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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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622 Mystik des 14. und 15. Jahrhunderts

liebreichen Namen Jesus auf sein Herz zeichnet. V. Von dem Vorspiel gött-lichen Trostes, mit dem Gott anfangende Menschen lockt. VI. Von etlichenVisionen. Weitere Kap.: XV. Von Kasteiung des Leibes; XVI. Von demscharfen Kreuz, das er auf seinem Rücken trug; XVII. Von seinem Lager;XVIII. Wie er sich des Trankes enthielt. Von diesen vier asketischen Kapitelnschildern besonders die zwei ersten die Martern, die er sich selbst auferlegte,in krassestem Realismus. Mit Kap. XIX, Wie er in die vernünftige Schule derKunst rechter Gelassenheit gewiesen wird, wird er gleichsam vom Knappenzum Ritter, er tritt aus den Jünglings- in die Mannesjahre. Es folgen dieKapitel des Leidens: innere Leiden (XXI), äußere Leiden durch Verleum-dungen, Verfehlungen seiner Schwester, Lebensgefahr (XXVI); Von demMörder; hier wird äußerst drastisch erzählt, wie ihm in einem Wald am Rheinein Mörder begegnete, wie ihm der kalte Todesschweiß über Antlitz und Busenherabrann, der Mörder ihn aber verschonte, weil ihm viel Gutes von ihm ge-sagt sei. Aus Kap. XXXIII-LIII besteht der zweite Teil: II. Teil. Hier fängtder andere Teil dieses ersten Buches an. Kap. XXXIII,Von des Dienersgeistlicher Tochter", beginnt:Es lebte in denselben Zeiten des Dieners ...eine geistliche Tochter des Predigerordens in einem geschlossenen Kloster zuTösz, die hieß Elsbeth Staglin und hatte einen sehr heiligen Wandel von außenund ein engelisches Gemüt von innen. Die selige Tochter machte die Bekannt-schaft des Dieners der ewigen Weisheit ... sie entlockte ihm heimlich dieWeise seines Durchbruchs zu Gott und schrieb es auf, wie es hiervor und hier-nach geschrieben steht." Seuse lehrt sie zunächst den Anfang eines heiligenLebens, XXXIV Von dem ersten Beginn eines anfangenden Menschen. VonKap. XXXVIIXL an folgen, wie im ersten Teil des Lebens, Tröstungen inLeiden durch Erzählung fremder und eigener Erlebnisse; von Kap. XLI biszum Schluß geistliche Belehrungen.

Von größter Bedeutung ist die mystische Literatur auch für die Sprache. 1Die Mystik hat eine neue Religiosität gelehrt, sie hat auch den sprachlichenAusdruck dafür gefunden. Eckhart, Tauler, Seuse haben eine neue deutsche

1 Sprache und Stil: Behaghel, Gesch. d. dt. weit, Dt. Vjschr. 6, 1928, 671-701; Rud.

Sprache 5 , 1928, 42^14 (mit Lit.); Ewald A. Fahrner, Wortsinn u. Wortschöpfg. bei Meist.

Boucke in Hofstaetter-Panzer, Grundzüge Eckeh. 1929, dazu Paul Hagen, Anz. 48, 172

der Deutschkunde I, 1925, 106 f. Briefstil -75, Witte, Lbl. 1931, 89-91; Karl Bret-

der Mystiker: Ernst Meyer, Die gereimten hauer, Die Sprache Meister Eckharts im Buch

Liebesbriefe des dt. MA.s, Marbg. Diss. 1898, der göttlichen Tröstung, Gott. Diss. 1931,

38 ff.; Otto Zirker, Die Bereicherung des dazu Strauch, Anz. 51, 71 f. Antoinette

deutschen Wortschatzes durch die spätmittel- Vogt-Terhorst, Der bildliche Ausdruck in

alterl. Mystik, 1923. E. Kramm, Meister den Predigten Johann Taulers, 1920 (darin

Eckeharts Terminologie in ihren Grundzügen Bibliographie für mystischen Stil S. 1), dazu

dargestellt, ZfdPh. 16, 1-47; Em. Pantl, Die Fr. Neumann, Anz. 42, 18-21; E. Brunner,

von Bock aufgestellten Regeln über den Ge- Die Mystik u. das Wort, 1924; Adolf Korn,

brauch des Konjunktivs im Mhd. untersucht Das rhetorische Element in den Predigten

an d. Schriften des Meisters Eckhart, Progr. Taulers, Münst. Diss. 1927, dazu Ehrismann,

Wien 1899 u. Freistadt 1902, dazu Mourek, DLz. 1928, 2104 f.; Kurt Kirmsze, Die Ter-

Anz. 30, 174-78; R. Rattke, Die Abstrakt- minologie des Mystikers Johannes Tauler,

bildungen auf -heit bei M. Eckh., Jen. Diss. Leipz. Diss. 1930; A. C. Corin, Über Bedeu-

1907; Jos. Quint, Die Sprache Meist. Eck- tung u. Abstammung zweier sinnverwandter

harts als Ausdruck seiner mystischen Geistes- Wörter in Taulerschen Hss., Leuw. Bijdr. 15,