Das Goldene Spiel. Meister Reuaus. Des Teufels Netz 637
flußt, viele Verse und Motive hat er direkt daraus entliehen oder variiert. DieDarstellung innerhalb des engen Rahmens (668 V.) wirkt lebendig, auchzuweilen derb; von Hugos Gelehrsamkeit keine Spur.
Des Teufels Netz
Ebenfalls dem Teufel und seinen Verführungskünsten ist die viel um-fangreichere allegorische Satire Des Teufels Netz 1 gewidmet, derenHauptaufgabe es ebenfalls ist, die Laster aller Stände hervorzuziehen.Dies Thema wird durch ein Gespräch zwischen einem Einsiedler unddem Teufel, der zu ihm in die Zelle kommt, zur Darstellung gebracht.Dieses Erlebnis und Gespräch will der Einsiedler der Welt zur Warnungkund tun (V. 13. 78). Er will damit die Wahrheit darüber sagen, wie der tüfeldie weit verlait (verleitet) und wie er hat gemacht ein garn, durch das nur einrecht Gott minnender Mensch fröhlich gehen kann (Vorrede, V. 1-78).Der Inhalt des Gedichtes, die Bloßstellung der Laster eines jeden Berufes,hat also den Zweck, vor diesen zu warnen und dadurch zu bessern, undmanchmal wird der Teufel selbst zum Moralprediger. Gegründet ist dieganze 13657 Verse zählende Schilderung dieses Sündenknäuels auf denchristlichen Dualismus vom Reiche Gottes und vom Reich des Teufels, woder Teufel der Gewalt Gottes untergeordnet ist. Als Frager im Gespräch trittder Einsiedler, der Gottesmann, auf, der dem Teufel beim allmächtigen Gottegebietet, Rede zu stehen; der Teufel gibt die Antwort, er führt hauptsächlichdas Wort und schildert die Lasterhaften, die in sein Garn, sein „Netz" gehen,in dem er alle Welt einfängt (V. 239). Da der Teufel, der die lüt uf Untugendweist (206), die Hauptrolle spielt, so ist die ganze Haltung des Gedichtesmenschengehässig und weltverachtend.
Die Allegorie 2 vom Menschenfang mit dem Netz tritt nur im Anfang in dieHandlung ein: sieben Knechte des Teufels ziehen das Netz, das sind die siebenHauptsünden, deren Eigenart der Teufel der Reihe nach auseinandersetzt(V. 267—975). Dann aber, im Verlauf des Gedichtes, wird der Netzfang nurnoch formelhaft angebracht, gleichsam um an das allegorische Bild zu er-innern. Nach den Hauptsünden kommt der Teufel auf die zehn Gebote undberichtet, wie er groß und klein lehrt, sie zu brechen (1360—2831). Dengrößten Teil aber nimmt die Schilderung der Lasterhaftigkeit der verschiede-nen Stände ein (Nachahmung von Ammenhausen bzw. Cessolis), der Reihenach werden der Papst und alle einzelnen geistlichen Ämter, der Kaiser undder hohe und niedere Adel, der Bürger, bis herunter zum „Gewandfärber",und der Bauer vorgenommen. Dichterisch ist das Gerede wertlos — es fehlt
1 Ausg.: K. A. Barack, Lit. Ver. Bd. 70, Schweiz S.49; Walth. Rehm, ZfdPh. 52,
1863. — Abhandl.: Pfeiffer, Germ.3,21-23; 304 u. ö. Werner S. 5 ff.; Günth. Müller in
Heinr. Werner, Des T.s Netz, Überliefe- Walzels Handbuch H. 2, 58 ff.
rung u. Handschriftenverhältnis, Diss. Halle Die Hs. C. hat eine Überschrift: Dicz puoch
1911; Banz u. d. minnende Seele (s. unt.Mystik haissetdesTüfelssegi, alemann. segi,gemeinmhd.
S. 34 f.). — Strauch, Anz. 34, 257f.— 4Hss., sege segene (aus lat. sagena) großes Zugnetz.
Barack S. 437-40; Baechtold, LG. S. 181 u. 2 Inhalt des Gedichtes: Barack S. 440-45.Anm. S. 46; Singer, LitGesch. der dt.