XL DIE LITERATUR DES DEUTSCHORDENSIM 14/15. JAHRHUNDERT
Die Germanisierung des heutigen Ostpreußens begann mit der Kreuzfahrtdes Deutschordens gegen die heidnischen Preußen unter Hermann v. Salza1226. Die kriegerischen Aufgaben und die der neu zu befestigenden Verwal-tung ließen nicht Zeit für höfische Kunst; praktische Lebenseinrichtung wardas erste Gebot. Die Literatur ist eine Erscheinungsform der herrschendenKultur. So beschränkte sich das literarische Interesse auf das geistliche unddas geschichtliche Schrifttum, auf Bibelübersetzungen und Heiligenlegenden(bes. Verehrung der Maria) und auf die Geschichte des Ordens. Somit kannman die literarischen Denkmäler des Deutschen Ordens zu einer einheitlichenGruppe zusammenfassen. Sie lassen ein gemeinsames Standesmerkmal er-kennen, das Lebensgefühl einer ritterlichen Bruderschaft, und bewegen sichin einem gleichgestimmten religiösen Vorstellungskreise, der leicht eine my-stische Färbung annimmt, auch zeigen sie untereinander oft Berührungen imStil und in der künstlerischen Form. Die Schriftsprache des Ordenslandesund damit auch die seiner Literatur war mitteldeutsch. Die dem Orden an-gehörigen Autoren stammen zum Teil aus anderen als preußischen Gegenden,aus Thüringen, auch aus Oberdeutschland, und nur ein Teil, allerdings dergrößere, war im preußischen Ordenslande ansässig. Um die Mitte des M.Jahr-hunderts wurde der Übergang von der Versdichtung zur Prosa gemacht. 1
Reimchroniken des Deutschen Ordens gab es schon in dessen Anfängenim 13. Jahrhundert, wie zwei Prosaberichte über die Frühzeit des Ordens
1 Pfeiffer, Ausg. v. N. v. JeroschinsChron., tischer Beleuchtung u. die ostdeutsche Bibel-
1854, S. XXV ff.; Steffenhagen, Die ad. Übersetzung des MA.s, Greifswalder Stud. zur
Handschriften zu Königsberg, ZfdA. 13,501 Lutherforschung 1930 u. 1931; Fritz Karg,
-74; F. Gulhoff, D. dt. Ritterorden in d. Das literarische Erwachen des deutschen Ostens
dt. Dichtung; Progr. Zaborze 1908; Georg im MA., 1932 = Teuthonista, Beiheft 3;
Hofmann, Stud. üb. d. religiöse Leben d. Hübner, Reallex. 1,421 f. — Stil, bes.: Gerh.
Deutschordensritter auf Grund ihrer Dichtung Reissmann, Thilos v. Kulm Ged. von den
Frankf. Diss. 1925; Strauch, D. Deutsch- sieben Ingesigeln, Pal. 29,1910, 99 ff.; Zwier-
ordenslit. d. MA.s 1910, dazu Perlbach, DLz. zina, Festschr. Sievers 1925, 402-44; Ders.,
1911, 3235; Helm, Neue Funde auf d. Ge- Festschr. Luick 1925, 134-37; dE Boor,
biete d. Deutschordenslit., 46. Philol.-Vers. in Festschr. Ehrismann 1925, 125. 146. — Unter
Straßburg 1901, Verhandl. 1902, 137-39 u. den für die Literatur des Deutschen Ordens
ZfdPh. 33, 429 f.; Helm, D. Lit. d. Dt. Ordens wichtigen Handschriften ragt der aus dem
im MA., ZfdtUnt. 30, 1916; Helm, Fest- Ordenslande stammende, in die Kommende
schrift Braune, 1920, S. 252-54; Helm, Genea- Mergentheim gelangte, jetzt in Stuttgart
logisches zu Luder v. Braunschweig, ZfdPh. befindliche Kodex (etwa 1350-70) besonders
46, 445-50; Walth. Ziesemer, Geistiges Le- hervor; er enthält die Apokalypse von Hes-
ben im Dt. Orden, Nd. Jahrb. 37, 1911, 1er, Daniel, Hester, Judith, Esdra, die
129-39; Ders., Ostpreußens Geistesleben in d. Makkabäer (Helm, Verhandl. der 46. Pilol.-
Vergangenheit, 1920; Ders., Merker-Stamm- Vers, in Straßburg 1901 [erschienen 1902],
lers Reallex. 1, 184-89 (mit reicher Lit.); Ders., 137-39) u. Ausg. der Makkabäer S.Vf.;
D. Lit. d. dt. Ordens in Preußen, 1928, dazu Hübner, Daniel S. V ff. LXXXVII ff.; Zie-
Helm, Lbl. 1929, 329 f., Schröder, Anz. 47, semer, Lit. d. dt. Ordens S. 66. Hervorragend
191 f., Strauch, DLz. 1929, 757-59; Piper, buchtechnisch ausgestattet ist die Pracht-
D. geistl. Dichtg. des MA.s 2, Kürschners handschrift des Königsberger Staatsarchivs
dt. NatLitt. 3. Bd. 2. Abt. [1888] S. 128-285; (Kasten, Ausg. d. Hiob S. I ff.; Ziesemer,
Wolfg. Stammler, Apostelgesch. 27 in nau- S. 83. 85 ff.).