666 Renaissance und Humanismus
am wahrscheinlichsten ist es, daß sich der Nürnberger Patrizier HeinrichSchlüsselfelder unter diesem Namen verbirgt (Unterschrift in der St. GallerHs. der Blumen der Tugend). 1 Der Verfasser dieser Übersetzung hat sich jeden-falls längere Zeit in Italien aufgehalten. Seiner Sprache nach war er ausNürnberg, aus der Haltung seiner Übersetzung ist zu schließen, daß er Geist-licher war. Die Übersetzung wird um 1460 anzusetzen sein, sie erschien imDruck in Ulm im Jahre 1472 oder 1473. Sie fand geringen Beifall, denn sieerlebte nur wenige Auflagen (Ulm 1490, Straßburg 1585) 2 und etwa fünf un-vollständige oder interpolierte Drucke im 16. Jahrhundert. Der Stil ist äußerstungelenk, sprachwidrig und fehlerhaft. Fortgeschrittener ist der Stil Arigosin seinem zweiten, späteren Werke: Blumen der Tugend, 3 laut Unter-schrift in der Hamburger Hs. von Arigo 1468 verfaßt. Es ist eine prosaischeÜbersetzung der italienischen Fiori di virtü von Thomaso Leoni (um 1320),welche Hans Vintler etwa ein halbes Jahrhundert vorher in deutsche Versegebracht hat (s. oben).
Albrecht von Eyb
Nicht so stark wie Niclas v.Wyle haftete Albrecht von Eyb 4 an derSprachform und am Stil, ihm kam es vor allem auf lehrhaften Gehalt beiseinem Wirken an. Er ist aus seinem geistlichen Stande heraus zu verstehen,und maßgebend waren für ihn schon seine in Italien gewonnenen Jugend-eindrücke; so vereinigten sich in seinem Lebensgange die humanistischeund die mittelalterlich-geistliche Richtung. Überall spricht der Geistliche,aber mit humanistischer Färbung.
Albrecht von Eyb, aus adeliger Familie stammend, wurde auf SchloßSommersdorf in der Nähe von Ansbach im Jahre 1420 geboren und zog 1444nach Italien, wo er bei zweimaligem Aufenthalt zusammen 16 Jahre verweilte.Er studierte die Artes und die Rechte in Bologna, Padua und Pavia, woer als Abschluß den Doctor utriusque juris erwarb (1459), war nach dem erstenitalienischen Aufenthalt Domherr zu Bamberg und später, nach dem zweiten,zu Eichstätt, wo er 1475 starb.
1 So Baesecke, ZfdA. 47, 191; Drescher, LitGesch. 13, 1901, 447-69.
Arigo S. 208 ff., hält Arigo für den Nürnberger 4 Ausg.: Max Herrmann, Deutsche SchriftenPfarrer Heinrich Leubing (s. aber Ehrismann des Albr. v. Eyb, l.Bd.: Das Ehebüchlein,aaO.), Schröder, Anz. 31, 200-2, lenkt das 2. Bd.: Die Dramenübertragungen, 1890 (Be-Augenmerk auf den Stempelschneider (Buch- richtigungen Herrmanns Anz. 17, 80), dazudrucker) „Henricus Clayn Sverus", Ulmae ... Strauch, Anz. 21, 82-91, E. Matthias, Zfd-ortus, der i. J. 1476 in Perugia tätig war. Ph. 26,428 f. (Bd. 2), Vogt, GgA. 1895 Nr. 4,
2 Stil: Vogt aaO.; Wunderlich, Drescher, John Meier, Lbl. 1893, 123-26, Waetzold,Arigo pass. u. Baeseckes u. Ehrismanns Be- Arch. 86, H. 2/3; Max Herrmann, A. v. Eybsprechungen. u. d. Frühzeit des deutschen Humanismus,
3 Auszug bei Fr. Vogt, Arigos Blumen der 1893, dazu Strauch aaO., Matthias, ZfdPh.Tugend, ZfdPh. 28,448-82. — Lappenberg, 28, 273-80, Vogt aaO., Wunderlich, Lbl.ZfdA. 10,260 (Hs.); Vogt, GgA. 1895, 325 ff.; 1894, 291-93, Roediger, Arch. 88; Strauch,Drescher, Arigo, der Übersetzer des Deca- Anz. 14, 147 f.; Baesecke, ZfdA. 46, 253;merone u. des Fiore di Virtü aaO.; Ders., Günther Müller bei Walzel S. 88; Stamm-Arigos „Blumen der Tugend", ZfdPh. 31, ler, Von der Mystik zum Barock S. 34-37.336-58; Ders., Zu Arigos Bl. d. Tug., Zfvgl- 166; Götze, Frühnhd. Leseb. 2 aaO. S. 18-22.