Die rheinfränkisch-hessische Gruppe 563
wie sie Jesum zum Tode bringen. Luzifer ist der Herr der Teufel, Satanas seinoberster Knecht, eine ganze Anzahl seiner Gesellen treten auf, mit Namenwie Beltzbuck, Binckenbangk, Spiegelglantz, Belial u.a. Ihre erste Bosheitführen sie mit der Enthauptung Johannes des Täufers aus, zu der sie dieHerodias anstiften. Dann geht die Entwicklung weiter von der VersuchungJesu durch den Teufel bis zum Abendmahl (erster Spieltag). Von diesem biszum Urteil des Pilatus und daran sich anschließender Disputation zwischenEcclesia und Synagoga reicht die Handlung des zweiten Tages. Der dritteTag führt Kreuzigung, Grablegung, Auferstehung, Himmelfahrt aus undschließt mit der Aussendung der Apostel zur Predigt des Evangeliums. Schonder Umfang läßt erkennen, daß die Handlung sehr breit und weitschweifigist;die Auffassung ist volkstümlich, derb, realistisch und entspricht so rechtdem Geschmack des damaligen Bürgertums; insofern beruht die Darstellungauf innerer Wahrheit. - Benutzt sind verschiedene andere Spiele, fast wört-lich übernommen ist die Trierer Marienklage.
Das Friedberger Passionsspiel 1 ist ebenfalls nur eine Dirigierrolle,kein ausgeführtes Spiel. Es werden also bloß die auftretenden Personen unddie Handlung angegeben, lateinisch, und jedesmal der erste Vers dessen, wasdie auftretende Person lateinisch oder deutsch zu singen bzw. zu sprechen hat.
Das Fritzlarer Passionsspiel, 2 um 1460, ist nur in Bruchstücken er-halten (207 V.). Es steht in der Aufeinanderfolge der Szenen dem Spiel derFrankfurter Dirigierrolle am nächsten und hat mit andern Spielen, besondersmit dem Alsfelder Passionsspiel, viele Verse ganz oder nahezu wörtlich gemein.
Das Heidelberger Passionsspiel, 3 Hs. von 1514 in Heidelberg, be-ruht ebenfalls auf dem Spiel der Frankfurter Dirigierrolle. 6125 Verse um-fassend bricht es mit Joseph von Arimathia unvollendet ab. Eine Eigentüm-lichkeit dieses Spieles sind die (dreizehn) Präfigurationen: Szenen des NeuenTestaments sind in Parallele gesetzt zu solchen des Alten Testaments, so istz.B. der Heilung der Aussätzigen (Ev. Luc. 17, 12ff.) durch Jesus die HeilungNaemans durch Elisa (IV. Reg. 5) gegenübergestellt. Die Verse sind schlecht.Den Namen hat das Spiel von der Hs., die in der Heidelberger Univers.-Bibl.als Cod. pal. germ. 402 aufbewahrt ist (Bartsch, Katalog I, 1886, S. 131).
Untereinander nahe verwandt sind folgende Osterspiele:
Das rheinische Osterspiel der Berliner Hs. 4 ist in der MainzerGegend um 1450 entstanden und wurde 1460 geschrieben. Der Text, Reim-
1 Weigand, ZfdA. 7, 545-56; Creizenach * Hgb. Hans Rueff, Das rhein. OsterspielS. 225. 226 A. 3. der Berl. Hs. Ms. Germ. toi. 1219 mit Unter-
2 Neu aufgefunden: K. Brethauer, Bruch- suchungen z. Textgesch. des dt. Osterspiels,stücke eines hessischen Passionsspiels aus 1925, dazu Schröder, GRM. 13, 1925, 491 f.,Fritzlar, ZfdA. 68, 17-31. Maurer, Lbl. 1931, 24-26. — Creizenach
3 Hgb. Gust. Milchsack, D. Heidelberger S. 107. 112; Rud. Höpfner, UntersuchungenPassionsspiel, Lit. Ver. Bd. 150, 1880. — Crei- zu dem Innsbrucker, Berliner u. Wiener Oster-zenach, Reg. S. 599; Grace Frank, The pa- spiel, Germ. Abh. 45, 1913, dazu H. Rueff,latine passion and the development of the Anz.38,70-74 (diese 3 Spiele sind miteinanderpassion play, Public, of the mod. Lang. ass. 35, verwandt).
1921.
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