ÜBERTRAGUNG DES BESTIAIRE D'AmOUR. RECHTS- UND GESETZBÜCHER. URKUNDEN 643
3. RECHTSPROSA
Mit der Befestigung der Landeshoheit und mit der sich steigernden Mannig-faltigkeit der städtischen Verhältnisse entwickelte sich auch ein immer stär-keres Bedürfnis nach rechtlichen Bestimmungen. Hier können nur die lite-rarisch und kulturgeschichtlich wichtigsten verzeichnet werden.
Rechts- und Gesetzbücher
Auf Grund des Sachsenspiegels entstanden Rechtsbücher für engere Ge-biete, darunter als bedeutendstes der den niederdeutschen Rechtsgangnotierende Richtsteig Landrechts von Joh. v. Buch (Mitte 14. Jahr-hundert) und, etwas später, der ebenfalls niederdeutsche Richtsteig Lehn-rechts. 1
Die ältesten Landfriedensgesetze fallen noch in das 13. Jahrhundert(s. oben); unter den Landrechten (Landesgesetzen) ist später das KönigLudwigs des Bayern von 1346 zu nennen. 2 Unter den Stadtrechten nimmtdas Magdeburger den ersten Rang ein, das für die Städte des Ostens bis zu denStädten des preußischen Ordenslandes, Polens, Böhmens maßgebend wurde.Im Westen und Norden erlangte das lübische Recht (Lübeck) hervorragendeGeltung, im Süden das Stadtrecht von Straßburg 3 (das erste in deutscherSprache, 1270) und das von Augsburg (um 1280). Dazu kommen dann auchSatzungen einzelner Körperschaften. Die ländlichen Rechtsquellen, die Weis-tümer, liegen dem Germanisten nahe durch die große Sammlung JacobGrimms (1840ff.); die ältesten von ihnen fallen noch ins 13. Jahrhundert. 4
Urkunden und Formelbücher
Von ganz besonderer Wichtigkeit für den Gebrauch der deutschenSprache im rechtlichen, öffentlichen und privaten Verkehr wurden die Ur-kunden. 5 Die ältesten Urkunden in deutscher Sprache fallen in die Mitte des13. Jahrhunderts: 1239 (Schweiz), 1240 (König Konrad IV.). 6 Unter Rudolfsvon Habsburg Regierung wurde in Urkunden die deutsche Sprache mehr undmehr üblich. Für die Herstellung der Urkunden, eine Aufgabe der Kanzleien,gab es Anweisungen, sog. Formelbücher, die über die Abfassung belehrten und
1 Die Statuten des Deutschen Ordens s. unt. 5 H. Oesterley, Wegweiser durch d. Lit.Lit. d. dt. Ordens. d. Urkundensammlungen I 1885; s. bes.
2 Pfeiffer, Germ. 12, 71-75. — Über Harry Bresslau, Handbuch d. Urkunden-Johaannes Rothes (s. oben) Rechtssamm- lehre 1889; Urkundenlehre von W. Erben,lungen s. Bech, Germ. 6, 65-80; Jul. Peter- L. Schmitz-Kaixenberg u. Osw. Redlich,sen, Das Rittertum in der Darstellung des Jo- 2 Bde. 1907 f. — Behaghel, Gesch. d. dt.hannes Rothe, 1909, S. 18-22. Sprache 5, 1928, 143 ff. 186 f. 188. — A.
3 Schmoller, Straßburg z. Zeit der Zunft- Weller, D. Sprache in d. ältesten dt. Ur-kämpfe, 1875 (Reformatio d. Stadtordnung künde d. Deutschen Ordens, 1911; Fr. Wil-1405, S. 74-146; Ordnung der Herren, der helm, Ältere Urkunden in dt. Sprache, Münch.Fünfzehn 1433, S. 147-64); Agathe Lasch, Texte H. 4, Abt. A, u. Abt. B; Ders., CorpusAus alten nd. Stadtbüchern, ein mnd. Lese- der ad. Originalurkunden bis z. Jahr 1300,buch 1925, dazu Schröder, Anz.44, 198 f., Lief. 1, 1930.
Frings, Arch. 152 H. 1/2. 6 Siehe L. G. II, 2, 29; Schröder, ZfdA. 67,
4 Naumann, Prosalesebuch S. 101. 234.
41*