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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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672 Die Literatur des Deutschordens im 14./15. Jahrhundert

frommer Überzeugung, sondern eine Ansammlung von kriegerischen Tatenmit ausführlich berichteten Feldschlachten oder Belagerungen und dem son-stigen militärischen Apparat bildet den Inhalt seines Werkes.

Rechtsliteratur

Der neu organisierte geistliche Ritterstaat des deutschen Ordens verlangteeine gesetzliche Festlegung, und aus diesem Bedürfnis gingen die Statutendes Deutschen Ordens hervor. Kaum eine deutsche Landschaft besitzteine so reiche Fundgrube für das wirtschaftliche Leben des 14. 15. Jahrhun-derts wie Ostpreußen in dem Großen Ämterbuch des Deutschen Ordens. 1

Aus der Kolonisation des Landes ergab sich auch das Bedürfnis, den Bodenfür die neuen Bebauer einzuteilen. Diesem diente die lat. Geometria Cul-mensis, die auch in deutsche Prosa übersetzt wurde; um 1400-10. 2

Heinrich von Hesler

Auch an biblischen Dichtungen ist die Deutschordensliteratur, 3 in der dieseStoffe überhaupt alle andern an Zahl übertreffen, sehr reich. Voran steht unterdiesen Verfassern biblischer Werke in der Deutschordensdichtung nach Zeitund Einfluß Heinrichv.Hesler, 4 ein Thüringer aus ritterlichem Geschlecht,dessen Stammsitz bei Nebra an der Unstrut in der Nähe von Sangerhausenstand; er wurde um 1270 geboren, starb nach 1342 5 und hat sich wahrschein-lich eine Zeitlang im Ordenslande aufgehalten.

Unter seinen zwei großen uns erhaltenen Bibeldichtungen ist die älteredas namenlos überlieferte Evangelium Nicodemi 6 (5392 V.), um 1300 ver-faßt, für welches Werk er als Hauptquellen die vier Evangelisten und dasapegryphe Evangelium Nicodemi benutzte (369 ff. 679 ff.). 7

1 Hgb. von Ziesemer, D. gr. Ämterb. d. Dt. Lit. d. Dt. Ordens, 1928, 49-56. Steinger,

Ordens, 1921, dazu Schröder, Anz. 41, 95 f., Stamml. Verf. 2, 276-82.

Helm, ZfdPh. 50, 291 f. Siehe auch Zie- s Dieser Lokalisierung des Dichters steht die

semer, D. Ausgabebuch d. Marienburger Haus- Annahme Helms gegenüber, der aus beachtens-

komturs für die Jahre 1410-20, 1911; Zie- werten Gründen Hesler bei Gelsenkirchen in

semer, D. Marienburger Konventsbuch der Westfalen für dessen Heimat hält. Schrö-

Jahre 1399-1412. 2 Ziesemer S. 114. der, Münch. SB. 1924, 3. Abt. S. 5.

3 Passional und Altväter sind unterLegen- 6 Ausg.: K. Helm, Lit. Ver. 224, 1902; Aus-den" (13. Jh.) behandelt. zug: Pfeiffer, Ad. Übungsb. S. 1-23; Ab-

4 Piper, Geistl. Dichtg. II, 140 ff. Ab- druck der Görlitzer Hs.: Piper, aaO. S. 142handl.: Helm, Untersuchungen über H. Hes- -285.. Abhandl.: Helm, Untersuch. aaO.,lers Ev. Nie, Beitr. 24,85-187; Ders., Ein- Beitr. 24; Ders., Einleitung zu seiner Ausg.;leitg. zu seiner Ausg. des Ev. Nicodemi (s. un- Ziesemer aaO. Schönbach, Anz. 2,149 ff.;ten); Ders., Nachtrag z. Ausg., Beitr. 33, Rich. Paul Wülcker, D. Ev. Nie. ind. abend-400-2; Ders.,.ZfddtUnt. 30, 1916, 304-6; K. länd. Lit., 1872 (darin Hesler S. 440-50);Amersbach, Über d. Identität des Verf. des Mussafia, Sulla leggenda del legno della Croce,gereimten Evangeliums Nicodemi mit H. Wien. SB. 63; Panzer, Anz. 38, 138 f.; Arth.Hesler, dem Verf. der gereimten Paraphrase der Klatscher, Zur Metrik u. Textkritik vonApokalypse, Progr. Konstanz I 1883, II 1884; Heinrich Heslers Ev. Nie, Progr. Eger 1909,Schröder, Heinr. v. H., ZfdA. 43, 180-83; dazu Helm, Anz. 34, 167-71. 5 Hss. u. 5Ders., H. v. H. urkundlich, ebda 53, 406; Bruchst.: Pfeiffer, Ad. Übungsb. S. 1;Christian Krollmann, Die Herkunft u. d. Helm, Ausg. u. Beitr. aaO.; G. Wolff, ZfdA.Persönlichkeit d. Deutschordensdichters Heinr. 33, 115-23; Schröder, ebda 50, 386 ff.; s.v. Hesl., Zs. d. westpr. Gesch.-Ver. 58, 1918, auch ebda 62, 241 ff.; Erich Klibansky, Ge-95-110 u. SA., dazu Schröder, Anz. 39, 88 f.; richtsszene u. Prozeßform usw., 1925, 16-23.Schwietering, Demutsformel S. 11; Ziesemer 7 Auch eine Historia apoerypha: Helm, Beitr.