Druckschrift 
Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
Entstehung
Seite
617
Einzelbild herunterladen
 

Johannes Tauler 617

Lbl. 1929, 93; A. L. Corin, Textkritische Vorschläge zur Vetterschen Ausg. der Predigten T.s,Neophilol. 8, 30-39 (s. auch Bd. 6); Ders., Sermons de Tauler et autres ecrits mystiques I, LeCodex Vindob. 2744 edite usw., Bibliotheque de la Faculte de Philosophie et Lettres de l'Univers.de Liege 33, 1924, dazu Strauch, ZfdPh. 50,462-66, Absil, Museum 23, 63-65, J.van Dam,Leuv. Bijdr. 18,80-83; J.Zahn, Taulers Mystik in ihrer Stellung zur Kirche, in: Ehrengabedeutscher Wissensch., dargeboten von kathol. Gelehrten, dem Prinzen Joh. Georg zu Sachsenzum 50. Geburtstag gewidm., 1920; A. Chiquot, Histoire ou legende? Jean Tauler et leMeistersbuoch", Diss. Straßbourg-Paris 1922; Günther Müller, Scholastikerzitate bei T., Dt. Vjschr.1,1923, 400-18; Hugueny, La doctrine mystique de Tauler, Revue des Sciences Philosophiqueset Theologiques 1924; Paul Waag, Die Mystik Taulers, Erlang. Diss. 1925, Masch.dr.; Th.Absil, Die Gaben des heil. Geistes in d. Mystik des Joh. Tauler, Zs. f. Aszese u. Mystik 2,1926/27,254-64; Rehm, Todesgedanke aaO. Reg. S. 479; D. de Man, Een onbekende middelnederland-sche vertaling van Joh. Taulers preeken, Nederl. Arch. f. K.Gesch. 1,1929,35-42; Käte Grune-wald, Stud. zu Joh. Taulers Frömmigkeit, 1930, dazu Ehrismann, DLz. 1931, 2083-85; Gün-ther Müller, Aufriß 2 , 1931, 53. Über Taulers Kirchenlied: Phil. Wackernagel, Kirchen-lied 2,202 ff.; Koberstein l 6 ,371.Verzeichnis der Literatur über Tauler: Preger, ADB. 37,453-65; Korn aaO. S.V-VIII; Grunewald aaO. S. VI-VIII; Jos. Quint, Merker-StammlerReallex. 4. Bd. (Nachträge) S. 88.

Bei Johannes Tauler tritt die Mystik wieder in anderer Gestalt auf.Auch er war beseelt von der mächtigen Bewegung, die den ganzen innerenMenschen ergriff, aber das mystische Feuer lohte in ihm erwärmend, nichtverzehrend. Er ist nicht ein egozentrisch abgesonderter Mensch, er ist nichtin der Mystik aufgegangen, er wirkte praktisch fürs Leben als Prediger undSeelsorger. Von der Verinnerlichung aus, die ihm die Mystik verlieh, konnteer um so wärmer auf seine Hörer, seine Gemeinde, wirken und brachte sieihnen näher für ihre tätige Lebensaufgabe.

Geboren um 1300 in Straßburg, trat er in jungen Jahren daselbst in denDominikanerorden, machte die vorgeschriebenen Studien durch, wobei erwohl auch die Lehre Eckharts , der damals in Straßburg predigte, genoß. Dievollendete Ausbildung erhielt er in den zwanziger Jahren auf der hohenSchule seines Ordens, dem Studium generale in Köln. Nach den Lehrjahrenwirkte er als Predigermönch, zunächst bis etwa 1346 in Basel, dann, mitkürzerer Unterbrechung durch einen Aufenthalt in Köln, dauernd in Straß-burg, wo er 1371 starb. Er stand in enger Beziehung zu der Gemeinschaftder Gottesfreunde. Etwa 80 Predigten sind von ihm erhalten.

Die Grundlehren der Eckhartschen Mystik hat Tauler, wenn auch manchmalmit kleinen Änderungen, übernommen: die stille Wüste der Gottheit, denSeelengrund, das Fünklein, die Überformung. Aber er betreibt die Spekulationnicht als Selbstzweck, sondern er flicht sie ein in seine der praktischen Er-bauung und Erhebung gewidmeten Predigten. So gehen hier zwei Gottes-erlebnisse ineinander, die Mystik und die einfache Gläubigkeit. 1 Auf dieserberuht die Grundlinie seiner Lehre, das ist der Weg von der natürlichenGeschöpflichkeit zu Gott in der inneren Erneuerung des Menschen; derWeg beginnt mit der Willenshingabe und Erniedrigung, führt zur Sünden-reue und Leidenswilligkeit und erreicht sein Ziel in der persönlichen Gemein-

1 Grunewald aaO., bes. S. 50.