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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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644 Lehrhafte Dichtung des 14. und 15. Jahrhunderts

Muster, Formeln, für verschiedenartige Beziehungen der Aussteller und Emp-fänger enthielten. Der Text der Urkunden war nach einer bestimmten inhalt-lichen Einteilung geregelt.

In der Urkundenlehre liegt auch der Ursprung der Technik des deutschenBriefes. 1 Das Schema der Briefe ist nach der in den Formelbüchern vor-geschriebenen Gliederung der Urkunden eingerichtet.

Geschäftsbücher

Anschließend an die Formulare für die Abfassung von Briefen seien hierzwei Geschäftsbücher erwähnt: Conrads von Weinsberg, des Reichs-erbkämmerers, Einnahmen- und Ausgabenregister von 1437 und 1438, heraus-gegeben von Joseph Albrecht, Lit.Verz. Bd. 18, 1850. Ott RulandsHandlungsbuch; dieser war Inhaber eines der bedeutendsten Handels-häuser der freien Reichsstadt Ulm im 15. Jahrhundert, und auf diesen Blät-tern sind die Rechnungen der Firma aus den Jahren 1444 bis 1458 (1462) auf-gezeichnet; hgb. von Pfeiffer, Lit.Ver. (I. II.) III, 1843. Endlich kann hiernoch als zum Geschäftsgebiet des Handels gehörig das Gedicht Der Feigen-muntorden (Reimpaare, Hs. von 1422) genannt werden, das von einemdeutschen Kaufmann, der in Venedig lebte und wahrscheinlich aus Ulm oderAugsburg stammte, verfaßt wurde; es ist eine Satire auf den Feigenhandel; hgb.Wilhelm, Münch. Mus. 1, 1911,37-42; Stammler in Stamml. Verfasserlex. 1,610. Friedr. v. Nürnberg, Benediktiner um 1450-60, Übersetzer und Bearbeitereiner lateinischen Rhetorik: Ruth. Westermann, Stammlers Verfasserlex. 1,694 f.

Hier läßt sich auch die deutsche Literatur über Waffen- und Bewaffnungs-wesen einreihen: Das Büchsenbuch von Augustinus Dachsberg von Mün-chen, 1443 (mit Bildern von Kriegswerkzeugen und Befestigungen): EduardA. Geßler, Stammlers Verfasserlex. 1, 397 f. Das deutsche Feuerwerks-buch, Geßler aaO. 1, 612-16.

1 Formelbücher: Die Werke von L. Rockin- dazu Uhl, ZfdPh. 33, 390-93, Ehrismann,ger, bes. Über Formelbücher vom 13. bis 16. GgA. 1910, 231-35; Adolf Butow, Die Ent-Jh., 1855, die andern s. Hist. Jahresber. 1855 Wicklung d. malterl. Briefsteller bis z. Mitteff. Burdach, Schlesisch-böhmische Brief- des 12. Jh.s, Greifsw. Diss. 1908; Paul Krü-muster aus d. Wende des 14. Jh.s, unter Mit- ger, Bedeutg. u. Entwickig. der Salutatio inWirkung v. G. Bebermeyer hgb. 1926, in: d. malterl. Briefstellern bis z. 14. Jh., Greifsw.Vom Mittelalt. z. Reformation Bd. 5; Bur- Diss. 1912; Gottfr. Petzsch, Über Technikdach, Mittelalterl. Poetiken u. Formelbücher, u. Stil der mhd. Pribatbriefe d. 14. u. 15. Jh.s,Vorspiel II, 2, 1925; s. auch Burdach, Böh- Greifsw. Diss. 1913; H. Naumann, Ad. Prosa-mens Kanzlei unter d. Luxemburgern u. d. dt. leseb., 1916, 77-79. Über Liebesbriefe s.Cultur, Centralbl. f. Bibliothekswesen 1891, unt. Lyrik: Ernst Meyer, Die gereimten Lie-145-76. 324-44. 433-88; Paul Joachimsohn, besbriefe d. dt. MA.s, Marbg. Diss. 1898 [s.Aus d. Vorgeschichte desFormulare u. deutsch auch Beitr. 37, 552-55]; Albert Ritter, Alt-Rhetorica", ZfdA. 37, 24-121; Friedrich schwäb. Liebesbriefe, 1898; dazu Martin,Riedrer, Spiegel der waren Rhetoric 1493, DLz. 1898, 232 f., Cbl. 1898, 673, Ernsts. Götze, Frühmhd. Lesebuch, 1925, 36-39; Meyer, Anz. 25, 370-79; Schröder, AnfangKonrad Wutke, Über schles. Formelbücher eines Liebesbriefes aus d. 14. Jh., Anz. 23,des MA.s, Darstellungen u. Quellen z. schles. 205 f. Joh. Müller, Vor- u. frühreforma-Gesch. 26. Bd., 1919. Georg Steinhausen, torische Schulordnungen u. Schulvorträge inDeutsche Privatbriefe des MA.s, Bd. 1, 1898, deutscher u. niederl. Sprache, hgb., l.Abt.dazu Schönbach, DLz. 1899,182, Bd. 2,1907, Schulord. aus d. Jahren 1296-1505, 1885.