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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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St. Georg. St. Nicolaus. Theophilus. Spiel von Frau Jutten 579

Bischof seine Pfründe entzogen. Aus gekränktem Stolze läßt er sich vomTeufel verführen, schließt mit ihm einen Pakt und schwört allen Glauben ab,nur nicht den an Maria. Durch eine Bußpredigt wird er von Reue erfaßt, undauf Fürbitte der Mutter Gottes hin erlangt er Christi Gnade. Die Legendewar in verschiedenen Sprachen verbreitet, im Deutschen in der Form vonerzählenden Gedichten und in einem mnd. Drama (s. unten).

Spiel von Frau Jutten

Viel Ähnlichkeit mit der Theophiluslegende im Grundgedanken und in dendaraus sich ergebenden Folgen hat die Legende von Frau Jutten, 1 ver-faßt von Dietrich (Theodorich) Schernberg, einem Geistlichen zu Mühlhausenin Thüringen, um 1490. Die Legende von Theophilus hat er dabei stark be-nutzt, auch andere mhd. Legenden.

Inhalt. Erster Teil V. 1-784. Lucifer ruft sein höllisches Gesinde zusammen, auch des TeufelsGroßmutter tanzt den Rcicn mit (V. 1-128); zwei Teufel kommen als Boten zu der JungfrauJutta und versprechen ihr, der diese Rede wohlgefällt, große Ehre (129-216); Jutta zieht alsMann verkleidet unter dem Namen Johan von Engelland mit ihrem Buhlen Clericus nach Parisauf die hohe Schule, der Magister dort verhilft ihnen dazu, Doctores zu werden (217-394); Juttaund Clericus ziehen miteinander nach Rom; vier Cardinäle bringen sie beide zum Papst Basilius,dann werden sie von diesem zu Cardinälen gemacht. Der Papst stirbt, und Jutta wird von denCardinälen zum Papst gekrönt. Papst Jutta treibt dem Sohn eines römischen Senators einenTeufel aus, dieser offenbart den Cardinälen, daß der Papst ein Weib ist und ein Kind trägt(394-784). Zweiter Teil V. 785 bis zum Schluß V. 1728. Der Erlöser (Salvator) will dem Weib,das Papst geworden ist, ein Ende bereiten, doch Maria bittet um Gnade für sie, auf daß sie nichtfür ewig verdammt werde; dieser Fürbitte entsprechend will der Salvator Barmherzigkeit waltenlassen (785-838) und sendet seinen Engel Gabriel zu Jutta, dann den Tod, der ihr verkündigt,daß sie sterben muß (839-1054). Jutta ruft zum zweitenmal (1054) Maria an; sie stirbt beider Geburt eines Kindes, die Teufel führen ihre Seele zu Lucifer; sie ruft wiederum Maria umHilfe an (1081-1464), und wieder bittet Maria den Salvator und auch St. Nicolaus, daß ihreSeele von den grausamen Höllenhunden erlöst werde und in der Seligkeit ihre Betrübnis ver-gessen möge. Salvator sendet den Engel Michael als Boten zu Papst Jutten Seele, daß sie ausder Pein erlöst werde. Michael bringt die Seele der armen Sünderin, die von Salvator freundlichaufgenommen wird (1465-1724), in den Himmel.

Das Spiel ist nur deutsch, die einzelnen Szenen und die einzelnen Sprech-rollen sind durch deutsche Sätze und die Namen der betreffenden Personenüberschrieben; dadurch erhält der Sprechcharakter des Spiels äußerlich stark

Ausgabe: Theophilus, der Faust des Mittel- von frau Jutten" u. dem Theophilus, Progr.

alters, 1849, S. V-XLIV; K. Plenzat, Die Arnau 1890; Rich. Haage, Dietr. Schernberg

Theophiluslegende in d. Dichtungen d. MA.s, u. seinSpiel von Frau Jutten", Marbg. Diss.

1926. Wilh. Meyer, Radevins Gedicht üb. 1891, dazu Bechstein, Germ. 37, 235-40,

Theophilus, Münch SB. 1873, 49 ff. u. Ges. Wackernell, Anz. 19,342 f., Drescher, Lbl.

Abhandl. 1,59-120; s. LG. I 1 , 361 Anm. 1, 1893, 86-89; Schröder, Goethes Faust u. das

2. Aufl. S. 372 Anm. 1. Spiel von Frau Jutten, Vjschr. f. LG. 4, 1891,

1 Hgb. Edward Schröder, Dietrich Sehern- 336-38; Chr. Sarauw, Textgeschichtliches zu

bergs Spiel von Frau Jutten (1480), 1911; d. Spielen von Theophilus u. Frau Jutten,

früher: Keller, Fastnachtspiele II Nr. 111 Beitr. 48,495 f. (Stellen); Creizenach S. 241

S. 900-55, s. auch Nachlese S. 322. 349 (ge- -43; Walther Rehm, Todesgedanke aaO.

druckt schon von Mag. Tilesius 1565). S. 80 f.; Stammler in Merker-Stammler Real-

Schröder, ADB. 31, 120 f.; A. Reichl, Die lex. 1,237; Merker, ebda 2, 188; Stammler,

Beziehungen zwischen Th. Schernberksspil D. rel. Drama S. 38 f.

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