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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Die vulgäre Predigtweise. Johann Geiler von Kaisersberg 593

Wertes. Schon in der äußeren Anordnung, in der Disposition, ist oft der Rück-gang zu erkennen. Stark beteiligt sind jetzt, statt der Mönche, die Weltgeist-lichen, die Pfarrer. Diehomiletischen Hülfsmittel", Predigtmagazine, Stoff-sammlungen für Prediger, und ähnliches boten nun für die Abfassung vonPredigten große Erleichterung, lähmten aber die eigene Tätigkeit der dazuVerpflichteten.

Johann Geiler von Kaisersberg

In der deutschen Predigtliteratur des 15. Jahrhunderts ragt nur ein Kanzel-redner hervor, Johann Geiler von Kaisersberg, 1 der als Prediger amMünster in Straßburg eine große Wirksamkeit entfaltete. Geboren in Schaff-hausen, erzogen bei seinem Großvater in dem Orte Kaisersberg im Elsaß,studierte er in Basel und Freiburg und erhielt 1478 einen Ruf nach Straßburgals ziemlich unabhängiger Münsterprediger, welche Stelle er bis zu seinem1510 erfolgten Tode innehatte. Seine Predigten hat er nicht selbst veröffent-licht, sie wurden von Zuhörern aufgezeichnet, oder aus seinen lateinischenKonzepten übersetzt und von andern herausgegeben, in der Mehrheit erstnach seinem Tode.

Seinen Ruhm verdankt er allerdings nicht einer besonders hervorragen-den Begabung; er besaß keine angeborene sprachliche und schriftstellerischeAnlage, er war Verstandesmensch, und so fehlten ihm dichterische Phan-tasie, hoher Aufschwung und Pathos, überhaupt warm gemütvolle Töne.Er war nüchtern, praktisch, gelehrt und welterfahren und besaß eine scharfe

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38 Deutsche Literaturgeschichte IV