Sebastian Brant. Übersetzungen aus Albertanus Brixiensis 641
den Abschluß fast jedes Kapitels macht ein Dreierreim. So kommt auchdarin der flugblattartige Bau zur Geltung. 1
Aus seiner Umwelt, dem städtischen Bürgertum, heraus ist Sebastian Brantzu verstehen. Und weil dessen Lebensbedingungen seine eigenen waren, fander auch so großes Verständnis und so weitgehenden Anklang; 1498 legte dermit Brant befreundete Straßburger Kanzelredner Johann Geiler vonKaisersberg das Narrenschiff einem Zyklus von 146 Predigten zugrunde. 2Insofern ist Sebastian Brant ein volkstümlicher Schriftsteller, aber durchseine Studien und klassischen Kenntnisse gehört er doch der neuen Bildungdes Humanismus an; er wurde von den Humanisten der Zeit hoch geschätztund wirkte in der Literatur des 16. Jahrhunderts nach. 3
Sebastian Brant entwickelte, besonders bis zu seiner Übersiedelung nachStraßburg im Jahre 1501, eine rege literarische Tätigkeit. Er begann mitkleineren lateinischen und deutschen Sachen, schrieb aber auch später nocheine Masse dergleicher, zum Teil als Flugblätter 4 verbreiteter Schriften, sowieGelegenheitsgedichte und Gedichte religiösen, didaktischen, auch politischenInhalts, in welch letzteren er warm für Kaiser und Reich eintrat. 5 Wichtigersind seine Übersetzungen: Cato, Facetus, Moretus, Thesmophagia und dieBearbeitung des Freidank. 6
2. KLEINERE LEHRGEDICHTE
Am Schluß des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts betätigte sich dieverstandesmäßige, phantasiearme, aufs Praktische gerichtete Denkweise derZeit in der Hervorbringung kleinerer Lehrgedichte; eine Aufzählung derselbenbringt Goedeke, Grundr. 1 2 , 393-96.
Über die Ritter- bzw. Fürstenlehren des Johannes Rothe, Johannesv. Indersdorf und Johann v. Morsheim s. Johannes Rothe.
Übersetzungen aus Abertanus Brixiensis
Die lateinischen Abhandlungen des sogenannten Albertanus Brixiensis(etwa 1190-1250) waren im Mittelalter sehr beliebt und in französischen, eng-lischen, deutschen Übersetzungen verbreitet. 7 Als Richter in Brescia schrieber: De Amore Dei et Proximi 1238, De Doctrina Dicendi et Tacendi 1245,Liber Consolationis et Consilii 1246. Es gab drei deutsche Prosaübersetzungenseiner Werke: I. Lere und Underweisung, eine Übertragung der drei genanntenlateinischen Traktate. II. Ain nucze Ler von Reden und Schweigen (= De
1 P.Claus, Rhythmik u. Metrik in Seb. Grundr. I 2 , 383-92; Götze, Frühnhd. LesebBrants Narrensch., 1911. aaO. S. 39-45.
2 Siehe Goedeke, Grundr. I 2 , 396-403; 6 Siehe oben unter diesen lehrhaften Ge-Koberstein, 1°, 416. 444 u. Anm. 15-20; dichten.
Zarncke, Narrensch. S. 250-62. 'Lappenberg, aaO. S. 263 f.; bes. J.
3 Zarncke S. CXVI-CXLII. Knight-Bostock, Albertanus Brixiensis in
4 Hgb. Paul Heitz, 1915. Germany, Oxford 1924.6 Zarncke S. 118-31. 153-204; Goedeke,
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