598 Geistliche Literatur
H. Jellinghaus, Mittelniederdt. geistliche Lieder u. Sprüche, ausgew.,1928; Ders., Grundr. I 2 , 366; Osterley in Goedeke, Dt. Dichtg. im MA. 2S.9f.
Eine Reihe von Dichtern des 14./15. Jahrhunderts, die auf verschiedenenGebieten tätig waren, hat sich auch dem geistlichen Liede gewidmet, wieHugo v. Montfort, Suchenwirt, Oswald v. Wolkenstein, Michael Beheim,Muskatblüt, Hans Folz 1 u.a.
Marienlieder
Die Marienverehrung ist die Blüte der Volksfrömmigkeit. Unter allen geist-lichen Liedern besitzen die, welche der Mutter Gottes geweiht sind, den tief-sten lyrischen Gehalt. An erster Stelle zu nennen sind Bruder HansensMarienlieder 2 wegen der poetischen Bedeutung und der meisterlich ge-handhabten Form. Der Dichter hat seine starken Empfindungen in ein äußerstgewähltes Formenspiel gekleidet. Der Aufbau des Ganzen ist episch, indemzuerst die Genealogie der Maria von Adam an berichtet, dann der Beschlußdes Erlösungswerkes (dabei die Geschichte von den Vier Töchtern Gottes)und die biblische Geschichte des Neuen Testamentes bis zur Flucht nachÄgypten erzählt wird. Die Einleitung mit den 15 zwölfzeiligen Strophen inden vier Sprachen deutsch, französisch, englisch, lateinisch ist besonders ge-künstelt. Dann folgen 6 Abschnitte von je 100 jüngeren Titurelstrophen mitdem Englischen Gruß als Akrostichon usw. (s. Franck aaO. S. 393 ff.). DieSprache ist niederfränkisch (Gegend von Cleve), jedoch mit hochdeutsch ge-mischt; Zeit der Abfassung: nach 1391.
Einzelne Marienlieder: 3 Ein Salve Regina in verschiedenzeiligen Strophen,die meist mit lateinischen, ein zusammenhängendes Bittgebet bildendenZeilen beginnen; 316 Reimpaare (Haupt, Ad. Bl. 78-88). — Ein Salve Reginain dem Brevier eines Palästinapilgers, 15. Jahrhundert; die 40 Reimpaare,denen die Worte des lat. Hymnus vorgesetzt sind, beginnen jedesmal mitdessen deutscher Übersetzung (Adelb. Keller, Ad. Gedichte, 1846 S. 245^17;Fröhner, ZfdA. 11,36-38). — Das Guldin Ave Maria in demselben Brevier,dessen 14 Strophen jeweils in der ersten Zeile ebenso gebildet sind (FröhnerS. 38-41; Mone, Quellen u. Forsch. 1, 1830, 110). — Ein Ave Maria in 24 vier-zeiligen einreimigen Strophen (vielleicht noch aus dem 13. Jahrhundert;Klapper, ZfdPh.47, 83-87). — Mehrfach übertragen oder in Reimpaaren
1 Wolkenstein s. Ph. Wackernagel 2, Schröder, ZfdA. 25,127-30.28, 20-22; Mors-478-82 = Nr. 632-39; Folz ebda. Suchen- bach, Bruder Hansens Englisch, ebda 54, 117wirts. Ph. Wackernagel 2,473f. = Nr. 628; -20; Schröder, Gold. Schmiede Ausg. S.83.Wolkenstein ebda 478-82 = Nr. 632-39; — Stellen: Birlinger, Germ. 18, 112 f.; U.Michael Beheim ebda S. 666-89 = Nr.859-80; Hirn, Neuphilol. Mitteil. 29, 1928,36; Suo-Muscatblüt ebda S. 487-508 = Nr. 648-62; lahti, ebda 30, 1929, 146. — Goedeke,Folz S. 830-37 = Nr. 1048-50. Grundr. I 2 , 237 f.; Piper, Geistl. Dichtg.
2 Hgb. R. Minzloff, Bruder Hansens Ma- 1, 283. —Hs.: Petersburg, andere Hss.: Germ,rienlieder aus dem 14. Jh., 1868, dazu Bech, 12, 89 f. 24, 251; ZfdPh. 11, 218-27.
GgA. 1863 S. 1280-1310. — Abh.: Franck, 3 Goedeke, Grundr. I 2 , 238; Singer, DieZfdA. 24, 373-425; Gerss, ZfdPh. 11, 218-27; relig. Lyrik aaO. S. 61-65. 78.