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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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646 Lehrhafte Dichtung des 14. und 15. Jahrhunderts

rad von Megenberg die Kenntnis seiner Lebensverhältnisse ergibt sichhauptsächlich als seinem Buch der Natur lebte von 1309 bis 1374, warin der bayerischen Provinz Unterfranken geboren und bezog die UniversitätParis, wo er auch Vorlesungen hielt; nach vorübergehendem Aufenthalt in Wien lebte er dauernd in Regensburg als Kanonikus am Dom. Das Buch derNatur verfaßte er 1349/50 in bayerisch-österreichischer Mundart. Es enthältin acht Kapiteln die Beschreibungen: Von der Natur des Menschen, Von denHimmeln und den 7 Planeten, Von den Tieren (Vierfüßler, Vögel, Meerwunder,Fische, Schlangen, Würmer [wozu auch die Insekten gehören]), Von denBäumen, Kräutern, Edelsteinen, Von demGesmaid" (Metalle, Gold usw.),Von den wunderleichen Brunnen. Voran geht eine gereimte Vorrede in 6 sechs-zeiligen Strophen, den Schluß machen 6 Reimpaare. Die lat. Quelle istLiberde natura rerum" des Thomas Cantipratensis (Th. v. Cantimpre), entstandenzwischen 1233 u. 1248, den Konrad sehr frei und selbständig wiedergab, 1 denner beherrschte das Lateinische vollständig und besaß auch im deutschenAusdruck eine große Sprachgewandtheit. Seiner Aufgabe als Lehrer ist ersich wohl bewußt und sucht auch sittlich zu wirken; besonders wendet er sichgegen mannigfache Auswüchse im Leben der Fürsten und des Klerus. So trittuns in diesen Werken eine Persönlichkeit von hohem Werte entgegen.

Bei weitem weniger Verbreitung fand die bedeutend kürzere DeutscheSphaera, denn es sind von ihr nur 3 Hss. auf uns gekommen. Die Quellehierfür ist die Sphaera mundi des Engländers Sacro-Bosco (eigentlich JohnHolywood), geschrieben um 1250. Die Abfassungszeit der deutschen, ziemlichfreien Übersetzung ist nicht gesichert, sie liegt wohl vor Konrads v. M. Regens-burger Zeit. DieDeutsche Sphaera", bzw. ihre lat. Quelle, ist ein astrologi-scher (astronomischer) Traktat, gelehrter und weniger allgemein verständlichals das Buch der Natur, was wohl auch der Grund für seine geringere Ver-breitung ist. Auch hier stehen Reime am Anfang und Schluß.

Auch lateinische Gedichte und eine Reihe lateinischer wissenschaftlicherProsaschriften hat Konrad von Megenberg verfaßt, u.a. einen poetischenPlanctus ecclesiae", 1337, den ProsatraktatOeconomica" (über den geist-lichen und weltlichen Staatshaushalt; nach 1352) und ein Chronicon magnum(Breve Chronicon episcoporum Ratisbonensium), s. Pfeiffer S. XX ff.

Erdbeschreibungen

Die Mainauer Naturlehre 2 enthält eine Erdbeschreibung; die vier Ele-mente; das Firmament; die Erdbewegung; Geographisches; die 3 Erdteile;

1 Siehe LG. 1, 2,227. Im Jahre 1472 hat versitätsbibl., 1835, S. 50; Ziesemer, Die Lit.der Schulmeister in Waldsee Peter König- des Deutschen Ordens in Preußen, 1928, S. 37;schlaherohne K.s v. Megenb. Buch zu kennen Helm, Zs. f. d. dt. Unterr. 30, 1916, 435; P.das lat. Werk De natura rerum sklavisch genau Dold, Untersuchungen zur Martina Hugos v.übersetzt (Pfeiffer S. XXXII Anm.). ; Langenstein, Straßbg. Diss. 1912; Naumann,

2 Der Name ist von Wackernagel gegeben, Ad. Prosalesebuch, 1916, S. 110-12. Hs. Basel,Hgb. Wackernagel, Lit. Ver. 22, 1851. in weicherauch die Martina u. der Litower vonWackernagel, Die ad. Hss. der Basler Uni- Schondoch (s. ob.).