Das Spiel von den zehn Jungfrauen. Unbedeutendere Spiele. Bruchstücke 577
Unbedeutendere Spiele. Bruchstücke
Unbedeutend sind: Ein Spiel von Johannes dem Täufer. 1 Ein Spielvom verlorenen Sohn, 2 am Pfalz-Zweibrückener Hof aufgeführt. EinSpiel von Sant Elisabeth wurde in Marburg aufgeführt laut einer Nach-richt aus dem Jahre 1481. 3 Über das Spiegelbuch s. oben.
Über die biblische Tradition hinaus führen die Bruchstücke einer GothaerHs. des 15. Jahrhunderts (58 zum Teil verstümmelte Verse, thüringisch), diezu einem Schauspiel gehören, das sich über mindestens zwei Tage erstreckt.Die erhaltenen Verse handeln von der Zerstörung Jerusalems durchVespasianus und Titus und von der Rache an Nero für die Verfolgung derApostel. Es redet nur eine Person, ein Bote (Botenrolle). 4 — Auch in derInnsbrucker Hs. von Mariae Himmelfahrt (s. oben) schließt sich noch die Zer-störung Jerusalems an. 5
6. ALTTESTAMENTLICHE SPIELE
Spiele, in welchen Stoffe aus dem Alten Testament behandelt werden, sindnur selten. Die ganze biblische Geschichte des Alten und Neuen Testamentesvon der Schöpfung bis zur Auferstehung Christi ist Gegenstand eines auf dreiTage berechneten Spieles mit einem Umfang von 7000-8000 Versen; Hs. Ende15. Jahrhunderts aus Eger. Inhalt: Erschaffung des Paradieses, Abfall undSturz Lucifers, Erschaffung Adams und Evas, ihre Verführung durch dieSchlange, das ist Satanas, der Diener Lucifers usw., der biblischen Geschichtefolgend. Benutzt sind ältere Spiele und Lieder. 6
Paradiesspiele
Beliebt waren die Paradiesspiele 7 (Paradeisspile) oder Adam-und-Eva-Spiele. Sie hängen mit dem Prophetenspiel zusammen, denn das Elternpaarder Menschen hat nach dem Sündenfall mit dem Fluch auch die Verheißungvon Gott erhalten. Somit waren Adam und Eva die ersten Zeugen für dieGottheit Christi; Sündenfall und Erlösung durch Christus, die beiden Poleder christlichen Heilsgeschichte, werden in späteren Paradiesspielen häufigeinander gegenübergestellt. Das Paradeisspiel enthält die Schöpfungsgeschichteund die Erschaffung der Engel, den Abfall und Sturz Lucifers und den Sün-
1 O. Richter, Das Johannisspiel zu Dresden 5 Mone 1, 19 ff. — Creizenach S. 235 f.
im 15. u. 16. Jh., N. Arch. f. sächs. Gesch. u. 6 Im Auszug hgb. Bartsch, Germ. 3,267-97.
Altertumskunde 1883, 101-14; L. Gombert, 7 Carl Klimke, Das volkstümliche Paradies-
Joh. Aals Spiel von Johannes d. Täufer u. die spiel u. seine mittelalterl. Grundlagen, Germ,
älteren Johannesdramen, Germ. Abh. 31, Abh. 19, 1902; E. Peters, Quellen u.Charak-
1908; Oskar Thulin, Johannes d. Täufer im ter der Paradiesesvorstellungen in d. dt. Dichtg.
geistl. Schauspiel d. MA.s u. der Reformation, vom 9. bis 12. Jh., Germ. Abh. 48, 1915; Nau-
2 E. Schmidt, Analecta Germ. H. Paul dar- mann, Grundzüge der Deutschkunde, 1922,gebracht, 1906. 106 f.; Fr. Wilh. Strothmann, Die Gerichts-
3 Schröder, Anz. 39, 175. Verhandlung als literar. Motiv in d. dt. Lit. d.
4 Abgedr. Bartsch, Beiträge zur Quellen- ausgehenden MA.s, 1930, 66 ff.; Stammler,künde S. 355-58; Schröder, Die Gothaer D.relig. Drama S. 14; Ders., Merker-StammlerBotenrolle, ZfdA. 38, 222-24. Reallex. 1, 223 f.
37 Deutsche Literaturgeschichte IV