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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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Fastnachtspiele 583

und Schweigen gemahnt, oder es wird den Anwesenden einGott grüß" ent-boten, oder der Wirt (Hauswirt) wird angeredet. Dabei wird kurz der Inhaltder zu erwartenden Vorstellung angegeben. Oft werden diese einleitenden WortevomAusschreier" (Exclamator, Praecursor) gesprochen, der indes manchmalauch das Stück beschließt; auch derHerolt" eröffnet zuweilen das Spiel.

Äußerst bunt ist der Stoffreichtum der Fastnachtspiele. 1 Den geistlichen Spielen stehenam nächsten: Des Entkrist Vasnacht (s. ob.); Die alt und neu Ee (Synagoge und Kirche)von Hans Folz (Keller Nr. 1; Aug. L.Mayer, ZfdA.50, 314-25); Kaiser Constantinus, Sil-vesterlegende (106); Ein schön spil von Fraw Jutten (Nr. 111, auch 20). Aus der deutschenHeldensage (Reckenspiel) kommt das Spiel von dem Perner und Wunderer, das sich inhaltlichan König Etzels Hofhaltung anschließt (Nr. 62; Michels S. 65-67; Naumann, Grundzüge derdt. Volkskunde S. 101 f., daselbst S. 100-102 Schwertfegerspiele; Heinr. Pröhle, Welt!, u.geistl. Volkslieder u. Volksschauspiele 2 , 1863, 245-52); Zweikampf zwischen Dietrich und demhürnen Siegfried; Spiel vom Rosengarten (O. Zingerle, Die Sterzinger Spiele, 1886 I, 146).Aus dem höfischen Epos: König Artus' Hof (Nr. 127; Michels, S. 77-79; von Rosenplüt?); DasVasnachtsspiel mit der Krön (Nr. 80); Der Luneten Mantel (Nr. 81); Des Königs von EnglandHochzeit (Nr. 100, von Rosenplüt; Max Hermann, Die Reception des Humanismus in Nürnberg,1899). Aus Schwänken: Von König Salomon und Markolfo (Nr. 60, von Hans Folz; LuigiBiAGiONi,Marcolf u. Bertoldou. ihre Beziehungen, 1930,6ff.); Die Neidhartspiele, deren Kern derSchwankNeidhart mit dem Veilchen" bildet: Neidhart findet das erste Veilchen im Frühling,deckt seinen Hut darüber und meldet es der Herzogin; unter seiner Führung geht sie mitihrem Gefolge zu dem Platze, aber als er den Hut abhebt, liegt anstatt des Veilchens ein Dreckdarunter. Das Neidhartspiel aus St. Paul in Kärnten aus der Mitte des 14. Jh.s, wohl das ältesteweltliche Spiel im Deutschen, 58 V. (vielleicht unvollständig), beschränkt sich in der Hauptsacheauf den Veilchenschwank (Schönbach, ZfdA. 40, 368-74). Dasgroße" Neidhartspiel, Anfang15. Jh.s, Tirol, ist sehr umfangreich, ca. 2800 V., und enthält außer der Veilchenszene nochandere Streiche, die Neidhart den Bauern spielt, und Ritterszenen, die alle auf den Gegensatzzwischen den Rittern und den tölpelhaften Bauern hinausgehen, auch eine Teufelsszene (KellerNr. 53 S. 393467); daskleine" Neidhartspiel (Nr. 21) ist am Ende des 15. Jh.s entstanden(Gusinde, Neidhart mit d. Veilchen, Germ. Abh. 17, 1899; Michels S. 16-28, Das große Neid-hartspiel; F. Hintner, Beiträge zur Kritik d. dt. Neidhartspiele des 14. u. 15. Jh.s, 4 ProgrammeWels 1904-07; R. Brill, D. Schule Neidharts, Pal. 37, 1907, 204-17; Singer, Neidhart-Studien, 1920, 8. 41. 47-49; Rosenhagen, Geist d. dt. MA.s S. 206 f. 208. 283 f.; Holl S. 42-45). Auf Stände sich beziehende Spiele: Besonders die Bauern werden in vielen Fastnacht-spielen mitgenommen (Nr. 2 Wallbruder u. Bauer, 3. 5. 6. 7. 12. 28. 43. 45. 46. 65. 69. 82. 88.104, 112 von Folz); ferner Fürsten und Ritter (Nr. 17. 46. 47. 75); Mönche und Pfaffen (Nr. 64.66); Von einem Kaiser und einem Apt (Nr. 22, auch Sonderdruck von Keller 1850; FroningS. 982-92; von Folz); Papst, Kardinal, Bischöfe (Nr. 78; Froning S. 967-71; von Rosenplüt?);Domherr und Kupplerin (Nr. 37); oft Ärzte in den Arztspielen (Nr. 6. 48. 82. 85. 98. 120;Michels S. 52-59; Hell S. 49 f.); hier kann auch das Gespräch zwischen einem Friheit(Landstreicher) und einem Priester von Hans Folz eingereiht werden (Wackernagel, ZfdA. 8,530-36; s. auch Keller, Fastnachtspiele dritter Teil S. 1115 ff.). Zeitgeschichte: DesTürken Fastnachtspiel (Nr. 93; Froning S. 973-81, von Rosenplüt?).Buhlschaft, Werbenum die Jungfrau, Heirat, Ehe (Nr. 7, von Folz 10. 11. 12. 13. 31. 38. 40. 41. 43, von Folz,44, von Folz. 70. 86. 117. 118; Die Weibernarren auch bei Goedeke, Dt. Dichtg. im MA. 2S. 981 f.). Das Spiel von den sieben Farben (Nr. 103; W. Gloth, Das Spiel von den sieben Far-ben, 1902): sieben Jünglinge in 7 verschiedene Farben gekleidet treten auf, und jeder bringtseine Farbe in Beziehung zur Minne; beruht auf einem Spruchgedicht des 14. Jh.s (bei derHätzlerin S. 168; Zingerle, Sterzinger Spiele Nr. 14; zu Gloth: Ehrismann, ZfdPh. 36,

1 Die in Klammern beigefügten Ziffern bezeichnen die Nummern in Kellers Fastnachtspielen.