Lehren in Prozessform 605
setzung aus den lateinischen „Collationes patrum" heraus; 1472 und öftergedruckt. — Endlich sei hier noch angefügt die Verdeutschung von des Tho-mas aKempis (Thomas von Kempen) De imitatione Christi, Ein wäre nach-volgung Cristi, 1486 gedruckt. 1
Lehren In Prozeßform
Auf juristische Weise abgefaßt sind die Satansprozesse, ein Thema,das lateinisch mehrfach behandelt wurde und im Deutschen durch den Pro-zeß Belial 2 vertreten ist. Der lateinische „Processus Belial", im Jahre 1382von Jacobus de Terramo, Bischof von Spoleto, verfaßt, wurde wohl im Anfangdes 15. Jahrhunderts ins Deutsche übersetzt und war in zahlreichen Hss. u.Drucken verbreitet. Belial, der Bevollmächtigte Lucifers und der Hölle, klagtwegen Beraubung gegen Christus, der durch Moses vertreten wird; Salomoist an Gottes Statt Richter. Der Prozeß ist auf das kanonische Recht ge-gründet und ein Muster für dessen Handhabung, demgemäß werden hierauch Glaubenslehren gegeben. Im Anschluß daran dichtete Otto der Raspe(wahrsch. Domherr in Brixen, 14. Jahrhundert) eine Anklage des Teufelsgegen unsern Herrn.
Ein Rechtsstreit unmittelbar zwischen dem Teufel und Christus betreffendden Sündenfall und die Erlösung ist Inhalt eines kurzen Prosagesprächs „WjeChristus und der Teufel mit einander rechten." 3
Die Glaubenslehre kommt auch zur Behandlung in dem Briefdes RabbiSamuel von Freinher oder Fremhart, Pfarrer zu Straßgang 4 in Steiermark(15. Jahrhundert), der das Buch aus dem Lateinischen übersetzte (Wilken,Geschichte der ... Heidelbergischen Büchersammlungen, 1817, 306; Bartsch,Katal. d. Hss. der Univ.-Bibl. in Heidelberg I Nr. 4 [Cod. pal. germ. 5] Bl. 1,Nr. 36 [Cod. pal. germ. 60] Sp. 102; Steffenhagen, ZfdA. 13, 530.) AndereGegenschriften wider die Juden: Wackernagel LG. I 2 , 423 Anm. 14.
1 Hgb. Paul Hagen, Zwei Urschriften der Satansprozesse u. d. Prozeß Belials gegen„Immitatio Christi" in mnd. Übersetzungen, Christus, Vom MA. z. Ref. III, 2 S. 460-511;Dt. Texte d. MA.s Bd. 34, 1930, dazu Agathe Ders., Die Schlußszene in Goethes Faust,Lasch, DLz. 1932, 67-72; Behaghel, Lbl. Preuß. Akad. 1931, 588 ff.; Priebsch, Dt.1931, 23 f.; E. Fromm, Vier Bücher von der Hss. in England II S. 143; Fr. W. Stroth-Nachfolge Christi, neu übersetzt, 1889. — mann, D. Gerichtsverhandlung als literar.Strauch, Rigaer Hss.fragmente, Festgabe Motiv, 1930, 32-41. 58-60. — Wackernagel,für Degering 1926, 238-43; P. Hagen, Das LG. I 2 , 423; v. Schwerin, Stammlers Ver-Buch von der Nachfolge Christi und Thomas fasserlex. 1, 190f.; Stammler, Von der My-a Kempis, ZfdA. 59,23-35 (wo auch lat. Aus- stik zum Barock S. 251. 492 (Lit.; Hans-gaben zitiert sind). — Geistliche Erbauungs- Friedr. Rosenfeld, Heinrich v. Burgus, Dt.Schriften hat verfaßt Frater Stephan Frido-. Texte des MA.s 37, 1932).
lin: Adam Wrede, Stammlers Verfasserlex. 1, 3 Hoffmann, Ad. Blätter 1, 297-300. Vgl.
679-81. Erich Klibanski, Gerichtsscene und Prozeß-
2 Wackernagel, Die ad. Hss. d. Basler Uni- form in erzählenden deutschen Dichtungenversitätsbibl., 1855, 62 f.; Schönbach, Mis- des 12.-14. Jhs., 1925 (betrifft eine Anzahlcellen aus Grazer Hss., Mitteil. d. hist. Ver. geistlicher u. weltlicher Dichtungen); s. auchf. Steiermark 46, 1898; Heinzel, ZfdA. 17,45; Elisabeth Schenkheld, Die Religionsge-Knieschek, D. Ackermann aus Böhmen spräche der dt. erzählenden Dichtg. bis z.S.84f.; Burdach, Faust u. Moses, SB. d. Ausg. d. 13. Jhs., Marbg. Diss. 1930.
Preuß. Akad. 1912 S. 789; Burdachs, Aka- 4 Stammler in Stammlers Verfasserlex. 1,demiewerk III, 2. 2, 504 f.; Burdach, Die 671-731 mit reicher Lit.