674 Die Literatur des Deutschordens im 14./15. Jahrhundert
Weitere geistliche Dichtungen
Auch der Verfasser der H est er 1 (Übersetzung des Buches Esther und desJakobssegens, Benedictio Jacob) ist durch den Dichter des Passionais, demer aber an dichterischem Vermögen nachsteht, beeinflußt. Über seine Personist nichts aus dem Gedichte zu schließen, er war wohl Geistlicher zu Anfangdes 14. Jhs (2010 V.).
Ein Thüringer, offenbar ein gelehrter Geistlicher in einem dortigen Ordens-hause, war der Verfasser der Judith. 2 Er will die biblische Erzählung geistigaufgefaßt wissen und bringt deshalb zwei mystisch-allegorische Betrach-tungen an. An künstlerischem Wert steht das Werk nicht eben hoch, aber diePerson der Heldin ist ein Symbol für die Glaubenskämpfer des Deutsch-ordens; Zeit: wahrscheinlich 1304 (2814 V.).
Wie die Apokalypse, Hester und Judith, befindet sich in der Mergent-heim-Stuttgarter Hs. auch die noch nicht herausgegebene ÜbersetzungEsdras und Neemyas; 3 Quelle ist die Vulgata.
Einen umfangreichen Bestandteil der Stuttgarter Hs. macht Das Buchder Makkabäer aus 4 (14410V.). In den Makkabäern, den Glaubensstreitern,sahen die Deutschordensritter ihr Vorbild. Die Quelle des Werkes ist dieVulgata mit ihren lateinischen Kommentaren; zahlreiche Exkurse sind ein-gefügt. Die Ausdrucksweise ist trocken und ungeschickt, doch der Versbauziemlich regelmäßig; Zeit: vor 1322.
In literarischem Zusammenhang mit dem Passional, der Apokalypse unddem Makkabäerbuch steht auch das ebenfalls in der Stuttgarter Hs. über-lieferte Buch Daniel (8348 V., eine zweite Hs. in Königsberg), eine poetischeBearbeitung des biblischen Buches unter Beiziehung der Historia scholasticaund mit allegorischen Deutungen versehen; 5 von einem strengen, von derWelt abgewandten und Buße predigenden Geistlichen abgefaßt. Bald nach
1 Hgb. Karl Schröder, Bartschs Germanist, u. Jahrbuch d. philosoph. Fak. in Marburg,Stud. 1, 247-315 (Der Jakobssegen, S. 291-95, 1923-24 (Auszug); Ziesemer S. 64 f.; Hansist eine Erneuerung der betreffenden Partie der Steinger, Stammlers Verfasserlex. 1, 590 f.;frühmhd. Genesis, s. LG. II, 1, 81). — Abh.: „Esther", Ders. ebenda 1, 591 f.; vgl. auchE.Funk, Hester,eine Deutschordensdichtung, „Bruchstückeeinermd.BearbeitungdesEsdrasKönigsberg. Diss. 1928; Ziesemer S. 61-63; u. des Jesaias", hgb. v. K. Euling, Beitr. 14,Archiv 50,311-18; Hans Steinger, Stamm- 122-26.
lers Verfasserlex. 1, 591 f. — 2 Hss. — Eine * Hgb. Helm, Lit. Ver. 233, 1904. — Abh.:
Prosa-Hester u. Ev. Nicodemi: Bachmann u. Helm, ZfddtUnt. 30,1916, 364 f.; Ziesemer,
Singer, Dt. Volksbücher, Lit. Ver. Bd. 185; S. 66-69.
Suchier, Germ. 17,355. 5 Hgb. Arth. Hübner, Dt. Texte d. MA.s
2 Hgb. R. Palgen, Ad. Textbibl. Nr. 18,1924 Bd. 19, 1911, dazu Helm, ZfdPh. 46, 476-80,(1 Hs.: Mergentheim-Stuttgart), dazu Schrö- Cbl. 1911,1508, Priebsch, DLz. 1912,1059 f.,der, Anz. 44, 31-34, Götze, Lbl. 1926, 216 f. Piquet, Rev. germ. 7, 630 f., Ziesemer, Mitt.— Abh.: Max Hering, Untersuchungen über d. westpreuß. Gesch.-Ver. ll,70f. —Abhandl.:Judith, Hall. Diss. 1907; Ziesemer S. 63 f.; Hübner, Daniel, eine Deutschordensdichtung,de Boor, Festschr. Ehrismann 1925, 146; Pal. 101, 1911, dazu Helm, aaO. S. 365 f.,Helm, Z. mhd. Ged. von der Judith, Beitr. 43, Ziesemer, Westpreuß. Gesch.-Ver. 12, 62 f.;163-68 u. Anz. 44,149; Helm, ZfddtUnt. aaO. s. auch Helm, Makkab. S. LXXXIX ff.; Ders.,S. 294 f. ZfddtUnt. aaO. S. 365; Ziesemer S. 69-74;
3 Noch ungedr. — Helm, ZfddtUnt. 30,1916, Ders., Stammlers Verfasserlex. 1, 403 f. —368; Edg. Krebs, Esra u.Neh.e. Deutschord.- Stellen: Rosenhagen, Anz. 45, 45 f.; Wall-dichtung, Marburger Diss. 1923, Masch.schr. ner, ebda S. 152.