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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Heinrich Steinhöwel 663

auch acht haben auf die Zeichen und deshalb gibt er eine Beschreibung dervirgel, puncten", also der Interpunktion (Keller S. 15).

Heinrich Steinhöwel

Einen viel umfassenderen Literaturkreis bearbeitete Heinrich Stein-höwel. 1 Geboren zu Weil der Stadt an der Wurm (Württemberg), promo-vierte dieser vielseitige Schriftsteller im Jahre 1442 als Doctor utriusquemedicinae zu Padua, erlangte aber auch den Grad eines Magister der Septemartes, ließ sich als Arzt in Eßlingen (1443) nieder, wurde 1450 Stadtarzt inUlm und starb daselbst 1482. Die Werke Steinhöwels sind, der Zeitfolge nachgeordnet, folgende:

1. Apollonius von Tyrus, der aus dem Lateinischen übersetzte Apollo-niusroman. 2 Seinen Namen gibt der Verfasser in dem Akrostichon der ge-reimten Vorrede an mit dem Datum 1461, daselbst als Quelle Gotfrid vonViterbo (Pantheon, um 1185); näher aber steht der Text der Gesta Roma-norum. 3 Einige Stellen sind in Verse gebracht; 10 Drucke von 1471 bis 1556.-

2. Um 1460 wurde Die Verdeutschung der Historia Hierosolymitana desRobertus Monachus geschrieben, eine Geschichte des ersten Kreuzzuges,die der Bendiktinermönch Robert in Reims zwischen 1112 und 1118 verfaßte;außer der Steinhöwelschen gibt es noch vier andere Verdeutschungen desWerkes, außerdem eine holländische und eine italienische Übersetzung. 4

3. Etwa in dieselbe Zeit fällt die Übersetzung der durch Petrarca latinisiertenNovelle Griseldis aus Boccaccios Dekameron, die 1473 erneuert wurde. 5

4. Etwa zehn Jahre später bearbeitete Steinhöwel Boccaccios lat. geschrie-benes Buch De claris mulieribus (Von den berühmten Frauen), zu deutsch:Von den sinnrychen erluchten Wyben, zu lob vnd er der HerzoginEleonore von Österreich, gedruckt 1473 (bis 1576 sieben Drucke), wobei er

1 Lit. Strauch, ADB. 35, 728-36; Goedeke E. Klebs, Die Erzählung von Apollonius v.I 2 , 366-70. Adelb. v. Kellers Ausg. des Tyrus, eine geschichtl. Untersuchung üb. ihreDekameron (s. unt.) S. 673 ff.; Rochholz, lat.Urformu.ihrespäternBearbeitungen,1899;Germ. 14, 411 f.; Bobertag, Gesch. d. Ro- Burdach, Vom MA. zur Reform. Bd. 3 Teil 2,mans 1, 81. 88ff. 92. 108. 125. 237; Günther 370 Anm.; Stammler, Von d. Myst. z. BarockMüller bei Walzel S.88; Stammler, V. d. S. 28-32. 464 (Lit.). Goedeke, Grundr. I 2 ,Myst. z. Barock S. 28-32. 464 f. Reg. S. 553; 367 f. Götze, Frühnhd. Lesebuch 2 aaO.Götze, Frühnhd. Lesebuch, 1925, 22-25 (mit S. 22-25.

Lit.). R. Krauss, D.Todesjahr Steinhöwels, 3 Ed. Österley, Gesta Romanorum (s. ob.)

Euphorion 18, 1911, 24-27. Zu der Familie Cap. 153 S. 510-32. 737.

St.s s. auch die Bemerkung Jakob Köbels von 4 Friedr. Kraft, Heinr. St.s. Verdeut-

1531, Goedeke aaO. S. 370. schung der Hist. usw., QF. 96, 1905, dazu

2 Ausg.: Carl Schröder, Griseldis. Apollo- Helm, Lbl. 1907, 271 f., R. Wolkan, Cbl.nius v. Tyrus, Mitteilungen der Deutschen 1906, 395; Piquet, Rev. crit. 64, 476.Gesellsch. zur Erforschg. vaterländischer Spra- 6 Hgb. C. Schröder aaO. R. Köhler,che u. Altertümer in Leipzig 5. Bd., 1872 (2 Ersch u. Grubers Enzyklopädie I. Abt. Bd.Versionen, beide ohne gereimte Vorrede und 91, 413 ff.; Bobertag, Gesch. d. Rom. 1, 40.Verse im Innern). Bartsch, Germanist. 79. 90-92; Scherer, QF. 21, 12. 73 f.; KäteStud. 2, 1875, 305-12; Scherer, ZfdA. 22, Laserstein, Der Griseldisstoff in der Welt-139 f.; Bartsch, Germ. 23, 381-83; Singer, literatur, 1926. Petrarcas Griseldis vonUntersuchungen üb. d. Fortleben d. antiken Boccaccio lateinisch: Germ. 14, 411.Romans in späteren Zeiten, 1895, S. 189-205;