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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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670 Die Literatur des Deutschordens im 14./15. Jahrhundert

aus dem 16. Jahrhundert schließen lassen, in denen noch Reime durch-klingen. 1

Die Livländische Reimchronik 2

Noch am Ende des 13. Jahrhunderts, zwischen 1291 und 1297, hat einAngehöriger des Ordens, wohl ein Ritter, die Bekehrung Lieflands (V. 120 ff.),in der Hauptsache die kriegerischen Taten, in einer lebhaften Kampfes-stimmung beschrieben, die sich an Einzelgeschichten nicht genug tun kann(12939 V.).

Nicolaus von Jeroszin

In Nicolaus von Jeroszin, dem Verfasser der Deutschordenschronik, 3tritt uns eine ausgeprägte Persönlichkeit entgegen; häufiger als die andernSchriftsteller des Deutschen Ordens spricht er von seinen privaten Angelegen-heiten, mehr noch gibt er seine Eigenart durch die Behandlung seines Stoffeszu erkennen: er hat, bevor er das Werk in Angriff nahm, über den Plan unddie Disposition nachgedacht (221 ff.). In lebhafter und anschaulicher Dar-stellung, die sich bisweilen dramatisch steigert, gewürzt durch Humor undDerbheit und doch in höfisch geschulter Sprache, erzählt er in dieserKronikevon Pruzinlant" von den Zeichen und Wundertaten, die der hohe Gott inPreußenland begangen hat (121), von den Taten und Schicksalen des DeutschenOrdens, von dem Heiligen Krieg bis zur Wahl Luders von Braunschweig(1331-35). Dieser veranlaßte ihn (seinen Namen nennt er ebenfalls in der Ein-leitung [218]) zu der Arbeit (182 ff.), aber die ersten Bogen (vier Quinternen,188) wurden zerstört und Luders Nachfolger, Dietrich v. Altenburg (115 ff.146 ff.), übergab ihm zur Wiederaufnahme des Werkes die Chronik von Preu-ßen, die Peter v. Dusberg einige Jahre vorher (1326) lateinisch geschriebenhatte. Diese seine Quelle behandelt er ziemlich frei, in bunter Reihefolgen sich Anekdoten und Legenden, Charakterschilderungen und Beschrei-bungen von Schlachten. 4 Freilich werden diese oft sich wiederholenden Vor-führungen auf die Dauer bei dem großen Umfang des Buches (27838 V.) dochmanchmal zum Überdruß.

1 Ziesemer, D. Lit. d. Dt. Ordens in Preußen, Ausg.: Pfeiffer, 1854 (in Auszügen); E.1928, 92 f. Strehlke, 1861.Abh.: Pfeiffer, Strehlke

2 Goedeke l 2 , 276; Piper, Höf. Ep. III, in ihren Ausgaben; W. Ziesemer, Nie. v.J.665f. Ausg.: Pfeiffer, 1844 (Lit. Ver.); u. seine Quelle, 1907, dazu Schröder, Anz.Leo Meyer, 1876, dazu Steinmeyer, Anz. 2. 32, 47-50, Helm, ZfdPh. 41, 72-75, Hering,240^15, GgA. 1876, 433 ff.Abhandl.: Emil Lbl. 1910, 4-6; Helm, Lit. d. Dt. Ord. S.95Henrici, D. Nachahmer v. Hartmanns Iwein, -112; Helm, Zfddt.Unt. 30, 1916, 431-33;1890, S. 10-12. 20 f.; R. Linder, Zur älteren G. Hofmann, Stud. üb. d. religiöse Lebenlivl. Reimchr., Leipz. Diss. 1891; Paul Ecke, aaO.; Sprache: Zwierzina, Festschr. SieversLivl. Reimchr., Greifsw. Diss. 1910 (mit Lit.); 1925, 402 ff. 5 Hss. u. 4 Bruchst.: Piper,Helm, ZfddtUnt. 30,1916, 430 f.; Ziesemer, Geistl. Dichtung d. MA.s 2, 138 f.; dazuLit. d. Dt. Ord. S. 93 f. Hss.: Leo Meyer, Rachel, ZfdPh. 18,490 f.

Ausg. u. ZfdPh. 4, 407^14 (dabei auch ein- 4 Pfeiffer hat nach diesem Prinzip seinen

zelne Stellen; solche auch: Bech, Germ. 22, Auszug aus Jeroschins Chronik angelegt (Einl.

39 f.). S. XIX).

3 Lit.: Piper, Geistl. Dichtg. II, 136-39.