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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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673
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Rechtsliteratur. Heinrich von Hesler 673

Er erzählt, einfach und ohne besonderen Schmuck, die Leiden Christi, Tod,Auferstehung, Himmelfahrt, Höllenfahrt, die Legende von der Veronika undder Heilung des Kaisers Vespasianus, zuletzt die Zerstörung Jerusalems durchdiesen. Hesler war theologisch erfahren, auch zeigt er Kenntnis deutscherDichtung (Konrads v. Heimesfurt Urstende, dieErlösung").

Die Apokalypse 1 (Apokalipsis Unses herren Jhesu Christes, 310), einegereimte Übertragung der Offenbarung Johannis (etwa 22900 V.), ist vor1312 verfaßt unter Benutzung vieler lateinischer Kommentare und unter-mischt mit Belehrungen über wichtige Punkte der Heilsgeschichte und derchristlichen Moral. Hier nennt der Dichter seinen Namen V. 154. 2

Mit Heslers poetischer Apokalypse steht eine in der gleichen Handschriftsich befindende wohlgeformte P ro s a b e a r b e it u n g (Appokalipsis) in Wechsel-beziehung. 3

Nicht erheblich später entstand eine ostmitteld. Prosaübersetzung derApokalypse, die Bekanntschaft mit Heslers Gedicht zeigt. 4 Außerdem istvon Hesler in geringen Bruchstücken mit schlechter Schreibung noch ein dieErlösung betreffendes Gedicht vorhanden, worin sein Name vorkommt: ichHeinrich von Hasiliere bin genannt. Die Bruchstücke handeln von AdamsVerführung durch den Teufel und Gottes Barmherzigkeit. 5

Die metrische Form 6 hat sich Hesler geradezu zu einem Studium gemacht undstellt, als erster seit Otfrid, Regeln für den Versbau auf (Apok. 1328-1482);er beobachtet die Silbenzahl der Verse, die er noch ziemlich nach dem Musterder alten Meister (V. 1385) einrichtet, aber mit der Absicht regelmäßigenWechsels von Hebung und Senkung. Die Reime sind rein. Sein Stil 7 ist ein-fach und ungeblümt; charakteristisch ist die Wortwiederholung, durch diedas Leitmotiv der betreffenden Stelle hervorgehoben wird. In der höfischenKunstübung zeigt er den Einfluß Konrads v. Würzburg.

43,345^7.Üb. d.Quellenu. das Ev. Nicod.: v. Hesler, Greifsw. Diss. 1912; Teile abgedr.:

Schönbach, Anz. 2, 149-212; WÜLCKERaaO.; Behaghel, ZfdA. 22,97. 128-42. Helm,

Helm, Beitr. 24, 117^15 u. Ausg. S. XXVI- ZfddtUnt. 30, 1916, 369; Ziesemer, Lit. d. Dt.

XXXIII. Ord. S. 88.

1 Ausg.: K. Helm, Dt. Texte d. MA.s 8, 1907 4 Hgb. F. E. A. Campbell, D. Prosa-Apokal. d.(s. auch ZfdtWortforschg. 10,217), dazu Königsberger Hs. Nr. 891 u. d. Apokal. Hs. v.Baesecke, Anz. 33, 61-68, Cbl. 58, 1407, Hesler, Greifsw. Diss. 1911; Bruchstücke:Panzer, ZfdPh. 43, 476, Ziesemer, Mitteil. Behaghel, ZfdA. 22, 128-142. Ziesemer,d. Westpreuß. Gesch.-Ver. 8, 45; Hammerich, S. 88.

Stammlers Verfasserlex. 1,96-98; L.Wolff, 5 Hgb. von O. v. Heinemann u. Stein-

ZfdA. 67, 269, Stelle). Quellen: Curt Schu- meyer, ZfdA. 32, 111-17. 446-19; de Boor

mann, Üb. d. Quellen d. Apokal. Hs. v. Hesl., S. 127. 143 f. 147 f.; Ziesemer S. 50. 55.

Gieß. Diss. 1912 (spricht d. Ev. Nie. dem 6 Helm, Beitr. 24, 178-87 (mit Lit.); Bae-

Hesler ab, dagegen de Boor aaO. S. 146 ff.; secke aaO.; Arth. Klatscher, Zur Metrik u.

Ziesemer S. 54 f.). 5 Hss. u. 8 (9) Bruch- Textkrit. von H. Heslers Ev. Nie, Progr. Eger

stücke, Helm, Einl. zus. Ausg.; Baesecke aaO. 1908-9, dazu Helm, Anz. 34, 167-71; C.

2 Im Ev. Nicodemi tut er das nicht, daß aber v. Kraus, D. metr. Regeln bei H. v. Hesler u.dieses von demselben Verf. herrührt wie die Nikolaus v. Jeroschin, Festschr. Jellinek 1928,Apokal., erweist die gleiche Dichtweise, Stil 51-74; Ziesemer S. 55 f. Sprache, Heimat:und Metrik (Amersbach aaO.; Steinmeyer, Schröder, Münch. SB. 1924, 3. Abt. S. 5.ZfdA. 32, 116; de Boor aaO. S. 146). 7 Helm, de Boor, Silbenbeobachtungen zu

3 Hgb. F. E. Campbell, Die Prosa-Apokal. d. Heinr. v. Hesler, Festschr. Ehrismann 1925,Königsberger Hs. 891 u. d. Apokal. Heinrichs 12548.

43 Deutsche Literaturgeschichte IV