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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Hans Vintler. Sebastian Brant 639

Putzsucht und Hoffart der Frauen (9416 ff.) und gegen den Aberglauben(7595-8497) .*

Der Dichter, Hans Vintler, gehörte dem berühmten tirolischen Ge-schlechte an, das die freskengeschmückte Burg Runkelstein bei Bozen besaß. 2Er ist von 1407-19mehrfach urkundlich nachgewiesen. Als Verfasser nennt ersich fünfmal, V. 122.5370.5761.10091 und 10103 (hier nur Vintlär) ; vollendetward.das Buch im Jahre 1411 (V. 10164ff.). Im Eingang (V. 122) nennt erauch seine Quelle: er hat das wälsche Buch flores virtutum (Prosa) indeutsche Verse gebracht, d.h. die Fiori di virtü von dem Italiener TomasoLeoni (um 1320), ein in Italien in späteren Jahrhunderten oft gedrucktes Buch.Vintler schließt sich der italienischen Vorlage eng an, hat aber selbst sehr vielEigenes hinzugefügt: auch hau ich darzue gemacht vil manig ler und abenteur(132). Häufig erwähnt er in solchen eingeschobenen Erzählungen den ValeriusMaximus (s.Zingerle, Ausg. S.381), den er in der Übersetzung des Heinrichv. Mügeln benutzt hat. Von V. 7028 an folgt er einem Anhang der Fiori divirtü, der aus Albertano von Brescia gezogen ist; hier wird er viel selb-ständiger und übt stärkere Kritik an den Sitten der Gegenwart. VintlersSprache 3 und Ausdrucksweise ist volkstümlich und prosaisch, so auch derVersbau, in dessen Vierhebungssystem sich die Worte oft kaum pressenlassen.

Sebastian Brant

Die spätmittelhochdeutsche lehrhafte Literatur wird abgeschlossen durch daserfolgreichste Werk dieser Gattung, Sebastian Brants Narrenschiff. 4Sebastian Brant ist 1457 in Straßburg geboren, studierte 1475 in Basel, wurde1484 daselbst juristischer Dozent an der Universität, kehrte 1501 nach Straß-burg zurück, wo er das Amt eines Stadtschreibers erhielt und 1521 starb.Das Narrenschiff gab er 1494 in Basel heraus. Es fand gleich stärksten Beifallund gewann eine seltene Beliebtheit, wurde ins Niederdeutsche übertragenvon Hans van Ghetelen in Lübeck 1497 (s.Nd.Lit.), von Jakob Locher

1 J. Grimm, Dt. Mythologie, 4. Ausg. hgb. Verfasserlex. 1, 276-80. Etwa im Druckv. Elard Hugo Meyer, Berlin 1878, III. Bd. von 1494-1512 (schon 1494 erschien beiS. 420-26. Grüninger in Straßburg Das nüwe schiff von

2 Siehe oben Pleiers Garel. Narragonie, eine Überarbeitung mit vielen

3 Mundart: Zwierzina, ZfdA. 44 Reg. S.355; Einschaltungen); Zarncke S.LXXIX-CXVI,Schirokauer, Beitr. 47, 109 u. Reg. S. 125. s. auch Zarncke, Serapeum 29, 1868 u. SA.,

4 Ausg.: Strobel, 1839; die maßgebende zweite Mitteilung, SA. 1871; Fr. Bruns, Le-Ausg.: Friedr. Zarncke 1854; Goedeke bensnachrichten über Lübecker Drucker des1872; Das Narrenschiff, Faksimile der Erst- 15. Jh.s, Nord, tidschr. f. bokväsa 1915, 220ff.ausg. von 1494 mit einem Nachwort v. Franz Nd.: Schip van Narragonien, hgb. v. C.Schultz, 1913. Nhd. Übertragung: Simrock, Schröder, 1892, dazu H.Brandes, Anz. 22,1872, Lit. bei Goedeke, Grundr. I 2 , 381 64-67; Herm. Brandes, Dat Narrenschyp von-92; Zarncke pass.; Wackernagel, LG. Hans von Ghetelen, hgb. 1914. E.I 2 , 378-80 u. Reg. S. 477; Koberstein l 8 , Björkman, Bemerkungen zu d. nd. Bearbei-415 f. u. Reg. 454; Baechtold, Gesch. der dt. tungen des Narrenschiffs, Uppsala 1902; Wilh.Lit. in der Schweiz S. 243 u. Reg.; Janssen, Fraenger, Altdeutsches Bilderbuch, HansGesch. d. dt. Volkes I, 19.20. Aufl. S. 318-21; Weiditz u. Seb. Brant, 1930. Hans Hen-Stammler, Von der Mystik zum Barock, 1927, rich Eberth, Die Sprichwörter in S. Brants194-97.484 f.; Ruth Westermann, Stammlers Narrenb., 1933.