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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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634 Lehrhafte Dichtung des 14. und 15. Jahrhunderts

Eine einfachere Persönlichkeit als Heinrich von Beringen, sowohl demStande als dem dichterischen Vermögen nach, war Konrad von Ammen-hausen 1 (Kanton Thurgau), Mönch und Leutpriester (Landpfarrer) in Steinam Rhein (Kanton Schaff hausen). 2 Er folgt genau seiner lateinischen Vor-lage, hat sie aber bedeutend erweitert 3 (19336 V.) durch Zusätze und Ein-Schübe aus kirchlichen und klassisch-lateinischen Autoren und besondersdurch Erzählungen aus dem Altertum. Er wird im Verlauf seiner Arbeit,die er 1337 beendigte, immer redseliger, so daß manchmal das wucherndeGewirr seiner Darstellung den Zusammenhang nicht mehr erkennen läßt.Da er auch aus eigener Erfahrung und Beobachtung schöpft, ist sein Buchzugleich eine bedeutungsvolle Quelle für die Kulturgeschichte seiner Zeitund Heimat. Als Dichtwerk freilich ist es nicht hoch einzuschätzen, er hatkein Erzählertalent und keinen Sinn für Form; er wird geschwätzig, seineSprache 4 ist schwerfällig, seine Verse sind holperig. Aber, wohl besonderswegen der vielen eingestreuten Geschichten, gefiel seine Art dem gesunke-nen Geschmack der letzten Jahrhunderte des Mittelalters; das beweisen dievielen Handschriften (es war das verbreitetste der mhd. Schachbücher),auch die Benützung in späteren Schriften, so in Ingolds Goldenem Spiel,in des Teufels Netz, in Johanns v. Morßheim Spiegel des Regiments. 5 Der Ver-fasser zeigt sich in seiner Sittenpredigt als wohlmeinender Mann er hat etwasGemütliches und spricht auch dadurch den Leser an.

In der umständlichen Vorrede (680 V.), die er mit einer Anrufung Gottesbeginnt, spricht er von seiner lateinischen Quelle und nennt deren Verfasser(V. 210); ebenso im Prolog V. 681. Wie Jacobus de Cessolis teilt er sein Buchin vier Abschnitte (V. 728 ff.), die wieder in einzelne Kapitel zerfallen: I. VomUrsprung des Schachspiels V. 799-1958; IL Die edeln Schachfiguren V. 1959-9706; III. Die gemeinen Schachfiguren V. 9709-18086; IV. Vom Gange desSchachspiels V. 18087-18996. Dann folgt als Schluß (V. 18997-19336) eineDanksagung an Gott, die Angabe der Abfassungszeit (im Jahr 1337, V. 19213f.)und die Nennung seines Namens in einem Akrostichon (19233-19336).

iAusg.: Ferd. Vetter, D. Schachzabelbuch deutsch S. 128 ff.; Stammler, ZfdPh. 53, 19.

Kunrats von Ammenhausen, nebst den Schach- Stellen: Jellinek u. Kraus, ZföG. 44

büchern des Jakob v. Cessolis u. des Jakob (1893), 699; Strauch, Jansen Enikels Welt-

Mennel, Frauenfeld 1892, dazu Kraus, ZföG. chronik S. 343 Anm. 2. Über 20 Hss.:

43, 1093, DLz. 1892 Nr. 39 (früher veröffent- Vetter, Ausg. S. LI f. u. Beibl.; Priebsch,

lichte Stücke ausAmmenh.: Vetter, Progr. Dt. Hss. in England II, 316; P. P. Albert,

Aaraul876. Neue Mitteil, aus K.sv.A. Schach- Eine bisher unbekannt gebliebene Hs. K.s

zabelb. 1876), Vetter, Kürschners Dt. Nat.- v. A., Alemannia 31, 174 ff.

Litt. Bd. 42; Lit.: Vetter, Ausg. S. XLV 2 Geschlecht und Person, Bildung und Wis-

Anm. (bis 1892); Baechtold, LG. Anm. S.46). sen: Vetter, Ausg. S. II-XXIII.

Abhandl.: Vetter, Einleitg. zu seinerAusg.; 3Die Vorlage des K. v. A. war wohl bereits

Ders., Germ. 27, 220 f. (Urkunde); Schröder, ein glossierter Text des Jacobus de Cessolis",

D. goldene Spiel von Meister Ingold (s. unt.) Singer, Prager dt. Stud. 8, 313 f.

S. XXII ff.; Ferd. Holzner, Prgr. Pilsen 4 Er schreibt ostschweizerische Mundart,

1895. A. van der Linde, Gesch. d. Schach- Vetter, Ausg. S. LII-LXXIV; Singer,

spiels aaO. I. Beil.; Baechtold S. 177-181 u. Schweizerdeutsch aaO. Verse: Vetter

Anm. S. 46; Singer, D. mittelalterl. Lit. S. XVII.

in d. dt. Schweiz S. 24. 185. Ders., Schweizer- 5 Vetter, Ausg. S. XXII f.