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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Albrecht von Eyb 667

Seine Margarita poetica 1 (nach 1460) umfaßt nicht bloß Poesie, sondernüberhaupt die ars rhetorica und ist eine Sammlung von poetischen und pro-saischen Stellen aus klassischen und mittelalterlichen Dichtern, ein Hilfsbuchder humanistischen Rhetorik. Das Buch wurde bis 1503 mehrmals gedruckt. Das Ehebüchlein 2 zerfällt in 3 Teile, deren erster überschrieben ist: Obeinem manne sey zunemen ein eelichs weyb oder nicht; der zweite gibt die Ant-wort : das ein weyb zunemen sey ; der dritte spricht: Von eilende Kranckeit vndwiderwerttigkeit der menschlichen natur. Es ist gewidmet der kaiserlichen StadtNürnberg, dem Rat und der ganzen Gemeinde im Jahre 1472. Als Beispielesind Novellen eingeflochten: Gwiscardus und Sigismunda, Marina, 3 Grisardisin der Übersetzung des Erhart Groß (s. oben), 4 außerdem die Legendevom hl. Albanus. Das Ehebüchlein hat großen Einfluß ausgeübt und wurdein fünf Abschriften und 12 Drucken von 1472 bis 1540 verbreitet. Nichtrecht gelungen ist die Vereinigung des humanistisch gerichteten Inhalts mitdem mittelalterlichen in seinem Spiegel der Sitten. 5 In seiner Grundlageist dieser Sittenspiegel durchaus ein kirchliches Lehrgebäude, aufgebautauf der Autorität der Kirchenväter und der mittelalterlichen Kirchenlehrermit einzelnen Abschnitten über die Tugenden und, mehr noch, über dieLaster, über die Kunst zu sterben, über Tod und jüngstes Gericht, sowiemit Sittenlehren für die einzelnen Stände. Diese geistlichen Erörterungensind verbrämt mit klassischen und humanistischen Zitaten, und als zweiterTeil folgen drei Übersetzungen klassischer Komödien 6 (geschrieben 1472[73]):die Bacchides und die Menaechmen des Plautus und die klassizierendePhilogenia des Ugolino Pisani. Die Komödien sind in Prosa aufgelöst, essind Erzählungen mit Dialogen der handelnden Personen, die antike Um-welt ist auf deutschen Boden übertragen, so z. B. haben die lateinischenPersonen deutsche Namen wie Heintz, Fritz, Lutz, Kuntz, Götz usw. DerZweck dieser poetischen Beigabe ist der, den Leser über die bösen, ver-kehrten Sitten der Menschen zu unterrichten. Der ganzen Tendenz ent-spricht die Widmung dieser Sittenpredigt: sie ist an die Bischöfe vonBamberg, Würzburg und Eichstätt sowie an die dortigen Domkapitelherrengerichtet.

1 Herrmann, Albr. v. Eyb u. d. Frühzeit nur die Komödien).

S. 174-214. 6 Hgb.M. Herrmann, Die Schriften des Albr.

2 Herrmann, A. v. E. u. d. Frühzeit S. 285 v. Eyb 2. Bd. Hans Nythart von Ulm-355; Ausg.: Herrmann, Deutsche Schriften (Bürgermeister) übersetzte 1486 den Eunuchusdes A. v. E. 1. Bd. des Terenz (gedruckt 1486), hgb. Herm.

3 Gwiscardus, hgb. Herrmann, ebdaS.52ff.; Fischer, Lit. Ver. Nr.265, 1916; Herm.Marina, hgb. Herrmann, ebda S. 59 ff.; v. d. Wunderlich, Festr. f. Michael Bernays, 1893,Hagens Germ. 9, 1850, S. 239-48; eine an- 201 ff.; M. Herrmann, Terenz in Deutsch-dere Fassung gibt Strauch, ZfdA. 29, 325^2 land bis z. Anf. des 16. Jh.s, Mitteil, der(s. ob. unter Nicl. v. Wyle. Es ist Goethes Gesellsch. für dt. Erziehungs- u. Schulge-Novelle vom klugen Prokurator in den Unter- schichte 3 S. 1 ff.; Stammler, Von der Myst.haltungen deutscher Ausgewanderten. z. Barock S. 37 f. 466 (wo weitere Lit.).

i Hgb. Strauch, ZfdA. 29,373^43. Der ganze Terenz, von mehreren Ungenannten

6 M. Herrmann, Frühzeit S. 356-97. übersetzt, erschien im Druck 1499 in Straß-4 Drucke, 1511. 1518. 1537. 1550 (1518u. 1550 bürg, Stammler S. 38.