582 Das Drama bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts
Pfeifer, der Bürger(untertan) und der Tod. In den folgenden Bildern und Szenentreten auf: in 4: Pfarrer, Tod, Untertan; in 5: Kardinal und die beiden andern;in 6: Papst und die beiden andern; in 7.8.9.10: Kaiser, Richter, Ritter, Fürstund die beiden andern. Das 11. Bild zeigt einen verwesten Leichnam im of-fenen Sarg, welcher spricht: „Gedenke, was wir sind und werden." 12. Bild:Der Tod in Gestalt eines verwesten Leichnams mahnt, an das Ende zu denkenund Gottes Gebote zu halten.
9. WELTLICHE SPIELE
Lit. — Allgemeine Lit. über das Lustspiel: Weinhold, Über das Komische imaltdeutschen Schauspiel, Gosche, Jahrbuch f. LG. 1, 1865,1^14; Karl Holl, Gesch. d. deutschenLustspiels, 1923; Castle, Österreich. Lit., Merker-Stammler Reallex. 2, 592 ff. (mit Lit.).
Fastnachtspiele: Ausg. Adelbert Keller, Fastnachtspiele aus d. 15. Jh., 3 Bde., Lit.Ver. Bd. 28. 29. 30, 1853, und Nachlese Bd. 46, 1858; Schnorr von Carolsfeld, Vier un-gedruckte Fastnachtspiele des 15. Jh.s, Arch. f. LG. 3, 1874, 5 ff.; Froning S. 953-97; B.Ihringer, Altdeutsche Fastnachtspiele, 1909. — Karl Meyer, Fastnachtsspiel u. Fastnachts-scherz im 15. Jh., ZfallgGesch. 3, 1886, 161-81; L. Lier, Stud. z. Gesch. des Nürnberger Fast-nachtspieles, 1889; Baechtold, Gesch. d. dt. Lit. in d. Schweiz 1892, 209-11; Victor Michels,Stud. üb. die ältesten dt. Fastnachtspiele, QF. 77, 1896, dazu Uhl, Anz. 24, 65-73; E. K. Cham-bers, The mediaeval Stage, Oxford 1903, 2 Bde.; Creizenach S. 247; Naumann, PrimitiveGemeinschaftskultur Reg. S. 192; Stammler, Von d. Mystik z. Barock S. 271. 492.
Einzelne Motive. K. Gusinde, Neidhart mit dem Veilchen, Germ. Abh. 17, 1899 (darindas große Neidhartspiel, das kleine Neidhartspiel); H. Gattermann, Die deutsche Frau in denFastnachtspielen, Greifsw. Diss. 1911; W. Berger, Das Ehebruchsmotiv im älteren deutschenDrama, Würzbg. Diss. 1912 (im Fastnachtspiel); H. Holsten, Zur Topographie der Fastnacht-spiele, ZfdPh. 23, 104-08; M. J. Rudwin, The origin of the German Carnival Comedy, New York1920, dazu Schröder, Anz. 40, 92 f.; Fr. Wilh. Strothmann, Die Gerichtsverhandlung alsliterer. Motiv, 1930, 5-18; Rosenhagen, D. Geist d. dt. MA.s, 1929, 202-11. 283 f.; K. Holl,Fastnachtspiele, Merker-Stammler Reallex. 1, 356-58; s. auch unten Mnd. Lit.
Das weltliche Schauspiel der Zeit ist aus der Lebensauffassung des Bürger-tums hervorgegangen. Diese weltlichen Spiele, die zumeist in das 15. Jahr-hundert fallen, sind komödienhaft, Lustspiele, die zur Unterhaltung und Be-lustigung dienen, nicht wie die geistlichen Spiele zur Belehrung und Erbauung.
Fastnachtspiele
Die weltlichen Spiele werden gewöhnlich Fastnachtspiele genannt, wenn-gleich diese Bezeichnung streng genommen nur auf diejenigen Spiele paßt,die aus der Stimmung dieses speziellen Tages hervorgegangen sind, an demdie „Fastnachtsnarren" in Masken ihr Wesen trieben, in den Häusern herum-zogen und komische Szenen vortrugen. Im allgemeinen ist in diesen weltlichenSpielen viel Rohheit und Unflat abgelagert, und die Absicht drängt auf dasGemein-Possenhafte. Das eigentliche, zur Volkssitte gewordene Fastnacht-spiel hat seinen Ursprung im 15. Jahrhundert und seine Heimat in Nürnberg,und die edelste Frucht dieser Dichtart sind die Fastnachtspiele des HansSachs im 16. Jahrhundert. — Die Anordnung der Fastnachtsspiele ist gewöhn-lich der Art, daß am Eingang ein Vorspruch einleitet: es wird zum Zuhören