602 Geistliche Literatur
Zählungen und Legenden sind. Titel: Der seelen trost mit manigen hübschenExempeln durch die Zehen gebot und ander guten lere. Mittel fränkisch, Gegendvon Köln, oder westfälisch?, 14. Jahrhundert, Prosa.
Unter den Erzählungen des Seelentrostes ist hervorzuheben die Geschichtevon Amicus und Amelius, die Freundschaftssage. 1
Der Seele Rat ist eine allegorische Darstellung des Bußsakraments, inder als Frauen personifiziert Reue, Beichte, Buße (bzw. in der ReihenfolgeBeichte, Buße, Reue) auftreten. Das Gedicht beginnt mit den Hauptsünden,die der Seele vorgehalten werden (V. 555). Zum Schluß folgt eine Gerichts-szene: die Seele wird vor das (jüngste) Gericht Jesu Christi gestellt, wo derTeufel Klage gegen sie erhebt (V. 5325). Das Gedicht (der Eingang fehlt) hatin der einzigen Hs. (Brixen) 6548 Verse. Der Dichter nennt sich am Schluß(6541^18) prueder Hainreich von Purgews, d. i. Heinrich von Burgus, undsein Gedicht der seien rat. Er stammt aus dem heutigen Burgeis im Vintschgau(urkundlich bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts Burgus, Burgusium genannt)und war Franziskanerbruder. Verfaßt wurde das Gedicht am Anfang des14. Jahrhunderts, zwischen 1301 und 1320. 2
Die Pilgerschaft des träumenden Mönchs 3
Inhalt nach der Kölner Handschrift (ed.Mejboom): Ein Mönch träumt, ersei auf der Pilgerfahrt nach dem himmlischen Jerusalem. Gottes Gnade be-gleitet ihn. Sie gibt ihm einen Harnisch als Rüstung, in ihm sind die Tugendenverkörpert; die Vernunft belehrt ihn. Auf seiner Wanderung begegnet er einerAnzahl von Weibern, die ihm den Weg verstellen und mit denen er zukämpfen hat, sie stellen die Laster vor. Zum Schluß kommt er in ein Kloster,dann nahen ihm Krankheit, Alter, Tod. Dann erwacht er aus dem Traum. —Das Werk ist also eine in den Rahmen eines Traumes gefaßte Allegorie; dieTugenden und Laster und die Gnade werden als Personen redend und han-delnd vorgeführt. Das Ganze aber stellt eine Pilgerfahrt durch das Leben
fer, Frommans Deutsche Mundarten 1, 1854, MA.s XXXVII, 1932, dazu Behaghel, Lbl.
170 ff. 2, 1 ff. 289 ff. (Veröffentlichung einer 1934, 17 f. — Hensghel, Anz. 52, 178-80;
Anzahl von Erzählungen); Wackernagel, Rosenhagen, DLz. 1933, 2232-34, Suolahti,
Leseb. 6 Sp. 1311-18; Hilka u. Söderhjelm, Neuphilol. Mitteil. 34, 1933, 130, Piquet, Re-
Ausg. der Disciplina clericalis des Petrus AI- vue germ. 24, 1933, 163. — J. Schatz, Heinr.
fonsi (Kl. Ausg. 1911 S.XIV); Gerhard v. Burgeis oder von Burgus?, Anz. 52,216 f.—
Reidemeister, D.Überlieferung des Seelen- Wesle, Stamml. Verfasserlex. 2, 254 f.
trostes I, Hall. Diss. 1915 (mit vollst. Lit.). — 3 Ausg. Aloys Bömer, Die Pilgerfahrt des
Stammler, Gesch. d. nd. Lit. S. 39 f.; Ders., träumenden Mönchs aus der Berleburger Hs.
Mnd. Leseb. S. 38 u. Anmerk. u. Nachweise hgb., Dt. Texte des MA.s Bd. 25, 1915, dazu
Nr.22 S. 137 (Lit); Borchling, Nd. Korrbl. Helm, Anz.39, 39^2, Strauch, DLz. 1917,
41, 1915,35 f. — LG. II, 1, 249. 186-88, Behaghel, Lbl. 1917, 77 f., Frant-
1 Hgb. Wackernagel, Leseb. 5 1313 ff. u. zen, Museum24, 133-35; Adriaan Mejboom,Wackernagel, A. Heinr. S. 51 ff., ed. Toi- Die Pilgerfahrt des träumenden Mönchs nachscher S. 155-62, ed. Stadler S. 181-87. — der Kölner Hs. hgb., Rhein. Beiträge 10, 1926,W.Grimm, Kl.Schr.3, 265; nd. Prosa(15.Jh.): dazu Behaghel, Lbl. 1930 Sp. 7 f., Stamm-Pfeiffer, Germ. 9,261-65. ler, ZfDtschkde 1928, 816. — Marie
2 Hgb. Hans-Friedrich Rosenfeld, Hein- Gothein, Arch. f. Religionswissensch. 10,rieh von Burgus, Der Seele Rat, Dt. Texte des 470; Ehrismann S. 101 ff.