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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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NlCLAS VON Wyle 661

Translatzen. Er wurde zu Bremgarten im Aargau um 1410 geboren. In-wieweit erhumanistische" Bildung genossen hat, ist unbekannt. Später warer Ratschreiber in Nürnberg (1445) und Eßlingen (1449); vorübergehend nachZürich entwichen, war er zum Schluß Kanzler des Grafen Eberhard vonWürttemberg in Stuttgart (1469-78 [1479]) und starb nach 1478. Als weltge-wandter Mann stand er in Beziehungen zu Fürstenhöfen und wurde oft mitdiplomatischen Sendungen beauftragt, aber vermöge seiner umfassendengeistigen Interessen hatte er auch Verbindung mit vielen berühmten Zeit-genossen und Literatur freunden.

Bezeichnend für das lebhafte, rührige Temperament des Mannes ist seinWerk: er schrieb 18 Übersetzungen, die er von 1461 x bis 1478 einzeln gedrucktherausgab und gegen das Ende seines Lebens, 1478, als Translatzen,Translationen, Teutschungen zusammenfaßte. Das ganze Werk widmete erseinem Gönner und Freunde, dem doctor der rechten und württembergischenLandhofmeister Georg von Absberg (Keller S. 7). Die einzelnen Translatzenversah er zum Teil noch mit speziellen Widmungen; die beiden ersten sind No-vellen, die übrigen lehren Lebensweisheit oder behandeln wissenschaftliche,auch politische, Fragen.

1. Äneas Silvius'Euriolus und Lucretia", (1444) übersetzt 1462 und derPfalzgräfin Mechthild gewidmet [in der Heidelbg. Hs. der Katharina, Herzoginvon Österreich, Markgräfin zu Baden] (Keller S. 17-78). Die Novelle erzähltdie Liebschaft von Kaspar Schlick, dem Kanzler des Kaisers Sigismund, miteiner verheirateten Frau in Siena und endet mit der Trennung und dem Tod derGeliebten. 2. Guiscard und Sigismunde; aus dem Dekameron ins Lateinischeübersetzt von Leonardo Aretino und aus diesem von Wyle verdeutscht (inArigos Dekameron viel schlechter übertragen), dem Markgrafen Karl v. Badenzugeeignet (ohne Datum; Keller S. 79-90). Ebenfalls der Bericht einer un-glücklichen Liebe mit tragischem Ausgang: Sigismunda, die Tochter des Für-sten Tancredus von Salern, und Guiscardus, ein Jüngling von niederer Her-kunft, lieben sich und werden von Tancred beim Stelldichein betroffen; dieserschickt seiner Tochter das Herz des Geliebten in einem Becher, und sie ver-giftet sich; es ist dies die Sage vom gegessenen Herzen wie in Konrads vonWürzburg Herzmaere. 3. Rat gegen unordentliche Liebe, Mechthild ge-widmet, 1461; Quelle: Äneas Silvius (Keller S. 91-102). 4. Trostschriftbeim Wandel des Glücks; nach Poggio, ebenfalls Karl v. Baden gewidmet,1461 (Keller S. 103-12). 5. Von richtiger Gastfreundschaft, nach Poggio,dem württembergischen Kanzler Johannes Fünfer gewidmet, 1462 (KellerS. 113-22). 6. Ob einem alten Mann gezieme, ein ehlich Weib zu nehmen,

LG. S. 231; Konr. Falke, Euryolus u. Lu- nen oft in Hss. des 15. Jh.s, 3 alte Drucke

cretia aus d. Lat. des Aen. Sylv. de Piccolo- des Gesamtwerkes (1478. 1510. 1536) s.

mini übertragen, 1907. H. Herzog, ADB. Baechtold S. 54.

35, 144 f., Goedeke l 2 , 361-66; Bobertag, 1 StatschreibersPüechlein bezeichnet sie Püte-

Gesch. d. Rom. 1, 41. 90-94. 110 ff. 237; rich in seinem Ehrenbrief, ZfdA. 6, 49 Str.98

Scherer, QF.21,12. 17-20; Götze, Frühnhd. (s. oben).

Leseb. 2 , 1925, 16-18. Einzelne Translatio-