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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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596 Geistliche Literatur

2. Eine umfassendere literarische Tätigkeit entfaltete Heinrich vonLaufenberg; 1 außer seinen zahlreichen geistlichen Liedern (frei geschaffen,oder Übersetzungen und Nachbildungen lateinischer Hymnen, Kontrafakte),die in einfacherem, aber auch in gewählterem Versbau gehalten sind, be-arbeitete er einen Spiegel des menschlichen Heils (1437) und einBuch der Figuren (1441,s. unten), eine Sammlung von Predigten (1425),endlich eine Arzneimittellehre (1429), eine gereimte Verdeutschung deslat. Regimen sanitatis (s. unten). Er stammte aus dem Städtchen Laufen-berg (jetzt Laufenburg, am Rhein im Kanton Aargau), war Priester inFreiburg i. Breisg., 1437, trat 1445 in den St. Johannisorden zu Straßburg.Er hat gegen 100 Lieder gedichtet in den Jahren 1415 bis 1458; bei einigenallerdings ist seine Urheberschaft zweifelhaft. Einige der verehrtesten latei-nischen Kirchengesänge hat er dem deutschen Volke nahe gebracht, wie Avemaris Stella, Salve regina, Stabat mater dolorosa, Puer natus in Bethlehem,Pange lingua gloriosi, Surrexit Christus hodie, Veni redemptor gentium, Venisancte Spiritus. Am meisten liegt ihm die Verherrlichung der heiligen Jungfrauam Herzen.

Die geistliche Tageweise

Zur geistlichen Tageweise 2 wird die Kontrafaktur, wenn der umgedich-tete weltliche Stoff dem Tagelied des Minnesangs nachgebildet ist. Das Motivdes Erwachens oder Erweckens wird gedeutet auf das Erwachen aus demSchlaf der Sünde. Schon in der Bibel, besonders im Hohen Lied, finden sichStellen, die an das Tageliedmotiv anklingen, wenn ein Wächter erscheint oderwenn ein Weckruf ertönt, dasWeck- und Wächtermotiv" ist auch in dieältere lateinische Hymnendichtung übergegangen. Aber das deutsche Tage-lied als Kontrafaktur, als geistliche Umdichtung des weltlichen Tagelieds,ist erst eigentlich eine Schöpfung der Nachblütezeit, des 14./15. Jahrhunderts.Wie weit solche Tageweisen als Volksgesänge umgingen, zeigt eine Nachrichtder Limburger Chronik zum Jahr 1356: in dieser Zeit sang man das Tageliedvon der heiligen Passion, und war neu und machte es ein Ritter: O starckergot usw. (die 6 ersten Verse werden angegeben). Das ganze Lied findet sich

1 Phil. Wackernagel 2, 528-611 = Nr. 701 K. Bass, Notiz üb. H. v. L.'s Gesundheits-

-791 [798] Hoffmann S. 247-370; Ders., In regiment, Alem. 6,235-37. Zum Spec.

Dulci jubilo 2 , 1861, S. 10 ff.; Massmann, hum. salvationis: Chr. M. Engelhardt,

Aufsess. Anzeiger 1,41 ff.; Ferd. Wolf, Üb. Der Ritter v. Stauffenberg, 1823 S. 16-53

die Lais, Sequenzen b. Leiche, 1841, S. 151, E. Breitenbach, Spec. hum. salv., 1930

Bartsch, Germ. 18, 59; Crecelius, Alem. 2, Schröder, Anz. 41, 96. Marienieich

223-33; E. R. Müller, H. v. L., e. literarhist. P. Runge, Der Marienieich H.s v. L., Fest-

Untersuchg. 1888, dazu Strauch, Anz. 16, schrift Liliencron 1910.

108-111, Cbl. 1890, 836; Luise Berthold, 2 Theod. Kochs, Das deutsche geistliche

aaO.; Kochs aaO.; Baechtold, Gesch. d. dt. Tagelied, 1928 (mit Lit.), dazu Otto Schu-

Lit. in d. Schweiz S. 181 f. 203 f. 207 f. u. mann, Anz. 49, 116-20, Petrich, Theol. Lbl.

Anm. S. 46 f. 49. 207 f.; Singer, LG. d. dt. 52, 1931, Nr. 6; Walter de Gruyter, Das

Schweiz S. 24 f.; Ders., Schweizerdeutsch dt. Tagelied, 1887 S. 127 ff.; Roethe, Anz. 16,

S. 93 f.; Ders., D. malterl. Lit. d. dt. Schweiz 86 ff.; Singer, Die religiöse Lit. d. MA.s,

S.23ff. 123. 185 f. u. Anm. Regimen 1933,79.Sanitatis: A. Jentsch, Straßb. Diss. 1909;