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Teil 2, Die mittelhochdeutsche Literatur Abschn. 2. Blütezeit Hälfte 2 (1935) Schlußband
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562 Das Drama bis zum Anfang des 15. Jahrhunderts

Die beiden Frankfurter Spiele. 1 Frankfurt ist in der Geschichte dergeistlichen Spiele von großer Bedeutung durch die vielen Aufführungen unddurch zwei Spiele, die dort entstanden.

Die Frankfurter Dirigierrolle und das in derselben enthaltene Pas-sionsspiel. Dieses Regiebuch (Ordo sive Registrum) wurde von dem Frank-furter Kanonikus Baldemar von Peterweil 1350 verfaßt und gibt Anweisungenfür den Spielleiter, nach denen dieser die Aufführungen dirigierte. Auf jedeAnweisung, die alle 375 lateinisch sind, folgt jeweils die Anfangszeile derStrophe, die die betreffende Person, welche zum Reden bzw. Singen aufgefor-dert wird, vorzutragen hat, deutsch oder lateinisch. Auf diese Weise entwickeltsich ein ganzes Drama, das die Geschichte Jesu von der Taufe bis zur Himmel-fahrt umfaßt. Ein Vorspiel, in dem Augustinus David, Salomo und diePropheten auffordert, ihre Weissagungen vorzutragen (also ein Propheten-spiel), auf welche hin die Juden jedesmal höhnische Ausfälle machen, gehtvoran. Das Spiel ist auf zwei Tage verteilt; am ersten Tage geht es bis zurGrablegung, am zweiten folgen Auferstehung, Himmelfahrt und das Nach-spiel, in welchem Ecclesia und Synagoga disputieren und dann einige Judensich von Augustinus taufen lassen. Das Spiel der Dirigierrolle hat als Quelleneine Redaktion des St. Galler Passionsspiels und das Gedicht von der Er-lösung (s. oben).

Das Frankfurter Passionsspiel von 1493 ist vollständig deutsch(4408 V.), nur die kurzen Anweisungen sind lateinisch. Nach einem VorspielAugustinus und Propheten, Entgegnung jüdischer Rabbiner beginnt dieGeschichte Jesu von der Berufung der Jünger bis zur Grablegung einschließ-lich, mit häufigen Reden der Synagoge und der Juden. Ein durchgehendesHauptmotiv ist der Gegensatz zwischen dem Heiland, Salvator, und denJuden. Es ist eine umfangreiche Überarbeitung des Spiels der Dirigierrolle,auf drei Tage verteilt.

Fast doppelt so groß ist das 1501 zum erstenmal aufgeführte oberhessischeAlsfelder Passionsspiel 2 (8095 V., Reimpaare). Es ist aufgebaut auf demGegensatz zwischen Christen und Juden, in welchen das Motiv vom Teufelals Anstifter alles Bösen verwoben ist, weshalb den Teufeln eine wichtigeRolle zukommt. So setzt die Handlung ein mit einer Beratung der Teufel,

1 Die Dirigierrolle mit dem zugehörigen spiel mit Worterb., 1874; Froning II, 547-Spiel und das Frankf. Spiel von 1493 hgb. III 864; kurzer Auszug von Vilmar, ZfdA. 3,Froning II, 325(376)-546; ältere Ausgabe: 477-518. Weigand, ZfdA. 6,485 (Stellen);J. C. v. Fichard in dessen Frankf. Archiv 3, Creizenach S. 225 f.; E. W. Zimmermann,1815, dazu Kollation von Fr. Pfaff, Germ. 25, D. Alsf. Passionsspiel u. die Wetterauer Spiel-417 f. Abh. zur Dirigierrolle: Jul. Peter-' gruppe, Gott. Diss. 1909; Rügamer aaO.;sen, Aufführungen u. Bühnenplan des älteren Ed. Becker, Nachlese z. Alsf. Passionsspiel,Frankfurter Passionsspieles, ZfdA. 59, 83-126; Arch. f. hess. Gesch. u. Alt. NF. VII, 484-92;Ders., ZfdPh. 49, 247. Zur Rolle u. zum Burdach, Vorspiel I, 1, 192-95. D. Alsf.Spiel 1493: Creizenach S. 224 f. Zum Passionsspiel, Vorwort von Rud. Mirbt,Spiel: Burdach, Vorspiel I, 1, 190-93. Münchener Laienspiele 38, 1928. O. Bek-Über Passionsspiele in Mainz s. F. Herrmann, kers, D. Spiel von d. 10 Jungfrauen aaO.Beitr. z. hess. Kirchengesch. 3, 1909, H. 4. S. 87 u. pass.

2 Ausg.: C.W.M. Grein, Alsfelder Passions-