Anfänge. Der Ackermann aus Böhmen 655
lomini (Eneo Silvio de' Piccolomini), der spätere Papst Pius II. 1 Doch auchdeutsche Gelehrte sahen jetzt das Ideal der Bildung in dem Studium des klas-sischen Altertums, so —wie es sich in ihren lateinischen Schriften kundgibt —der Züricher Dr. jur. et theol. Felix Hemmerlin (gest. etwa 1460), der auchein deutsches Buch „Vom Adel" schrieb (dem Erzherzog Albrecht VI. vonÖsterreich zugeeignet), und der Jurist Gregor von Heimburg (gest. 1472). 2Die Gründung der Universitäten hatte zunächst, da sie noch stark von derScholastik beherrscht wurden, nur geringen Einfluß auf das Studium der klas-sischen Literatur und damit auf die Ausbildung des Humanismus. ErstFreiburg (1457), Basel (1460), Tübingen (1477) zeigten humanistische Be-strebungen; Wittenberg (1502) pflegte zuerst klassisch-humanistische Bil-dung. Die „Humanisten" des 15. Jh.s sind in Deutschland überhaupt nichtdie Träger einer neuen Weltanschauung, einer „Renaissance", einer Wieder-erweckung des klassischen Altertums wie in Italien,'und die im folgenden zubesprechenden Dichter haben nur Stoffe von dorther übernommen und viel-leicht eine gewandtere Sprache; erst die Humanisten des 16. Jh.s, Erasmus,Reuchlin, Melanchthon und andere geistige Führer dieser Zeit tragen diesenNamen in seinem vollen Umfang.
Die italienischen Dichter, aus denen die deutsche Literatur in dieser Zeitschöpfte, sind Petrarca, Boccaccio und Poggio. 3
Der Ackermann aus Böhmen
An der Spitze der Renaissanceliteratur in Deutschland steht der Acker-mann aus Böhmen, das Streitgedicht zwischen einem Witwer und demTode, eines der weisheitsvollsten Werke des deutschen Mittelalters.
Lit. Ausg.: Johann Knieschek, Der Ackermann aus Böhmen hgb. u. mit dem tschechischenGegenstück Tkadlecek verglichen, 1877; jetzt maßgebend: Alois Bernt u. Konr. Burdach,Der Ackermann aus Böhmen, Vom Mittelalter zur Reformation 3. Bd. 1. Teil, 1917, 2. Teil 1926,3. Teil Register 1932 (Text [1. Teil] mit ausführlichem Glossar von Bernt und äußerst wertvollenErklärungen von Burdach S. 159-414); A. Bernt, Der Ackermann aus Böhmen, ein Streit- u.Trostgespräch aus dem Jahre 1400, 1925; Ders., Der Ackermann aus Böhmen des Johannes vonSaaz (billige Textausgabe von 1917), 1929, dazu Schröder, Anz. 51, 116-19, Götze, Lbl. 1933Sp. 10, Ranke, DLz. 1930, 1371 f., Teuchert, Teuthonista 7,151. — Übertragungen ins Neu-hochdeutsche: Bernt, 1917; Rud. Frank (in heutiges Deutsch übertragen u. für die Bühne her-gerichtet), 1921; Gust. Guth, 1921; Art. Roessler, 1922; Alw. Müller, 1925; H. Böhm, 1927.— Abhandlungen Burdachs üb. d. Ackermann (s. ob.): Auszug aus Burdachs Werken ob.;Cbl. f. Bibliothekswesen VIII, 4. u. 5. H. S. 152; Über den Ursprung des Humanismus, DeutscheAbende S.41; Piaton. u. freireligiöse Züge im Ackerm.; Die Lehre des piaton. Timaios; BöhmensAnteil an d. Renaissance in Deutschland; Moderner Geschichtssubjektivismus; „Der Dichter desAckerm. u. seine Zeit; Der Ackerm. aus Böhmen" — ein Werk sudetendeutscher Kultur; Berlinsnationaler geistiger Beruf. — Andere Abhandlungen über den Ackermann: Martin, Anz. 3,114; K. Stolze, Der zusammengesetzte Satz im A. a. B., Bonner Diss. 1889; Leitzmann, DieAbfassungszeit des A. v. B., Beitr. 32, 297 f.; Wentzlau, Zwei- u. Dreigliedrigkeit aaO.;
1 Ant. Weiss, Aen. Sylv. Picc. s. ob. 3 Siehe oben Burdach, Aus Petrarcas älte-Stammler, Von der Mystik zum Barock stem dt. Schülerkreise u. ein literar. DenkmalS. 22 f. u. Anm. S.463 (Lit.). aus Petrarcas dt. Schülerkreise; Bobertag,
2 Stammler aaO. S. 21 f. 23 f. u. Anm. S. 423. Gesch. d. Romans 1, 87-94.