Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
665
Einzelbild herunterladen
 

Arigo 665

aus der Disciplina clericalis des Petrus Alfonsi (österl. S. 294-335). g) SiebenFacetien des Poggius (Poggio, Österl. S. 335-50). h) Die gemainen punktender materi dis Bächlins ; allgemeine lehrhafte Regeln; alphabetisch, nur deutsch(Österley S. 352-62).

Das Wesen des Frühhumanismus tritt bei Steinhöwel deutlich hervor:der Zusammenhang der mittelalterlichen Geistesrichtung mit der neuen,humanistischen. Der ältere Gedankenkreis spricht sich in der christlichenFrömmigkeit aus und in den dogmatischen Anklängen, der humanistischein den von ihm behandelten Stoffen (Die Stoffe verteilen sich folgender-maßen: 1. mittelalterliche; Apollonius, Historia Hierosolymitana, Die deut-sche Chronik, Spiegel des menschlichen Lebens, Esopus. 2. humanistische;Griseldis, De claris mulieribus, Guiscardo e Sigismunda, Büchlein von derPestilenz) und im Stile. 1 Seine Ubersetzungsweise ist durchaus frei; eskommt ihm nicht auf das Wort an, sondern auf den Sinn. Er nimmt Be-ziehung auf die Gegenwart, gibt diesbezügliche Lehren und wendet sichmit sozialethischen Mahnungen an den Adel und den Bürgerstand. Er be-sitzt umfassende Kenntnisse, die weit über seinen Beruf hinausgehen, istbewandert in mittelalterlicher Literatur, in den klassischen Schriftstellern undin den modernen italienischen Humanisten. Er folgt im sprachlichen Ausdruckdem latinisierenden Frühhumanismus und ist der fruchtbarste unter dieserGruppe derHumanisten".

Arigo

Weit unter ihm steht der Übersetzer von Boccaccios Dekameron,Arigo 2 (Heinrich). Man hielt ihn früher für identisch mit Heinrich Stein-höwel, doch nachdem schon verschiedene Zweifel geäußert worden waren(s. Drescher, Arigo S. 1), stellte Wunderlich die Verschiedenheit der beidenVerfasser aus der Beobachtung des Stils fest.Arigo" nennt sich als Verfasserin der Vorrede S. 17, 29 f. (Keller). Die PersönlichkeitArigo" ist umstritten;

1 St. Carl Karg, D. Sprache H. Steinhöwels, 84, 241-90; Hans Möller, Arigo u. seine De-Beitrag zur Laut- u. Flexionslehre, Heidelb. cameronübersetzung, Diss. Leipz. 1896; K.Diss. 1884, dazu Strauch, DLz. 1884, 1790, Drescher, D. Verf. der pseudo-Steinhöwel-Pfaff, Lbl. 1885, 177-81; Wenzlau, Zwei- u. sehen Decameroneübersetzung, Verh. d. 44.Dreigliedrigkeit aaO.; Walter Borwitz, D. Philol.Vers. in Dresden 1897 S. 132-36; Ders.,Übersetzungstechnik H. St.s, dargestellt auf Arigo, der Übersetzer des Decamerone u. desGrund seiner Verdeutschung des Speculum Fiore di virtu, QF. 86, 1900, dazu Baesecke,vitae humanae von Rodericus Zamorensis, Anz. 28, 241-57, Ehrismann, ZfdPh. 35,Hermaea 13, 1914, dazu Achelis, Berl. philol. 106-13, Joachimsohn, DLz. 1901, 1888-90,Wochenschr. 1916, 1372-77.; Burdach, v. Bahder, Lbl. 1902,101-4; Wenzlau, Zwei-Deutsche Abende (s. ob.) S. 44 f.; Stamm- u. Dreigliedrigkeit aaO.; Baesecke, ZfdA.ler, Von der Mystik zum Barock S. 31 47, 191 (Arigo ist Heinrich Schlüsselfelder);-33. 465. Johannes Müller, Quellen- Schröder, Anz. 31,200-2; Günther MüllerSchriften u. Gesch. d. deutschsprachl. Unter- beiWalzel S. 91; Stammler, Von der Mystikrichts bis zur Mitte d. 16. Jh.s, 1882,7 f. 277 f. zum Barock S. 27 f. 464. Goedeke l 2 ,368f.

2 Ausg.: Adelbert v. Keller, Decameron u. Bobertag, Roman 1, 88 ff. 108-13 nehmenvon Heinrich Steinhöwel, Lit. Ver. 51, 1860. noch Steinhöwel als Verf. an. Jul. Hart- Herm. Wunderlich, Steinh. u. das Deca- mann, D. Verhältnis von Hans Sachs zurmeron, eine syntaktische Untersuchung, Habil.- sog. Steinhöwelschen Decameroneübersetzung,schrift Heidelberg 1889 u. Fortsetzung Archiv 1912. H. Kars, Arigo, Hall. Diss. 1932.