578 Das Drama bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts
denfall der ersten Menschen. Schon die erste Nachricht von einem solchenSpiel, die in den Regensburger Annalen vom Jahre 1194 überliefert ist, gibtdiesen Inhalt an. Eine Erweiterung fand dadurch statt, daß zuweilen auchder Streit der Töchter Gottes (s. oben) eingefügt wurde. Der Zeit nach fielendie Aufführungen der Paradiesspiele zusammen mit den Weihnachts-, denOster- oder den Fronleichnamsfesten.
Sonst wurden nur wenige Stoffe aus dem Alten Testament dramatisiert:Bruchstücke eines mnd. Spieles von Esau und Jakob und eines ebenfalls mnd.Spiels von Simson (s. unt. mnd. Lit.) sind erhalten; ein lat. Drama „DeIsaac et Rebecca et filiis eorum" in einer Vorauer Hs. des 13. Jahrhundertsist eine Präfiguration, eine Deutung auf das Neue Testament. 1
7. LEGENDENSPIELE 2
Im Verhältnis zu den reichen, im Stoff gegebenen Möglichkeiten zu drama-tischer Darstellung ist die Zahl der Legendenspiele gering.
St. Georg. St. Nicolaus
Das in einer Augsburger Hs. vom Jahre 1473 erhaltene Spiel von St. Georg 3(etwa 1680 V.) hat in der Fassung bei Greiff manche Schönheiten, besondersin der Schlußszene, wo St. Georg die Königstochter befreit, die sich zumChristentum bekehrt.
Ein kurzes Spiel von St. Nico laus, lat., 36 Hexameter, ist in einer Ein-siedler-Hs. (Schweiz) des XII. Jahrhunderts enthalten: 4 Drei Studentenkehren auf der Wanderschaft bei einem Ehepaar ein, werden von diesem er-mordet, vom heil. Nikolaus wieder erweckt. Eine ehemals Hildesheimer Hs. 5des 11. Jahrhunderts enthält zwei lateinische dramatische Nikolauslegendenin 19 bzw. 16 vierzeiligen Strophen mit Kehrreim. Die erste der zwei dra-matischen Legenden: der heil. Nikolaus errettet einen in Armut geratenenVater und seine drei Töchter aus Elend und Schande (Gespräch zwischen demVater und jeder der drei Töchter, St. Nikolaus als Fremdling hilft ihnen durchein Geschenk). Die zweite Legende behandelt die Ermordung und Wieder-erweckung der drei Kleriker.
Theophilus
Am meisten verbreitet war die Legende von Theophilus, dem Teufels-bündler. 6 Dem Vizedominus Theophilus in Adana in Cilicien wird von dem
1 Karl Meyer, ZfdA.39, 424 f.; Creize- — Creizenach S. 236.
nach S. 68. 114 f.; Stammler, Reallex. aaO. 4 Das Einsiedler Spiel hgb. P. Gall Morel,
3 Creizenach S. 125-27. 236-39; Stamm- Anz. f. Kde. d. dt. Vorz. 1859, 207. — Singer,
ler, D. rel. Drama S. 23 f. 38-40; Ders., Mer- LG. d. dt. Schweiz im MA., 1916, S. 18; Crei-
ker-Stammler Reallex. 1,237; Merker, ebda zenach S. 97.
2, 187 f. s Jetzt im Britischen Museum, hgb. Ernst
3 Hgb. Keller, Fastnachtspiele, Nachlese Dümmler, ZfdA. 35, 401-7. — Dümmler
Nr. 125; Benedikt Greiff, Germ. 1, 165-92; und Schröder, ZfdA. 36, 238-40.
Alwin Müller, D. Spiel von St. Georg von ° Die verschiedenen Bearbeitungen der Theo-
e. Augsburger Bürger von 1473, erneuert, 1924. philuslegende s. Ettmüller, Vorwort zu seiner