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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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616 Mystik des 14. und 15. Jahrhunderts

nunft, führt die Dinge in Gott zurück, sie ist das Mittel zur Vereinigung mitGott, dem Absoluten. Alle Kreatur geht wieder in ihren Ursprung zurück,und das letzte Ziel ist die Ruhe in Gott. Die oberste Seelenkraft ist die Ver-nunft, und ihre höchste Tätigkeit ist das Erkennen Gottes. Die Vereinigungder Seele mit Gott kann nur im Zustand derAbgeschiedenheit" geschehen,in dem Aufgeben des eigenen Selbst; der Menschmuß sich selber tot sein",wenn Gott in ihn eingeht, wenn Gott seinen Sohn in ihm gebiert; er mußganz arm sein und ein Nichts werden. Die äußerste Abgeschiedenheit, derletzte heimliche Seelengrund, der stille, der schweigende Grund, die stilleWüste ist dasFünklein", der innerste Gotteskeim. Aber nicht einen völligenQuietismus will Eckhart mit diesem Aufgeben des Selbst, im Gegenteil erverlangt dabei einen tätigen Eingriff ins Leben, wenn die Nächstenliebe esfordert; die vita activa steht im Zweifelsfall höher als die vita contemplativa. Es geht schon aus dieser kurzen Zusammenfassung hervor, daß EckhartsVeranlagung weniger nach der Seite der Seelenstimmung als nach der desGedankens gerichtet ist.

Johannes Tauler

Ausg.: Ferd. Vetter, Die Predigten Taulers, Dt.Texte d. MA.s Bd. 11,1910, dazu Strauch,DLz. 1918, 183-85, Behaghel, Lbl. 1914, 280, Rieder, Anz. 26, 255-58, W. Schleussner,Der Katholik 4. Folge Bd. 11, 1, 1913, 195 ff., Frantzen, Museum 21,137-41, Piquet, Revuecritique 72, 59 f.; Wackernagel, Ad. Predigten u. Gebete, 1876, 544-52 (Lesarten u. eine Pre-digt); Priebsch, ZfdPh. 36, 58 ff. (verschiedene Predigten Taulers); Leop. Naumann, Ausge-wählte Predigten Joh. Taulers, Lietzmanns Kleine Texte f. Vorlesungen H. 127, 1914, dazu G.Krüger, DLz. 1917, 107f.; Hugueny, Thery et Corin, Sermons et autres ecrits mystiquesde J. Tauler ed. T. I, Paris 1928, s. unten Corin, Le Codex Vindob.

Übersetzung: W. Lehmann, 2 Bde, 2. Aufl. 1923; L. Naumann, 1923, dazu Behaghel, Lbl.1925, 87 f.Hss.: Fröhner, Hs. von Tauler, ZfdA. ll,30f.; Tauler-Hss.s. Priebsch, ZfdPh.36,58 ff.; L. Naumann, Die Wiener Taulerhss. usw., ebda 46,269-85; Günther Müller, Zur Über-lieferung Taulers u. Eckharts; ZfdA. 61,241-44. W. Preger, Gesch. d. deutschen Mystik imMA. III. Teil, 1893, 1-241; R. Cruel, Gesch. d. dt. Predigt, 1879, 385-94; Anton Linsen-mayer, Gesch. d. Predigt in Deutschland, 1886, 411-32; Gottlob Seidel, Die Mystik Taulers,1911; Herm. Schwarz, Der Gottesglaube in der Geschichte der Philosophie, 1913, 415-24;Erich Seeberg, Luthers Theologie I. Bd., Die Gottesanschauung, 1929; 0. Scheel, TaulersMystik u. Luthers reformatorische Entdeckung, Festgabe Kaftan 1921. Paul Mehlhorn,Taulers Leben, Jahrbücher f. protest. Theologie 1883, 159-90; Preger, Joh. Tauler, Realency-clop. f.protest.Theol.15, 1885, 251-82; von Loe, Joh. Tauler, Wetzer u. Weite Kirchenlex. 2 11,1899,276-80. B. Bähring, Joh. Tauler u. die Gottesfreunde, o. J. (1871); Strauch, J. Tauleru. der Gottesfreund, Die Lit. 39,1929, H. 1. C. Schmidt, Nicolaus von Basel, Bericht überdie Bekehrung Taulers hgb., 1875; J. Nobbe, Tauler von Straßburg als Volksprediger, Zs. f.luth. Theol. 1876, 637-63; Denifle, Das Buch von geistlicher Armut hgb. 1877; H. S. Denifle,Taulers Bekehrung, QF. 36, 1879, dazu Strauch, Anz. 6,203-15. 300, Lasson, Lbl. 1880,362-64; Preger, Die Zeit einiger Predigten Taulers, Münch. SB. 1887,317-61; Wackernagel,Ad. Pred. u. Gebete, 1876, 544, 548-52; Leop. Naumann, Unters, zu J. Taulers dt. Pre-digten, Rost. Diss. 1911; Antoinette Vogt-Terhorst, D. bildl. Ausdruck in den PredigtenTaulers, 1920, dazu Fr. Neumann, Anz. 42, 18-21; Strauch, Zu Taulers Predigten,Beitr.44, 1-26; Ders., ZfdPh.41, 29-31; D. Helander, T. als Prediger, Diss. Lund 1923;Adolf Korn, Tauler als Redner, 1928, dazu Ehrismann, DLz. 1928, 2104 f., Götze,