. Baethke, des dodes danzDörre, Zs.Niedersachsen" 24, 1919, 301 bis nach den Lübecker Drucken von 1489 u. 1496306. _ Nd. Jb. 22, 144-46. 23, 120 ff.; Jel- hgb.,Litt.Ver.l27,1876;MANTELS, 1866;Seel-linghaus 3 S. 17. mann, Nd. Jb. 17, 68-80; A. Freybe, D.

2 Ausg.: Schönemann aaO.; Österley Lübecker Totentanz, in Freybe, Das MementoS.75f.; Froning aaO. S. 60-62. W. Hohn- mori, 1909,71-85; Rud. A. Th. Krause, Diebäum, Untersuch, z.Wolfenbütteler Sünden- Totentänze in den Marienkirchen zu Lübeckfall", Marb. Diss. 1922; Ders., Zur Heimat- u. Berlin, Zs. d. Ver. f. Lübeck. Gesch. 9,1904,bestimmung des mnd. Sündenfalls, Nd. Kbl. 334-51 u. Niedersachsen 11, 1906, 202 ff.; A.34, 72-75, s. auch S. 91-98; Krage, ebda 33, Lübben, Berliner Todtentanz, Nd. Jb. 3,78-80. 35,43-^5; Stammler, ebda 37, 40; 170-80; Max J. Friedländer, Des dodesSprenger, Nd. Jb. 17, 92; Seelmann, ebda dantz Lübeck 1489, Faks.; Stammler, D.46,80; Edgar Schacht, Sünte Marie De Lübecker Totentanz von 1463, Mnd. Leseb.Wolfenb. Marienklag un Osterspill über- Nr. 74 S. 119-27 u. Anm. S. 146 mit voll-tragen, mit einer Einführung von G. Rosen- ständiger Lit. über die Totentänze. W.hagen, 1927, dazu L. Wolff, ZfdPh. 53, 204 f. Seelmann, Die Totentänze des MA.s, Nd. Jb.

3 Aus dem Kloster Bordesholm bei Kiel um 17, 1-80; Ders., Der Berliner u. der Lübecker1470 bis 1480. Hgb. Müllenhoff, ZfdA. Totentanz, Nd. Jb. 21, 81-122; E. A. Kock,13, 288-319; G. Kühl, Nd. Jb. 24,1-75. Nd. Kbl. 26,15; W. Plagemann, Der Cha-Österley S 68 f rakter des lübisch-revalschen Totentanztextes,

«Hgb. SiEVERs/zfdPh. 21,393-95. Nd. Kbl. 45 H. 1/2. Jellinghaus 3 S.9;

6 Hgb. Karl Meyer, ZfdA. 39, 423-26. Stammler, Gesch. d. nd. Lit. S. 34-36.Creizenach S. 114 f.