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schaftlich bewegten Seele, in der die Worte der Erregung hoch aufwogen, dieaber, wenn die Erschütterung sich mäßigt, auch für die Erwägung der Ver-nunft ein ruhigeres Sprachtempo zur Verfügung hat. So ist der Stil 1 einwunderbar lebendiger Ausdruck in der Wortwahl und im Rhythmus desGeistes, der ihn geschaffen. Dieser Stil entspricht dem dramatischen Aufbaudes Dialogs: das Toben und Wüten des durch den Verlust der Frau zur Ver-zweiflung getriebenen Menschen, die eiskalte Vernünftelei des Todes, beideskommt auch im sprachlichen Ausdruck zur Geltung. Charakteristisch fürWortwahl und Syntax ist die Wiederholung gleicher Gedanken durch Syn-onyma und Variationen. Die Pracht und Fülle der Worte, die in solchen ge-häuften Abwechslungen liegt, zeigt besonders das Gebet am Schlüsse (Kap.34),wo Gott in gegen hundert verherrlichenden Varianten angerufen wird. Hiertritt der mittelalterlich dogmatisch gerichtete Mensch wieder hervor. Diezwei Gedanken des Gebetes, die Anrufung Gottes und die Bitte für die Seeleder Frau, haben sehr ungleichen Umfang, alles Schwergewicht liegt auf demersten Teil, und der der ganzen Dichtung zugrunde liegende Abschnitt, dersich mit der verlorenen geliebten Frau beschäftigt, wird nur mit wenigenWorten berührt.
Der Ackermann steht in der deutschen Renaissanceliteratur vereinzelt da,sowohl durch die Großartigkeit seiner Gedanken und die Weite seiner Kennt-nisse als durch die glänzende, überwältigende Formensprache. In dem un-vergleichlichen Werke tritt der Charakter der neuen Richtung hervor: Einevöllige Neuerung (Renaissance) gegenüber der mittelalterlichen Literatur be-deutet der „Humanismus" nicht, beide gehen noch in stärkerem odergeringerem Maße nebeneinander her. So sammelte die Pfalzgräfin undspätere Erzherzogin Mathilde von Österreich Prosaromane (s. oben), zugleichaber widmete ihr Niclas von Wyle einige Übersetzungen, ebenso widmeteSteinhöwel der Eleonore von Schottland, die den Prosaroman von Pontusund Sidonia übersetzte (s.oben), sein Buch De claris mulieribus. 2
Dr. Johann Hartlieb
An der Grenze des Humanismus steht Dr. Johann (Johannes) Hart-lieb, 3 ein studierter Arzt, der viele, meistens lateinische Werke der mittel-alterlichen Literatur übersetzte. Er war zu Neuburg a.d. Donau geboren,studierte auf Veranlassung des Herzogs Ludwig VII. von Bayern in Wien,wurde daselbst Bakkalaureus, dann 1433 Magister und Doktor; 1440 wurde erin München Leibarzt Herzog Albrechts III. und nach dessen Tode Herzog
1 Stil: Burdach, Ausg. S. 165-70; Ders., D. 3 Karl Drescher, Johann Hartlieb, ÜberDichter des Ack. u. seine Zeit, Vom MA. zur sein Leben u. seine schriftstellerische Tätigkeit,Ref. III, 2 S. II ff.; Gesamtregister ebda III, 3 Euphorion 25, 1924, 225-41. 354-70. 569-90.S. 58; Ders., Dt. Abende S. 42 ff.; Ders., Wis- 26,341-64. 481-564 (mit Lit.); Wenzlau,senschaftl. Eindrücke eines alten Germani- Zwei- u. Dreigliedrigkeit aaO.; Günthersten S. 36 f.; Stammlar, Von der Mystik zum Müller in Walzels Handb.; Stammler,Barock S. 20; Günther Müller bei Walzel Von der Mystik zum Barock S. 256 f. 491.S. 54 f. — Oefele, ADB. 10, 670-72; Goedeke,
2 Gervinus 2 5 , 355. Grundr. I 2 , 359-61 (Lit., Drucke).
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